Enttäuschung bei Makoto Hasebe, Daichi Kamada und Randal Kolo Muani nach Abpfiff

Eintracht Frankfurt und Hertha BSC betreiben bei einem verdienten Unentschieden gleichermaßen Chancenwucher. Und doch erregt eine Szene am Ende die Gemüter. Die Analyse in fünf Punkten.

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Highlights: Hertha BSC - Eintracht Frankfurt

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Eintracht Frankfurt ist wieder im Bundesliga-Alltag angekommen: Nur drei Tage nach dem Supercup-Finale gegen Real Madrid gab es ein 1:1-Unentschieden in Berlin bei Hertha BSC. Die Tore erzielten Suat Serdar (3. Minute) und Daichi Kamada (48.).

1. Eintracht mit neuer Offensive

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Unentschieden zwischen Hertha BSC und Eintracht Frankfurt

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"Es kann durchaus sein, dass der eine oder andere Neue in der Startelf stehen wird", hatte Oliver Glasner in der Pressekonferenz vor dem Spiel angekündigt. Und genau das passierte: Mit Mario Götze, Lucas Alario und Randal Kolo Muani war die gesamte Offensive neu. Hinzu kam Daichi Kamada, der anstelle von Sebastian Rode in die Mannschaft rotierte. Die Ausrichtung war damit im Vergleich zum Supercup gegen Real Madrid offensiver.

Auf einen Neuen musste Glasner allerdings noch verzichten: Luca Pellegrini, als Ersatz für Filip Kostic für die linke Seite verpflichtet, durfte noch nicht mittun. Mit Christopher Lenz wurde es wieder die defensivere Variante.

Die Aufstellung der Eintracht bei der Hertha

2. Zwei schnelle Tore

Wie schon im ersten Bundesliga-Spiel gegen die Bayern gab es schnell eine kalte Dusche: Kamada verlor den Ball im Mittelfeld, Evan N'Dicka und Lenz hinderten Dodi Lukebakio nicht an der Flanke und Ansgar Knauff hatte im Duell mit Suat Serdar das Nachsehen – die Folge war das 1:0 für die Hertha nach nur drei Minunten und die harte Analyse von Glasner, der die Eintracht-Defensive in dieser Situation als "bundesligauntauglich" beschrieb.

Aber was die Hertha kann, konnte die Eintracht genau eine Stunde später auch: Nur drei Minuten nach der Halbzeitpause pressten die Frankfurter stark, aus dem Ballgewinn und einem Pass von Kolo Muani auf Kamada entstand das 1:1. Doch Zeitpunkt und Entstehung der Tore waren nicht die einzigen Ähnlichkeiten der beiden Teams an diesem Tag.

3. Der Chancenwucher von Charlottenburg

Denn im Berliner Olympiastadion wurde auf beiden Seiten Chancenwucher betrieben. Schon in der 7. Minute vergab Alario freistehend kläglich - der erfolgte Abseitspfiff wäre vermutlich später durch den VAR aufgehoben worden. In der 42. Minute haute Kamada einen Volley übers Tor und wiederholte diese Aktion gar noch einmal in der 63. Minute. Kolo Muani und der zur Halbzeit eingewechselte Faride Alidou verfehlten jeweils knapp das lange Eck (56./78.) - die Eintracht hätte also locker mehr als einen Treffer erzielen können.

So erging es aber auch der Hertha, die nach Pokal-Aus und Derby-Niederlage auf Wiedergutmachung aus war. Die immer wieder wacklige Eintracht-Defensive ließ viele Chancen zu, die Berliner konnten sie aber nicht nutzen. Ein Missverständnis in der 23. Minute, das fast sinnbildlich für die aus Frankfurter Sicht gebrauchte erste Halbzeit stand, leitete einen Hertha-Angriff ein, Wilfried Kanga haute dan Ball völlig freistehend drüber.

