Eintracht-Trainer Oliver Glasner findet lobende Worte für Spielmacher Daichi Kamada.

Eintracht Frankfurt hat sich gegen Olympiakos Piräus mit der bislang stärksten Saisonleistung zurückgemeldet. Trainer Oliver Glasner nimmt in der Europa League entscheidende und kluge Wechsel vor und wird dafür belohnt. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt hat sich in der Europa League durch einen 3:1-Heimsieg gegen Olympiakos Piräus auf Rang eins der Gruppe D geschoben. Rafael Borré per Elfmeter (26.), Almamy Touré (45.+3) und Daichi Kamada (59.) trafen für die Hessen. Der zwischenzeitliche Ausgleich - ebenfalls per Strafstoß - durch Youssef El-Arabi (30.) war somit verkraftbar.

1. Die Offensive wird komplett durchgemischt - mit Erfolg

Die Niederlage in der Bundesliga gegen Hertha BSC nur an den jungen Offensivkräften Jens Petter Hauge, Sam Lammers und Jesper Lindström festzumachen, wäre zu einfach. Doch das Trio musste gegen Piräus weichen und wurde durch Rafael Borré, Daichi Kamada und Goncalo Paciencia ersetzt. Trainer Oliver Glasner hat klug entschieden und das richtige Händchen bewiesen.

Die eingesetzten Profis jedenfalls dankten es dem Österreicher mit starken Leistungen. Borré übernahm beim Strafstoß Verantwortung, Kamada wirbelte und traf und Paciencia hatte bei allen Toren seine Füße mit im Spiel. Vor allem aber beim dritten Treffer, als Torhüter Tomas Vaclik das Leder nur nach vorne abprallen lassen konnte.

"Rafael Borré hat ein großartiges Spiel gemacht. Ein Vorteil ist, dass Goncalo Paciencia und er sich auf spanisch unterhalten können. Daichi Kamada hat eindrucksvoll gezeigt, dass er ein hochintelligenter Spieler ist", lobte Glasner seine Offensivabteilung. Da konnte die Eintracht sogar verkraften, dass Filip Kostic trotz herausragender Leistung auf dem linken Flügel ohne Torbeteiligung blieb.

2. Dreierkette schlägt Viererkette

"Es ist scheißegal, in welchem System wir spielen, wenn wir unsere Aufgaben nicht machen und keine Staffelung haben", kritisierte Glasner sein Team noch nach dem ganz schwachen Auftritt gegen Hertha BSC. Trotzdem hielt der Trainer an der Dreierkette mit Makoto Hasebe in der Mitte fest. Die richtige Wahl.

Der Japaner hatte 78 Ballkontakte, eine herausragende Passquote von 91 Prozent und er überzeugte auch in der Vorwärtsverteidigung, die Antizipation ist seine große Waffe. Hasebe trat als echter Kapitän auf, er holte das Team vor Anpfiff für den Mannschaftskreis zusammen und wirkte immer wieder auf seine Kollegen ein - aufbauend und mahnend, aber auch lobend.

Zusammen mit den robusten Verteidigern Martin Hinteregger und Tuta ließ die Eintracht-Abwehrreihe Schlussmann Kevin Trapp für einen Abend beinahe arbeitslos werden. Wenn die Außenbahnspieler Almamy Touré und Filip Kostic dann so unermüdlich nach hinten mitarbeiten, die defensiven Mittelfeldspieler Kristijan Jakic und Djibril Sow die Räume vor der Kette schließen und die Offensive stark presst - dann kommt selbst ein Klasseteam wie Piräus nur zu wenigen Abschlüssen.

Zum vierten Mal in Folge setzte Glasner auf die Dreier- oder Fünferkette. Eine Viererkette ohne den verletzten Christopher Lenz ist für den Coach offenbar derzeit nicht denkbar. Drei Siege in den vergangenen vier Pflichtspielen sind dabei ein gewichtiges Argument.

3. Kamada gibt den Raumdeuter

Der Eintracht-Sieg verteilt sich zwar auf alle Schultern. Doch mit Daichi Kamada stach ein Spieler hervor. Ex-Trainer Adi Hütter nannte den Japaner einst den "Raumdeuter" und Piräus bekam nun zu spüren, warum er diesen Namen trägt. Der 25-Jährige war in der Offensive überall unterwegs, er war an jedem Angriff mitbeteiligt.

