Goncalo Paciencia bejubelt seinen Siegtreffer gegen Düsseldorf

Nach dem Abgang der Büffelherde hat sich Eintracht Frankfurts Gonçalo Paciência zum Stürmer Nummer eins gemausert. Als Belohnung gibt es einen Platz neben Cristiano Ronaldo – und Interesse aus England.

Nein, einen sonderlich verbissenen Eindruck macht Gonçalo Paciência nicht. Der Mann aus Portugal lacht viel im Training, ist stets freundlich und zeigt sich auch auf Social Media entspannt und nahbar. Klare Sache: Der Stürmer, 2018 zu Eintracht Frankfurt gekommen, geht mit einer ordentlichen Portion Gelassenheit durchs Leben. Auch vor dieser Saison, angesprochen auf sein Standing im Eintracht-Sturm, sagte der 25-Jährige angenehm unprätentiös: "Ich werde einfach meinen Job erledigen und wenn ich das gut mache, kommen die Dinge von alleine."

Welche Dinge er genau meinte, ließ Paciência dabei im Vagen. Und dennoch scheint er recht behalten zu haben. Denn aktuell erledigt er seinen Job so gut, dass die Bilanz seiner "Dinge" nach 23 Pflichtspielen für die Hessen heißt: Neun Tore, drei Assists und die erste Nominierung für die Portugiesische Nationalmannschaft seit fast genau zwei Jahren. Auch dort, an der Seite von Cristiano Ronaldo, glänzte Paciência, legte dem Superstar ein Tor auf und schoss ein weiteres selbst. "Es ist ein großartiges Gefühl", so Paciencia im Anschluss. Läuft bei ihm, könnte man sagen.

"Ich werde heute mit anderen Augen gesehen"

Gegner der Portugiesen war zwar lediglich Fußballzwerg Litauen, das soll Paciências Leistung aber keinesfalls schmälern. Die Nominierung hat sich der Stürmer zuvor nämlich hart verdient, schließlich ist ihm im Verbund mit Bas Dost und Landsmann André Silva das Kunststück gelungen, dass sich die Sehnsucht der Frankfurter Fans nach dem abgewanderten 57-Tore-Sturm Rebic-Jovic-Haller in engen Grenzen hält. Zu treffsicher präsentieren sich Paciência und Co, mitunter vielleicht weniger spektakulär als die "Büffelherde", ein Qualitätsverlust ist aber kaum auszumachen.

Was nicht unbedingt zu erwarten war. Paciências erste Saison war überschattet von einem Meniskusriss, erst gegen Ende der Spielzeit konnte er sein Potential andeuten, dann aber lediglich als Einwechselspieler. Nun also der nächste Schritt, für den Paciência einiges investieren musste. Zu Beginn, sagte er unlängst in einem Interview mit der FAZ, sei er vom Training in Frankfurt überfordert gewesen. Mittlerweile sei er fit wie nie und habe sich an den sehr viel intensiveren Fußball gewöhnt. Das merken auch seine Mitspieler. "Natürlich ist es heute so, dass die Mannschaft mehr an mich glaubt als in der vergangenen Saison, das fühle ich. Ich bin jetzt wichtiger für das Team. Ich werde heute mit anderen Augen gesehen."

Interesse aus der Premier League?

Das gilt auch für Portugals Nationaltrainer Fernando Santos, der nach Paciências gelungenem Debüt wohl auch in Zukunft auf dessen Dienste setzen dürfte. Und ebenfalls für die Verantwortlichen anderer Klubs. Laut der portugiesischen Zeitung "Record" zeigt mit dem FC Everton der erste Premier-League-Klub konkretes Interesse an Paciência und soll 15 Millionen Euro bieten. Bei den Fans der Frankfurter Eintracht dürfte das Gerücht für Unruhe sorgen. Paciência hingegen, so viel scheint sicher, dürfte es seinem Naturell entsprechend eher entspannt aufnehmen.