In der zweiten Hälfte erwies sich Lukebakio als Chancentod (53./61./62.). Die kurioseste Szene spielte sich dann in der 83. Minute ab: Serdar zog aus rund sieben Metern ab und traf statt des Tores seinen Mitspieler Stevan Jovetic. 12:11 Torschüsse standen am Ende in der Statistik, mehr als ein Treffer auf jeder Seite sprang aber nicht heraus.

4. VAR-Aufregung in der letzten Minute

Dass das zweifellos verdiente Unentschieden dann doch noch einen Aufreger bekam, lag an einer Szene in der 89. Minute: Der eingewechselte Rafael Borré umkurvte Hertha-Keeper Oliver Christensen und fiel nach einer Berührung am Fuß zu Boden - Schiedsrichter Frank Willenborg gab Elfmeter, schaute sich die Szene dann nach VAR-Eingriff mehrere Minuten an und revidierte seine Entscheidung. Pech für die Eintracht, die sich einen schmeichelhaften Last-Minute-Sieg hätte sichern können.

"Der Torhüter berührt Rafael Borré am Fuß. Das ist ursächlich dafür, dass er stürzt. Und dann ist das ein Foul", monierte Glasner, der Willenborgs Entscheidung als "Fehler" bezeichnete. "Ich hatte heute nicht wirklich ein gutes Gefühl beim Schiedsrichter", sagte Djibril Sow. Der Unparteiische selbst äußerte sich nach dem Spiel am Sky-Mikrofon und verteidigte sein Vorgehen.

"Ich habe in diesem Spiel sehr großzügig gepfiffen, diese kleine Berührung hätte ich im Mittelfeld auch nicht gepfiffen. Daher habe ich diesen Strafstoß zurückgenommen", sagte Willenborg. Der Schiedsrichter habe "keinen Gurkenelfmeter" geben wollen, zitierte Trapp aus seiner Unterhaltung mit Willenborg - der sich an diese Wortwahl später im Interview aber nicht erinnern konnte oder wollte.

5. Kolo Muani betreibt Werbung in eigener Sache

Defensiv wacklig, offensiv noch in der Findungsphase - so könnte man die ersten Saisonspiele der Eintracht beschreiben. Der VAR-Ärger sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Form noch nicht bei allen Frankfurter Kickern stimmt und das Team mit einem Ballbesitz von 61 Prozent in Berlin nicht allzu viel anfangen konnte.

Wobei ein Stürmer deutlich hervorsticht: Kolo Muani hatte sich seinen Startelf-Einsatz nach mehreren guten Auftritten als Joker verdient und zeigte auch gegen die Hertha, warum man in Frankfurt viel von ihm hält. Er lief der Berliner Defensive samt Ball davon, jagte seinen Gegnern am Strafraum die Kugel ab, spielte Kamada beim Tor stark frei und war auch sonst der Eintracht-Spieler, von dem die meiste Gefahr ausging.

Die Belohnung: Im Gegensatz zu den glücklosen Alario und Götze durfte der Franzose durchspielen und ist für die nächsten Partien ganz sicher wieder ein heißer Startelf-Kandidat. Im Heimspiel gegen den 1. FC Köln am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) wird Glasner jedenfalls kaum an ihm vorbeikommen.

Weitere Informationen

HERTHA BSC - EINTRACHT FRANKFURT 1:1 (1:0)

Berlin: Christensen - Kenny, Uremovic (83. Dardai), Kempf, Mittelstädt - Sunjic (58. Boetius), Tousart, Serdar Lukebakio, Kanga (70. Jovetic), Ejuke (58. Scherhant)    

Frankfurt: Trapp - Tuta, Touré (74. Hasebe), Ndicka - Knauff (46. Alidou), Sow, Lenz – Götze (66.Lindström), Kamada (86. Jakic) - Kolo Muani, Alario (66. Borre)

Tore: 1:0 Serdar (3.), 1:1 Kamada (48.)
Gelbe Karten: Mittelstädt, Serdar, Sunjic -  

Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)

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