Holzer Krösche

30 Stunden lang sprach Aufsichtsratsboss Philip Holzer mit dem neuen Sportvorstand Markus Krösche, bevor er ihn holte. Für Holzer hat die Suche nach dem Bobic-Nachfolger eines gezeigt: Die Eintracht ist mittlerweile eine große Nummer.

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Audioseite "Ein Volltreffer": Aufsichtsratsboss Philip Holzer zu Markus Krösche

Sportdirektor Markus Krösche wird RB Leipzig verlassen.
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Eines ist für Philip Holzer ziemlich bemerkenswert. Die Suche nach dem neuen Sportvorstand hat ihm gezeigt, wie weit es die Eintracht in der Fußballwelt gebracht hat. Das war vor fünf Jahren, als die Eintracht einen Nachfolger für Heribert Bruchhagen suchte, noch ganz anders. Damals sprachen die Frankfurter mit Kandidaten, die allesamt arbeitslos waren. Wolfgang Steubing, der Vorgänger von Holzer als Aufsichtsratsvorsitzender, fand schließlich Fredi Bobic, der zum Zeitpunkt seiner Verpflichtung ebenfalls keinen Job hatte.

Die Situation im Frühjahr 2021 bei der Suche nach einem Nachfolger für Bobic war eine komplett andere. "Wir haben ausschließlich mit Managern von Topklubs verhandelt, die aktuell in Lohn und Brot stehen", sagte Holzer im Interview mit dem hr-sport. Das macht den früheren Investmentbanker ziemlich stolz. Es zeige, wie groß der Stellenwert der Eintracht mittlerweile sei. Nun kommt mit Markus Krösche der Sportdirektor des Tabellen-Zweiten RB Leipzig.

Marathon-Einsatz auf der Suche nach dem Sportvorstand der Zukunft

Dass man Krösche verpflichten konnte, ist für Holzer "ein Glücksfall". Im März hatte Holzer das erste Mal Kontakt aufgenommen. Seitdem habe er 30 Stunden mit dem nun verpflichteten neuen Frankfurt Sportvorstand geredet, diskutiert und verhandelt, so der Aufsichtsrats-Boss. Doch Krösche war ja nicht der einzige Kandidat. Holzer absolvierte in den vergangenen Wochen einen wahren Verhandlungs-Marathon. Über den wenig bekannt wurde. "Der Kandidatenkreis war klein und lange Zeit wurden die Namen nicht in der Öffentlichkeit gehandelt. Teilweise bis heute nicht. Diese Integrität ist sehr wichtig", sagte der 55-Jährige. Holzer kennt die andere Seite. Sein Vater Werner Holzer war 18 Jahre Chefredakteur der Frankfurter Rundschau.

Die Eintracht bekam zudem über 20 unaufgeforderte Bewerbungen auf den Job des Sportvorstandes. Überhaupt: Mit vielen Kandidaten, die in der Öffentlichkeit gehandelt wurden, habe er nie gesprochen, so Holzer. Darunter soll auch der Hoffenheimer Alexander Rosen fallen. Holzer ist froh, den Verhandlungs-Marathon durchgehalten zu haben. "Wäre ich zehn oder 15 Jahre älter gewesen, hätte ich nicht gewusst, ob die Kraft dafür gereicht hätte." So ging alles gut. Nur einmal lag Holzer daneben. Er traf sich mit dem Fußball-Manager Ralf Rangnick. Holzer unterschätzte sowohl die Intention von Rangnick, sich durch das Gespräch in der Öffentlichkeit präsentieren zu können, als auch die öffentliche Wirkung eines solchen Schritts.

