Almamy Touré

Almamy Touré hat sich bei Eintracht Frankfurt in kürzester Zeit zur Stammkraft gemausert. Das ist gut für das Offensivspiel der Hessen. Birgt aber auch Risiken.

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Eintracht PK
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Es war etwa die Hälfte der zweiten Halbzeit im Spiel Eintracht Frankfurt gegen Werder Bremen gespielt, da hätte Almamy Tourés Abend beinahe noch eine Wendung in die falsche Richtung genommen. Einen Ball auf seiner rechten Seite nahm der Franzose an, anstatt ihn wegzuschlagen, vertändelte ihn leichtfertig, der folgende Bremer Konter versandete allerdings.

Es war Tourés einziger Wackler an diesem Abend. Mehr noch: In der Defensive zeigte der 23-Jährige beim 2:2-Unentschieden eine tadellose Leistung, vor allem aber sein Offensivdrang war für einen nominellen Innenverteidiger außergewöhnlich. Elf Flanken brachte Touré aus dem rechten Halbfeld in die Mitte, mehr als jeder andere Spieler auf dem Feld, eine davon führte zum 2:1 in der 89. Minute. "Der Trainer hat mir gesagt, dass ich viel Dampf machen muss", so Touré nach der Partie lapidar. Mission erfüllt, will man sagen.

"Touré hat mir sehr gut gefallen"

Touré und damit auch der Eintracht kommt dabei zugute, dass er in seiner Heimat beim AS Monaco und in den französischen U-Nationalmannschaften überwiegend auf der Rechtsverteidigerposition zum Einsatz kam. In 43 Ligue-1-Spielen als Rechtsverteidiger sammelte er starke 18 Scorer. Die Position des klassischen Rechtsverteidigers gibt es aber im Frankfurter System gar nicht. Die nominellen Außenverteidiger werden bei Ballbesitz zu Rechts- und Linksaußen, die Innenverteidiger schieben durch die Liberoposition von Makoto Hasebe weit zu den Seiten. Touré vereint auf dieser Halb-Position das Beste aus Innen- und Rechtsverteidiger. Ein Hybridspieler, den die Hessen clever gescoutet haben. Er hat die Eintracht nicht mal eine Million Euro gekostet.

Als rechter Innenverteidiger passt Touré so vor allem gegen spielerisch unterlegene Gegner bestens ins System. Gegen Bremen etwa schob er durch seine Offensivdrang Danny Da Costa in eine immer offensivere Position, zeitweise schien die Eintracht mit zwei Rechtsaußen zu spielen. Hinzu kommen Tourés erstaunlich scharfe und platzierte Flanken, die oft für sehr viel mehr Gefahr sorgten als jene der Kollegen. Nach dem Spiel sagte Trainer Adi Hütter folgerichtig: "Touré hat mir sehr gut gefallen. Mit Danny da Costa zusammen hat er vor allem in der zweiten Halbzeit viel Dampf über die rechte Seite gemacht."

Wachablösung als Konfliktherd?

All das unter den Augen von Kapitän David Abraham. Der Argentinier ist der Platzhirsch auf Tourés Position, hat in der Vergangenheit aber vermehrt mit muskulären Problemen zu kämpfen. Auch aus diesem Grund tut sich Abraham aktuell schwer, an seine Leistungen aus der Vergangenheit anzuknüpfen. Ob das überhaupt je wieder klappt, ist bei einem 33-Jährigen auch nicht unbedingt gesagt. Eine Wachablösung könnte zugleich auch ein potentieller Konfliktherd sein, nicht jeder Kapitän geht freiwillig und geräuschlos zurück in die zweite Reihe.

Das weiß auch Touré, der sagt: "So ist Fußball, da gibt es Konkurrenzkampf. Aber natürlich ist er der Kapitän. Ich lerne sehr viel an seiner Seite." Ähnlich sieht es Hütter. "David ist schon wieder fit gewesen. Ich bin froh, wenn Spieler untereinander Druck aufbauen", so Hütter. "Und das macht Almamy momentan."