Frust bei Kevin Trapp von Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt kann auch gegen Fenerbahce Istanbul nicht gewinnen und zeigt erneut eine durchwachsene Vorstellung. Dem Team fehlt Esprit, der Offensive fehlen Ideen. Es gibt aber auch Lichtblicke. Die Analyse in fünf Punkten.

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Filip Kostic von Eintracht Frankfurt im Spiel gegen Fenerbahce
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Eintracht Frankfurt ist am Donnerstag mit einem 1:1-Unentschieden gegen Fenerbahce Istanbul in die Europa League gestartet. Mesut Özil brachte die Gäste in Führung (10.), Neuzugang Sam Lammers glich aus (41.). Kevin Trapp parierte in der Nachspielzeit einen Elfmeter und bekam dann Hilfe vom VAR.

1. Glasner bringt zwei Stürmer

Wie genau die Kommunikation zwischen dem gesperrten Eintracht-Trainer Oliver Glasner und seinem Team rund um die Partie gegen Fenerbahce ablief, ist nicht bekannt. Bevor sich der Österreicher in seine Loge verzog, hatte er mit Sam Lammers und Rafael Borré aber erstmals in dieser Saison zwei nominelle Stürmer in die Anfangsformation beordert. Neuzugang Kristijan Jakic feierte zudem seine Startelf-Premiere auf der Doppelsechs, Danny da Costa (rechts) und Erik Durm (links) bildeten das Außenverteidiger-Pärchen.

Taktisch änderte sich durch den zusätzlichen Angreifer jedoch nichts. Das von der UEFA auf dem offiziellen Aufstellungsbogen gemalte 4-4-2-System entpuppte sich auf dem Rasen schnell als das übliche 4-2-3-1. Borré bildete das Pendant zu Filip Kostic auf der rechten Seite, Daichi Kamada übernahm die Rolle des Spielmachers. So weit, so gut. Zumindest theoretisch.

2. Offensive ist zu berechenbar

Die praktische Umsetzung von Glasners Vorgaben gelang nämlich auch gegen Fenerbahce nur in Ansätzen. Die Eintracht, die die Anfangsphase fast komplett verschlief, erzeugte wieder einmal viel zu wenig Torgefahr. Die Hessen sind davon abhängig, dass Flügelflitzer Kostic irgendwie an den Ball und ins Rollen kommt, sonst wird es schwierig.

Zum Beweis: Kostic leitete die erste große Frankfurter Chance durch Djibril Sow mit einer Einzelaktion ein (23.), Kostic bereitete das Tor von Lammers mit einer punktgenauen Hereingabe vor (41.), Kostic vergab in der Schlussphase (75.) die einzige Möglichkeit des zweiten Durchgangs gleich selbst. Mehr war nicht.

Heißt: Die Eintracht-Offensive ist viel zu berechenbar, die ganze Last liegt auf den Schultern von Kostic. Lammers, Kamada, Borré und der später eingewechselte Jens Petter Hauge sind sicher ordentliche bis gute Fußballer, das Zusammenspiel funktioniert aber noch nicht. Insgesamt fehlt es an Ideen und Durchschlagskraft. "Wir haben vorne Abstimmungsprobleme. Da war nicht alles rund, nicht alles perfekt", fasste Glasner passend zusammen.

3. Eintracht oft zu fahrig

Da sich zu den bereits bekannten Defiziten in der Offensive vor allem in der Anfangsphase auch noch ein seltsamer Schlendrian einschlich, musste die Eintracht letztlich heilfroh über den einen Punkt sein. Von der Power früherer Europa-League-Nächte war am Donnerstag nichts spürbar. Die insgesamt 25.000 Fans auf den halbvollen Rängen bemühten sich zwar um Support, letztlich rundete aber auch die Atmosphäre das Gesamtbild eines nicht funktionierenden Gesamtkonstrukts ab. Der Funke sprang nicht über.

Trainer Glasner lobte sein Team nach Abpfiff dann zwar dafür, sich nach anfänglichen Schwierigkeiten zurück ins Spiel gekämpft zu haben. Dass eine solche Selbstverständlichkeit überhaupt erwähnt werden muss, zeigt aber, dass bei der Eintracht noch einiges im Argen liegt. "Es wirkte teilweise, als wären wir nervös gewesen. Wir müssen noch das Gefühl füreinander finden", so Glasner. Die Eintracht ist noch auf der Suche nach sich selbst.

4. Jakic ist der Lichtblick

Bei aller Kritik am Frankfurter Auftreten gab es aber auch einen echten Lichtblick: Jakic, der sein Startelf-Debüt im zentralen Mittelfeld feierte, verkörperte an der Seite von Djibril Sow vieles von dem, was die Hessen in den vergangenen Wochen schmerzlich vermisst hatten: Galligkeit, Aggressivität, gutes Umschalten. Jakic hievte sich selbst in eine Chefrolle und übernahm direkt das Kommando. In der Defensive räumte er ab, die Offensive kurbelte er an. Und in den zahlreichen Spielunterbrechungen fand er auch noch Zeit, um sein Revier zu markieren.

"Es hat mir sehr gut gefallen, dass er sich auch mal mit den Gegenspielern angelegt hat. Er lässt sich nichts gefallen, war aber nie unfair", schwärmte Glasner über seinen neuen starken Mann im Maschinenraum. Im ersten Durchgang übersah Jakic bei einem Konter zwar den mitgelaufenen Kostic und entschied sich für den falschen Pass (18.). Auch sonst rannte er sich ein paar Mal etwas zu kopflos fest. Insgesamt machte der Auftritt aber Mut und Lust auf mehr. Jakic ist genau der Spieler, den die oft etwas zu brave Eintracht im Mittelfeld braucht.

5. Trapp und VAR verhindern Katerstimmung

Der Befreiungsschlag und der erste Saisonsieg lassen also auch nach dem insgesamt sechsten Pflichtspiel in dieser Spielzeit weiter auf sich warten. Kevin Trapp und der VAR verhinderten aber zumindest, dass der Abend nicht doch noch mit dem nächsten richtigen Dämpfer endete.

Der Nationalkeeper hatte in der Nachspielzeit zunächst einen selbstverschuldeten Elfmeter pariert, war dann aber im Nachschuss von Mergim Berisha überwunden worden. Da der vermeintliche Torschütze jedoch zu früh in den Strafraum gelaufen war, wurde der Treffer nach Überprüfung wieder aberkannt. Die Eintracht durfte jubeln und konnte den Platz kurz später mit dem Gefühl eines Erfolgserlebnisses verlassen. "Das wäre ein heftiger Nackenschlag gewesen. So können wir hoffen, dass das jetzt die Wende in die richtige Richtung war", so Glasner. So langsam wird es Zeit dafür.

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zum Video Die Eintracht-Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Fenerbahce

Oliver Glasner
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