Die Fangemeinde und auch wichtige Macher bei der Eintracht stöhnten ob der Personalie Rangnick auf. Am Ende streute der ehemalige Macher von Schalke und Leipzig sogar noch Gesprächsinhalte in die Öffentlichkeit, gespickt mit - laut Eintracht - falschen Informationen über eine Ausstiegsklausel im Vertrag von Torjäger André Silva. Holzer war sauer, war "irritiert". Aktuell wollte Holzer nichts mehr zum Thema Rangnick sagen. Dass der das Treffen mit ihm medienwirksam ausgeschlachtete hatte, hat Holzer weh getan. Auch als 55-Jähriger bezahlt man noch Lehrgeld.

So lief die Krösche-Verpflichtung

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Markus Krösche
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Während die Gespräche mit Rangnick die Unterschiede hervorbrachten, war Holzer von Krösche vom ersten Treffen Ende März an beeindruckt. "Er hat diese Emotionalität, die sehr gut zur Eintracht passt. Er ist teamfähig und denkt sehr strukturiert und hat auch menschlich sehr überzeugt." Holzer redete mit Krösche nicht nur viele Stunden, er sog alles aus dessen Umfeld auf. So las der Aufsichtsratsboss der Eintracht sogar dessen Abschlussarbeit als Trainer.

Schnell entdeckte Holzer, dass sich die Fußball-Philosophie praktisch zu 100 Prozent mit der der Eintracht deckt. Und noch etwas beeindruckte Holzer nachhaltig: Krösche kann mit Geld umgehen. Schon legendär ist der 4,7-Millionen-Euro-Etat, mit dem der SC Paderborn unter dem damaligen Manager Markus Krösche 2019 in die Bundesliga aufstieg. Das wirtschaftliche Denken kommt nicht von ungefähr. Der 40-Jährige hat ein abgeschlossenes BWL-Studium vorzuweisen. "Ich haben selten einen Sportverantwortlichen kennengelernt, der mir so wirtschaftlich fundierte Fragen gestellt hat wie Krösche", schwärmte Holzer.

Keine Ablösesumme, keine Ausstiegsklausel

Als dann klar wurde, dass Krösche über seine Situation als Sportdirektor bei RB Leipzig und das Verhältnis zu seinem Boss Oliver Mintzlaff nicht mehr zufrieden war, schlug Holzer zu. Ende April verkündete RB Leipzig, dass der Vertrag mit seinem Sportdirektor einvernehmlich aufgelöst werde. Positive Fügung: Krösche hatte die Chance, zum 30. Mai aus seinem Vertrag bei RB Leipzig zu kommen. Deshalb ist der 1. Juni nun sein offizieller Arbeitsbeginn in Frankfurt.

Und so kostet der neue Sportvorstand der Eintracht auch keine Ablösesumme. Zudem konnten die Eintracht vermelden, dass sein Vertag, der zunächst bis zum Sommer 2025 läuft, keine Ausstiegsklausel beinhaltet. Wobei: Die hatte Bobic bei der Eintracht auch nicht.

Nach der Sportvorstand-Suche ist vor der Trainersuche

Nachdem mit Krösche der neue Sportvorstand nun da ist, steht jetzt die Suche nach einem neuen Trainer im Vordergrund. Der zum Direktor Profifußball beförderte Chefscout Ben Manga und Vorstand Oliver Frankenbach haben Trainerprofile erstellt, nun hat auch der neue Mann ein gewichtiges Wort mitzureden. Hetzen lassen wolle man sich bei der Trainer-Personalie aber nicht, unterstrich Holzer: "Wie bei der Sportvorstandssuche heißt auch bei der Trainerfrage das Credo Qualität vor Schnelligkeit."

Über mögliche Trainernamen wollte Holzer nicht reden. Aktuell gilt Oliver Glasner vom VfL Wolfsburg als Favorit auf den Trainerposten in Frankfurt. Sollte das mit Glasner klappen, würde die Eintracht einen sehr erfolgreichen Trainer an den Main holen. Holzer verfolgt die Trainersuche jetzt aus der zweiten Reihe. "Schlafen legen werde ich mich aber nicht."