Evan N'Dicka im Duell mit Diaby

Schon zwei Tage nach der Rückkehr aus Istanbul trifft Eintracht Frankfurt auf Bayer Leverkusen. Die Werkself reist ausgeruht und mit einer der besten Offensiven der Liga an. Trainer Oliver Glasner ist gefordert.

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Oliver Glasner auf der Pressekonferenz
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Den Tag nach dem Erreichen des Europa-League-Achtelfinals nutzte Eintracht Frankfurt, um Füße, Beine und Köpfe wieder etwas zu lockern. Ein Sprung ins Meer wie Anfang November in Piräus war in Istanbul zwar nicht möglich, bei einer Joggingrunde ums Hotel gab es aber immerhin eine ordentliche Ladung Vitamin D. "Wir haben hier 15 Grad und Sonnenschein, das ist sehr angenehm", sagte Trainer Oliver Glasner am Freitagmorgen.

Nach einer kurzen Einheit im Anschluss im Hotel-Kraftraum ging es für den hessischen Tross dann zum Flughafen und für die meisten Spieler wohl umgehend in die Waagerechte. Coach Glasner hingegen nutzte den Flug für die Vorbereitung auf das kommende Heimspiel am Sonntag (17.30 Uhr) gegen Bayer Leverkusen. "Wir haben uns bis jetzt auf Fenerbahce konzentriert, auf dem Rückflug kümmere ich mich mit den Analysten um Leverkusen." Die Zeit in englischen Wochen ist eben knapp.

Leverkusen mit mit zweitbester Offensive der Liga

Im Mittelpunkt der detaillierten Betrachtung des nächsten Gegners der Eintracht stand, das verriet Glasner schon vorher, die Leverkusener Offensive. Der Angriff um das deutsche Ausnahmetalent Florian Wirtz, die schnellen Außen Moussa Diaby und Amine Adli, die immer wieder von den Außenverteidigern unterstützt werden, sowie Zwölf-Tore-Mittelstürmer Patrik Schick sei nur "mit der kompletten Mannschaft" zu stoppen, so Glasner. "Wir werden ihnen einen heißen Fight liefern müssen."

Wie groß die Aufgabe ist, die auf die Frankfurter Abwehr zukommen wird, verdeutlicht auch ein Blick in die Statistik: Mit 35 erzielten Toren stellt die Werkself hinter dem FC Bayern (45) und gemeinsam mit dem BVB die zweitstärkste Angriffsreihe der Liga. Die Eintracht hat zum Vergleich gerade 18 Mal getroffen, also nur knapp halb so oft. "Bayer hat zuletzt wieder eindrucksvoll gezeigt, welche Qualität sie haben. Offensiv sind sie sehr gefährlich, haben sehr viel Speed."

Zum Beweis: Mit Außenverteidiger Jeremie Frimpong (35,6 km/h), dem verletzten Mitchel Bakker (35,6 km/h) und Diaby (35,1) gehören gleich drei Bayer-Akteure zu den Top 15 in der offiziellen Bundesliga-Topspeed-Rangliste. Der beste Frankfurter ist Evan N'Dicka auf Platz 38 (34,5 km/h). Was also tun gegen diese Offensiv-Macht?

Glasner denkt über Viererkette nach

Eine Möglichkeit: die Rückkehr zur Viererkette und damit mehr Präsenz auf den Flügeln. Die beiden Innenverteidiger kümmern sich um Schick, die Pärchen auf den Außenbahnen fungieren als Wellenbrecher. "Das ist eine Option", verriet Glasner. Aber auch eine ähnliche Anordnung wie in München oder gegen RB Leipzig, als die Eintracht in der Fünferkette mit fünf gelernten Verteidigern auflief und Kostic eine Position nach vorne rückte, sei denkbar. "Wir haben die eine oder andere Idee. Aber noch weiß ich es nicht", sagte Glasner. Die endgültige Entscheidung soll nach dem Abschlusstraining am Samstag fallen.

Ob der Österreicher, der zuletzt vier Mal in Folge der gleichen Startelf vertraut hatte und in Istanbul nur wegen der Verletzung von Jesper Lindström wechselte, auch personell etwas ändert, ließ er offen. Seine Landsmänner Stefan Ilsanker und allen voran Co-Kapitän Martin Hinteregger seien zwar "ernste Alternativen". Auch hier sei aber noch alles offen. Sollte Glasner tatsächlich auf die Viererkette wechseln, führt an Hinteregger kein Weg vorbei. Für ihn müsste dann Makoto Hasebe, der zuletzt zwei Mal patzte, auf die Bank.

Ausgeruhte Beine doch kein Vorteil?

Ein entscheidender Faktor in der Endphase dieser Rückrunde und nur drei Tage nach dem Europa-League-Auftritt bei Fenerbahce könnte zudem die Fitness werden. Zwar war auch Bayer Leverkusen noch am Donnerstagabend bei Ferencvaros Budapest aktiv (0:1), im Gegensatz zu Glasner konnte Bayer-Coach Gerardo Seroane dabei aber den Großteil des Stammpersonals schonen. Im Vergleich zum 7:1-Heimsieg gegen Greuther Fürth wechselte er in der Startelf gleich neun Mal, Leistungsträger wie Schick, Wirtz oder Lukas Hradecky mussten die Reise gar nicht erst mitantreten.

Vorteil Bayer also? Nicht unbedingt, glaubt man Eintracht-Coach Glasner. "Ich habe mit solchen Total-Rotationen schon sehr schlechte Erfahrungen gemacht", berichtete er. "Ich habe das einmal in Linz vor einem Derby und einmal in Wolfsburg vor dem entscheidenden Europa-League-Qualifikationsspiel in Athen gemacht. Beide Spiele haben wir dann verloren." Aberglaube. Auch das kann ein Mittel gegen die Bayer-Offensive sein.

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