Kristijan Jakic

Eintracht Frankfurt arbeitet intensiv am eigenen Spiel, gegen den 1. FC Köln muss unbedingt ein Sieg her. Im Training geht es zur Sache, ein Neuzugang fühlt sich im Maschinenraum des Spiels schon pudelwohl.

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Audioseite Kristijan Jakic über seine Spielweise

Kristijan Jakic
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Wer nur an den Spieltagen am Frankfurter Waldstadion ist, den würde es überraschen, wie geschäftig das Treiben an einem Mittwochmittag dort ist. Ein paar LKW stehen herum, aus dem Stadioninneren kommen Bohr-Geräusche, ein Kran lehnt an der Stadion-Südseite, immer mal wieder hört man irgendwo irgendjemanden hämmern. Was genau es auch ist, woran die Bauarbeiter werkeln, es ist nicht zu überhören.

Ähnlich verhält es sich mit der Eintracht-Mannschaft, die wenige Meter weiter ihrer Fußballarbeit nachgeht. Auch dort werkelt Trainer Oliver Glasner an der richtigen Spielidee, das Spiel der Hessen scheint in der jungen Saison noch ähnlich unfertig wie das Stadion-Interieur, der letzte Schliff fehlt. Glasner spricht viel mit den Spielern, unterbricht die Übungen mit erstaunlicher Beharrlichkeit, um seine Anliegen vorzutragen. Oft macht er die gewünschten Laufwege direkt vor und erklärt, warum dieser Weg richtig und wichtig und jener eben falsch ist.

"Ihr braucht einen Plan, so könnt ihr nicht spielen"

Das ist mitunter harte Arbeit, die Spieler präsentieren sich ähnlich wie in den Spielen: Stets bemüht, zu oft aber zu unpräzise. Die Anforderungen sind jedoch auch gestiegen. Das Spielfeld ist in zig kleine Felder unterteilt, acht Pappkameraden geben die imaginären Gegenspieler, zeitweise wird auf sechs kleine Tore gespielt. Schnelles, vertikales Spiel steht auf dem Programm, Steilpass, klatschen lassen, wieder steil, Abschluss, wieder und wieder und das Ganze von vorn. Hör mal, wer da hämmert, im Frankfurter Stadtwald.

Das klappt dann in der Umsetzung mal gut, mal weniger gut, mal lobt Glasner, mal schüttelt er den Kopf und wirkt unzufrieden. "Have a plan. You can’t play like this" – "Ihr braucht einen Plan, so könnt ihr nicht spielen", hadert er einmal mit einem falsch zu Ende gespielten Angriff. Um dann sofort zu erklären, wie der Angriff hätte laufen müssen.

Kristijan Jakic mittendrin

Man sieht, was dieser Plan sein soll: Den Gegner früh unter Druck setzen, zu Fehlern zwingen, schnell umschalten, steil spielen. Man sieht aber auch, wie schwierig er umzusetzen ist. Das Tempo im Trainingsspiel ist enorm hoch, die Spieler sind konzentriert bei der Sache. Nur der junge Fabio Blanco muss, wer weiß warum, einsam seine Runden drehen.

Mittendrin hingegen: Kristijan Jakic. Frankfurts neuer Sechser hat sich in Rekordzeit unverzichtbar gemacht, als Einwechselspieler gegen Stuttgart Akzente gesetzt, gegen Fenerbahce überragt, gegen Wolfsburg solide bis gut gespielt. Gerade drei Spiele beim neuen Arbeitgeber hat es gedauert, bis die Einladung zur kroatischen Nationalelf kam, sehr viel schneller können Träume nicht in Erfüllung gehen. "Ich bin sehr glücklich", so Jakic nach dem Training. "Aber das kommt nicht von allein, sondern von der harten Arbeit der letzten Jahre."

"Zwei gute Spiele, schon darf er Interviews geben"

Trotzdem dürfte es den Prozess beschleunigt haben, wie schnell Jakic zeigte, dass er auch in der Bundesliga bestehen kann. Aggressiv im Zweikampf, dabei mit tollen Ideen nach vorne: Hält Jakic sein Niveau aus den ersten drei Spielen – und zumindest die Trainingseindrücke sprechen nicht dagegen – haben die Hessen einen Volltreffer gelandet. "Der Fußball hier ist viel intensiver, da passe ich mit meiner aggressiven Spielweise gut rein", so Jakic, der auch schon im Mannschaftskreis angekommen scheint. "Zwei gute Spiele, schon darf er Interviews geben", frotzelt Keeper Kevin Trapp, als er Jakic und die Presserunde passiert.

Jakic kommt gemeinsam mit Djibril Sow dabei eine gewichtige Rolle zu, denn einerseits muss er für die nötige Stabilität sorgen, was in Wolfsburg gut klappte. Andererseits braucht die Offensive unbedingt Impulse, auch das steilste Vertikalspiel muss schließlich irgendwo beginnen. "Ich bin eher ein defensiver Spieler, aber gegen Fenerbahce haben wir viel gepresst, deswegen stand ich oft höher und hatte ein paar Aktionen nach vorne." Und darunter auch sehr gute. Das Tor von Sam Lammers etwa initiierte Jakic mit einem feinen Steilpass.

"Ich bin von Natur aus ein aggressiver Spieler"

Die Eintracht scheint sich also den passenden Mann für den Maschinenraum des Spiels geholt zu haben. "In der Bundesliga ist das Spiel intensiver, aber ich bin von Natur aus ein aggressiver Spieler und es war nicht schwer, mich anzupassen." Allein der Feinschliff fehlt eben noch, ein Sieg sowieso. Aber das Interieur des Stadions wurde ja auch nicht an einem Tag umgebaut.