Kostic jubelt

Eintracht Frankfurt startet gegen den VfL Wolfsburg in einen heißen Hinrunden-Endspurt. Zum Problem für die Hessen könnte werden: Ausgerechnet die größte Frankfurter Stärke kann der VfL gut verteidigen.

Man kann nicht sagen, dass Eintracht-Trainer Adi Hütter vor Saisonbeginn ein sonderlich großes Geheimnis aus seiner angepeilten Spielweise gemacht hat. "Wir haben Stürmer, die Tore machen können. Also muss ich versuchen, sie in die Box zu bringen", sagte der Österreicher im Sommer. Zwölf Bundesligaspiele und 184 Flanken aus dem Spiel später ist auch das bevorzugte Mittel der Wahl klar: Keine Mannschaft der Liga schlägt so viele Flanken in den gegnerischen Strafraum wie die Hessen.

Für das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg am Samstag bedeutet das eine interessante Konstellation. Denn nicht nur ist die Eintracht die flankenfreudigste Mannschaft der Liga - Filip Kostic (51 Flanken) und Danny da Costa (40) belegen ligaweit die ersten beiden Plätze - sie hat zudem auch die meisten Flanken an den Mann gebracht (52) und die meisten Tore nach Flanken erzielt (8). In Wolfsburg trifft sie nun aber auf einen Gegner, der ligaweit führend ist in der Verhinderung von Toren nach Flanken. Die Niedersachsen wurden erst einmal nach einer Flanke und überhaupt erst zweimal nach Zuspielen vom Flügel bezwungen. Per Kopf kassierte der VfL noch überhaupt kein Gegentor.

Mit oder ohne Köpfchen

Damit steht Hütter vor einer echten Glaubensfrage: Will er gegen den VfL trotz deren Stärke in der Luft sein bevorzugtes Spiel über die Flügel durchziehen und bringt mit Dost und Paciencia zwei kopfballstarke Mittelstürmer, die er in der Lage sieht, den Wolfsburger Beton auch nach Flanken zu überwinden? Oder bringt er mit Silva und eventuell Kamada zwei Spieler, die eher in der Lage sind, in der Mitte mal eine Lücke zu finden? Es gehe ihm in der Offensive immer darum, "welche Spieler passen", so Hütter auf der Pressekonferenz vor dem Spiel. Welche genau das gegen den VfL sein werden, ließ Hütter freilich offen.

Die Qual der Wahl also, die der Trainer in der Defensive  so nicht hat, schließlich stellt sich die Abwehr nach David Abrahams Sperre quasi von alleine auf. Immerhin Almamy Touré ist wieder dabei, was die Personalsituation etwas entspannt. "Er hat in dieser Woche mit dem Mannschaftstraining begonnen. Es besteht die Möglichkeit, dass er von Beginn an spielt oder zunächst auf der Bank Platz nimmt", so Hütter. Sollte ein Einsatz Tourés zu früh kommen, würde Martin Hinteregger nach rechts rücken und Evan N’Dicka in die Startelf.

"Es wird eine Herausforderung für uns, ihn zu stoppen"

Wer auch immer beginnt, sie werden einen aktuell harmlosen Sturm verteidigen müssen. Zumindest auf dem Papier. Seit drei Spielen sind die Wolfsburger ohne Treffer, an der Klasse der Niedersachsen ändert das freilich nichts. Das gilt insbesondere für Wout Weghorst, mit fünf Toren der Toptorjäger des VfL. "Er ist ein Mittelstürmer, der sehr einfach spielt", so Hütter, der das als Kompliment meinte und Weghorst mit seine Landsmann Dost verglich. "Er kann die Bälle gut festmachen, spielt schnörkellos, hat gute Laufwege. Es wird eine Herausforderung für uns, ihn zu stoppen."

Das wäre Voraussetzung, um gut in die letzte heiße Phase der Saison zu starten. Acht Spiele in 30 Tagen warten auf die Hessen, der Auftakt gegen Wolfsburg ist "absolut wegweisend", so Hütter, der zuversichtlich ist. "Wir freuen uns auf das Restprogramm. Ich habe das Gefühl, dass wir körperlich in einem guten Zustand sind. Das haben auch die letzten Spiele gezeigt. Das macht mich zuversichtlich, dass wir aus den letzten Spielen möglichst viele Punkte holen". Die ein oder andere gelungene Flanke dürfte dabei hilfreich sein.