Vor dem Elfmeter zum 1:0 steckte Kamada das Leder geschickt zu Borré durch, beim dritten Treffer war er hellwach und staubte gekonnt ab. Er setzte seinen Körper auch im Defensivzweikampf oftmals geschickt ein, gewann 55 Prozent der direkten Duelle. Eine deutliche Weiterentwicklung.

"Daichi hat sich gekonnt in den engen Räumen bewegt und immer wieder die Lücken gefunden. Mal stand er zwischen den Ketten, dann hat er wieder zu Tiefenläufen angesetzt und so auch ein tolles Tor erzielt", adelte Glasner einen "hochintelligten" Spieler. Kamada bleibt damit auch der Mister Europa League der Eintracht. Sieben Tore und zwei Vorlagen in 13 Partien in diesem Wettbewerb sind eine herausragende Marke.

4. Keine Experimente mehr

Das System mit Dreier- oder Fünferkette, zwei defensiven Mittelfeldspielern und einer variablen Offensivreihe mit zwei Spielmachern oder Stürmern ist tief im Inneren der Mannschaft verankert. Das 3-5-2 als Eintracht-DNA! Hier wissen sich die Profis zu bewegen, in dieser Anordnung kann eine echte Achse entstehen. 19 Torschüsse abgegeben, während Piräus, das sich selbst als einen der heißen Anwärter auf den Titelgewinn sieht, nur zu fünf Abschlüssen kam.

"Wir können nur das machen, was der Gegner uns erlaubt. Die Eintracht war in dieser Partie viel stärker als wir. Sie haben uns dazu gezwungen, so tief zu stehen. Das war nicht unsere Absicht", musste der gegnerische Coach Pedro Martins nach Spielende anerkennen. Sebastian Rode, der sein Comeback nach langer Verletzungspause feiern durfte, stellte fest: "Wir waren von der ersten Minute an gut im Spiel. Das hat in dieser Saison nicht immer so geklappt."

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Rafael Borre erzielte das 1:0 gegen Piräus.
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Er forderte zudem: "Jetzt müssen wir Konstanz reinbekommen." Sprich: Experimente beenden und diese Anordnung - immer wieder mit punktuellen Veränderungen (beispielsweise zwei Spielmacher statt zwei Stürmern, die Talente Lammers, Lindström, Hauge nicht fallen lassen) - fest etablieren.

5. Weiterkommen in greifbarer Nähe

"Unser Ziel ist ganz klar, dass wir in Europa überwintern", gab Sportvorstand Markus Krösche vor Saisonbeginn selbstbewusst die Richtung vor. Die Eintracht kann einfach Europa League. Wenn das Flutlicht am Donnerstagabend angeht, dann entwickeln Mannschaft und Fans einen Spirit, den es in dieser Art und Weise kaum ein zweites Mal gibt. Die Eintracht führt die Tabelle der Gruppe D mit sieben Punkten an, gefolgt von Piräus mit sechs Zählern.

Vor Anpfiff der Begegnung war bereits bekannt, dass das Duell zwischen Fenerbahce Istanbul und Royal Antwerpen - sehr zur Freude der Eintracht - 2:2 endete. Der Vorsprung auf Rang drei beträgt somit fünf Zähler. Rode mahnte allerdings: "Wir haben noch zwei heiße Auswärtsspiele in Piräus und Istanbul. Es ist noch ein weiter Weg bis zum ersten Platz." Genau den streben die Hessen aber an, weil sie dann in der K.o.-Runde zwei Partien weniger zu absolvieren haben. Da der Tabellendritte in der Conference League weitermachen darf, ist ein Überwintern im Europapokal beinahe schon gesichert.

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Eintracht Frankfurt - Olympiakos Piräus 3:1 (2:1)

Frankfurt: Trapp - Tuta (60. Ndicka), Hasebe, Hinteregger - Toure (82. Durm), Sow (89. Hauge), Jakic, Kostic, Kamada - Borre, Paciencia (82. Rode).

Piräus: Vaclik - Lala (77. Andoutsos), Sokratis, Cisse, Reabciuk - M'Vila (60. Onyekuru), Bouchalakis, A. Camara, M. Camara (66. Kunde), Gio. Masouras, (77.Rony Lopes) - El-Arabi (65. Soares)

Tore: 1:0 Borre (26./FE) 1:1 El-Arabi (30./HE) 2:1 Toure (45.+3) 3:1 Kamada (59.)
Schiedsrichter: Lopes (Portugal)

Zuschauer: 35.000
Gelbe Karten: Tuta, Paciencia – Sokratis, M.Camara, Kunde , Cisse 

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