Auch Eintracht Frankfurt hat unter der Corona-Pandemie gelitten – finanziell, vor allem aber emotional. Vorstand Axel Hellmann blickt deshalb auf ein schmerzvolles Jahr zurück. Und hat für 2021 einen großen Wunsch.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht-Vorstand Axel Hellmann: Zwischen Angst und Hoffnung

Axel Hellmann
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2020 begann wie jedes neue Jahr mit großen Hoffnungen, Wünschen und vielleicht sogar Erwartungen. Am Ende dieses Jahres aber sind die Wünsche kleiner, bescheidener geworden – selbst in der Bundesliga. "Ich habe wirklich nur diesen einzigen Wunsch: Nämlich, dass das Stadion so schnell es geht wieder voll wird", sagt Axel Hellmann, Vorstandsmitglied der Frankfurter Eintracht, im Gespräch mit dem hr-sport über einen Moment, der für viele gerade kaum vorstellbar ist.

Wenn die Fans in die Stadien zurückkehren und das größte Ärgernis wieder ein Becher Bier ist, der bei einem Treffer quer durch den Block fliegt. "Wir wissen alle, dass wir Tränen in den Augen haben werden, wenn das Stadion das erste Mal wieder gefüllt sein wird", so Hellmann.

"Irgendwie nicht komplett"

Dass dieser Moment für viele Menschen angesichts der Corona-Pandemie aktuell nicht ganz oben auf ihrer Wunschliste steht, findet Hellmann nachvollziehbar. "Ich kann verstehen, dass Fußball momentan nicht mehr die hohe Emotionalität hat, weil andere Themen existenziell und emotional näher sind. Da sollten wir gar nicht den Anspruch haben, das höchste emotionale Gut zu sein", betont er. "Es tut dem Fußball auch mal gut, wenn er das in einer Phase nicht ist."

Und doch spüren der Fußball im Allgemeinen und die Eintracht im Speziellen aktuell auch, dass etwas fehlt, wenn die Bundesliga ohne Fans auskommen muss, wenn die Kurven und Tribünen leer bleiben, weil die Gefahr, sich auch hier mit dem Corona-Virus zu infizieren, einfach zu groß ist.

"Ich spüre einen Schmerz, weil gerade die vollen Stadien und die stimmungsvollen Ränge das Gesamtkunstwerk Eintracht Frankfurt und den Fußball generell für mich ausmachen", so Hellmann. "Obwohl die Spiele sportlich auch reizvoll, torreich und attraktiv sind, ist es irgendwie nicht komplett. Es fehlt ein wesentlicher Bestandteil – und man muss aufpassen, dass man sich nicht an so eine schmerzvolle Situation gewöhnt."

Schluss mit den Übertreibungen

Eine schmerzvolle Situation, die dennoch nicht ohne Privilegien ist – das wissen all die, die ihrem Sport, ihrer Leidenschaft, gerade nicht nachgehen dürfen. Aber die Fußball-Bundesliga ist mehr als Sport. Sie ist ein Business, an dem unzählige Arbeitsplätze hängen, eines, das in den vergangenen Jahren stets den Weg nach oben kannte – doch auch damit ist jetzt Schluss, glaubt Hellmann.

"Der Fußball wird sich auf andere Schwankungen einstellen müssen. Das hat sicherlich auch mit ein paar Übertreibungen innerhalb des Geschäfts zu tun – Stichwort Transfersummen oder Kommerzialisierung", so der Eintracht-Vorstand. "Wir haben einfach gewisse Risikofaktoren ausgeblendet, weil sie sich für uns nicht gestellt haben. Jetzt wissen wir, dass sie da sind, und müssen auf eine Pandemie drei, vier oder fünf, die irgendwann kommen wird, vorbereitet sein. Wie das aussehen wird, weiß ich noch nicht. Erstmal müssen wir diese Pandemie und diese Krise überleben."

Ein Rucksack voller Schulden

Und das wird selbst für einen Traditionsclub wie die Frankfurter Eintracht alles andere als einfach. "Man braucht nicht um den heißen Brei herumzureden: Wir sind momentan in einer Situation, in der wir bis zum Sommer durchfinanziert sind. Aber das geht nur mit Fremdkapital und Schulden, die wir machen müssen", erklärt Hellmann. "Das ist ein Rucksack, den wir uns gepackt haben, damit wir keine Kündigungen innerhalb der gesamten Eintracht-Familie aussprechen müssen."

Die "Eintracht-Familie", sie hat, wenn es nach Hellmann geht, auch in der Pandemie nicht das verloren, was sie ausmacht – etwas, das noch immer glimmt, wenn auch gerade nicht lodert. "Ich bin da positiv, weil ich glaube, dass bei unseren Fans sehr viel Glut für die Eintracht vorhanden ist. Diese Glut beruht auf Glaubwürdigkeit, Authentizität sowie Vertrauen und Miteinander", so der Vorstand.

Zurück zum Feuer

Und aus dieser Glut soll wieder ein Feuer werden, wenn die Fans in die Stadien zurückkehren und Hellmanns Wunsch für das neue Jahr in Erfüllung geht: "Ob wir dann am Ende 13. werden oder Siebter ist nachgelagert. Entscheidend ist, dass wir hier wieder zu dem zurückkommen, was uns allen so viel bedeutet." Und so beginnt auch 2021 wieder mit Hoffnungen. Wenn sie auch bescheidener ausfallen.