Torró, Gacinovic und Touré

Mijat Gacinovic steht vor seiner sechsten Saison bei Eintracht Frankfurt. In dieser Zeit ist er zur Vereinslegende geworden, ohne je wirklich überzeugen zu können. Wird er endlich konstant? Oder trennen sich gar die Wege?

Wie wäre wohl die Karriere des Mijat Gacinovic, wie wäre wohl das Pokalfinale 2018 für Eintracht Frankfurt verlaufen, hätte sich Trainer Niko Kovac in der 60. Minute für Marco Fabián als erste Einwechslung entschieden, für Luka Jovic oder Taleb Tawatha, Marco Russ oder Sébastien Haller, die ebenfalls im Berliner Olympiastadion auf der Eintracht-Bank saßen? So aber leuchtete die 11 auf der Anzeigetafel, Gacinovic ersetzte Marius Wolf und tat das, was er immer tat, ackern, rennen, pressen, 35 Minuten lang, bis er dann in der fünften Minute der Nachspielzeit eine Fußspitze eher am Ball war als Bayern Münchens Kingsley Coman, knapp 70 Meter vorm leeren Bayern-Tor. Der Rest ist Geschichte.

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Auch dieser epische Moment ist schon wieder über zwei Jahre her, ein Moment, in dem viele Eintracht-Beobachter nicht nur den Siegtreffer über die Bayern sahen, sondern auch den Startschuss zum endgültigen Durchbruch Gacinovics. Nicht zuletzt der Serbe selbst. "Ich möchte Führungsspieler werden", gab er sich in der Vorbereitung 2018 selbstbewusst. Was Wunder, bei all dem Rückenwind als Pokalheld.

Die fehlende Ruhe für die richtige Entscheidung

Die Wahrheit ist, leider, eine andere. Weder in der Saison 2018/19 noch in der abgelaufenen Saison hat Gacinovic sein großes Potenzial eingelöst. Zu inkonstant und überhastet, zu glücklos und ungefährlich, vor allem fehlen Gacinovic in den entscheidenden Momenten noch immer die Ruhe und Gelassenheit für die richtige Entscheidung. Weswegen Gacinovic auch 2020 das ist, was er im Finale 2018 bereits war: Ersatzspieler.

Damit hat der mittlerweile 25-Jährige das Kunststück geschafft, eine absolute Legende des Vereins zu sein, ohne je nachhaltig überzeugt zu haben. Schon in der Relegation 2016 glänzte Gacinovic, als er ein Tor und eine Vorlage beisteuerte, ohne die die Eintracht sicherlich abgestiegen wäre. Dann der Treffer zum Pokalsieg. In den Mühen der Ebene dazwischen hat sich Gacinovic zum soliden Bundesligaspieler gemausert, zu selten aber wirklich herausgeragt.

Luft nach oben beim "Riesentalent"

Schließlich muss sich Gacinovic, wie jeder hochbegabte Fußballer, an dem messen lassen, was theoretisch möglich wäre. Und da ist beim "Riesentalent" (Ex-Coach Armin Veh) nach wie vor Luft nach oben. Gacinovic bringt viel mit, ist schnell, technisch beschlagen, zudem giftig im Zweikampf – aber der Ertrag ist ernüchternd. In insgesamt 116 Bundesligaspielen kommt Gacinovic lediglich auf drei Tore und acht Vorlagen, in der vergangenen Saison blieb er gleich ganz ohne eigenen Ligatreffer und steuerte nur einen Assist bei. Zu wenig für einen nominellen Offensivspieler.

Möglicherweise liegt genau hier der Hund begraben. Einst als Ersatz für Takashi Inui auf Linksaußen verpflichtet, rückte Gacinovic mit der Zeit ins Zentrum. Dort ist er nominell Zehner, eher aber verkappter Achter, der für einen Offensivspieler einen unglaublich aufreibenden Spielstil pflegt. Gacinovic läuft mit am meisten im Spiel der Hessen und zieht mit weitem Abstand die meisten Sprints pro Spiel an (37,3 pro 90 Minuten!). Wahrscheinlich ist das mit ein Grund, warum ihm in den entscheidenden Momenten die nötige Ruhe für die richtige Entscheidung fehlt.

Die große Unbekannte

Im eigenartigen Transfersommer, der den Hessen bevorsteht, wird Gacinovic so zur großen Unbekannten. Zeichnet sich ab August ab, dass er wieder nicht Stammspieler werden wird, hätte er noch bis Oktober Zeit, sein Glück vielleicht anderswo zu suchen – und der Eintracht als einer von wenigen Spielern noch einen annehmbaren Transfererlös zu bescheren. Oder aber, Gacinovic löst sein Versprechen endlich ein, wird konstant und beißt sich fest, auf der Zehn, der Acht oder irgendwo dazwischen. Ein Projekt, das er prinzipiell ganz gelassen angehen könnte. Eine Vereinslegende ist er ja sowieso schon.

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