Peter Fischer bei der Mitgliederversammlung von Eintracht Frankfurt

Beeindruckende Zahlen, Streit um Andreas Möller und die Aufarbeitung der NS-Zeit. Auf der Mitgliederversammlung von Eintracht Frankfurt gab es ordentlich Gesprächsstoff. Und eine Einladung von Präsident Peter Fischer.

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Fischer zu Mitgliederzahlen
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Eintracht-Präsident Peter Fischer ist wahrlich keiner, dem es große Mühe bereitet, vor vielen Menschen zu reden. Aber mit einem 2:0-Sieg gegen RB Leipzig im Rücken gehen ihm die Worte noch ein wenig beschwingter über die Lippen. "Die haben wir weggehauen", so Fischer vor knapp 600 Eintracht-Mitgliedern, die zur Mitgliederversammlung in die Wolfgang-Steubing-Halle am Riederwald gekommen sind und ihm seinen Elan mit Beifall danken. "Die suchen noch die Bälle im Stadtwald, die sie drübergehauen haben."

Das stimmt wahrscheinlich eher nicht, die Laune bei Eintracht Frankfurt hingegen stimmt pünktlich zur Mitgliederversammlung allemal. Zwei Rückrundenspiele, zwei Siege, Tabellenplatz neun, Tendenz steigend. Und das ist nur das Tagesgeschäft. Das große Ganze, das die Verantwortlichen auf ihren Charts präsentieren, mit denen sie ihre Reden garnieren, sieht fast noch glänzender aus als ein 2:0 gegen RB. Wirtschaftliche Bestmarken, 280 bis 300 Millionen Euro Umsatz, ein neuer, profitabler Mietvertrag für ein Stadion, das zeitnah ausgebaut und digitalisiert werden soll.

"Weil wir klare Werte haben"

Und dann wäre da noch der erstaunliche Mitgliederboom. Auf 88.100 Mitglieder ist Eintracht Frankfurt gewachsen, damit sind die Hessen der sechstgrößte deutsche Verein und liegen auf Platz 22 im weltweiten Ranking. "Als ich vor 20 Jahren anfing, hatten wir 4.600 Mitglieder. Im nächsten Jahr springen wir über die 100.000, so ambitioniert sind wir", so Fischer.

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Fischer zu Mitgliedern
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Dass immer mehr Menschen ihren Weg zu Eintracht Frankfurt finden – Vorstand Axel Hellmann spricht sogar davon, dass die Eintracht bei den 14- bis 29-Jährigen im Land der zweitbeliebteste Klub sei – liegt laut Fischer auch daran, "dass wir klare Werte haben". Was sich auf der Mitgliederversammlung einmal mehr zeigt. So verkündet Fischer, was seit einigen Tagen bereits zu lesen war: Eintracht Frankfurt erkennt dem ehemaligen Präsidenten Rudolf Gramlich wegen dessen Nazi-Vergangenheit die Ehrenpräsidentschaft ab.

"Gramlich hat vom Nationalsozialismus profitiert"

"Gramlich hat vom Nationalsozialismus profitiert", so Fischer über SS-Mitglied Gramlich, in dessen Ägide die einzige deutsche Meisterschaft des Klubs fällt. "Er hatte keine Skrupel, sich dem NS anzudienen, als es für ihn wirtschaftlich, persönlich und sportlich von Vorteil war. Ein Ehrenpräsident muss, egal, was er sportlich Positives erreicht hat, auch moralisch und ethisch ein Vorbild sein". Für die Aufarbeitung der Vergangenheit Gramlichs (und der übrigen ehemaligen Präsidenten) hatten die Hessen das Fritz-Bauer-Institut engagiert, dessen detaillerter Abschlussbericht demnächst zugänglich gemacht werden soll. Bundesweit positioniert sich kein Verein so offen gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Intoleranz jedweder anderen Form. Entsprechend folgerichtig ist die Aberkennung Gramlichs Ehrenpräsidentschaft, entsprechend folgerichtig auch der aufbrandende Applaus in der Halle.

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Fischer zu Gramlich
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Dass aber bei auch Eintracht Frankfurt nicht in jeder Frage Einigkeit herrscht, zeigt sich nicht nur beim leidigen Thema Pyrotechnik, das sowohl Fischer als auch Hellmann ansprachen. Sondern vor allem an der Personalie Andreas Möller, dessen Berufung zum Chef des Nachwuchsleistungszentrums Fischer in einer Brandrede verteidigt. "Wir haben ihn einstimmig wegen seiner Expertise ausgesucht. Möller hat uns in den Gesprächen mit seinem Konzept überzeugt." Er sei "hochakzeptiert, hochengagiert und dynamisch". Fischer redet dabei gegen zahlreiche Buhrufe, teils höhnisches Gelächter der aktiven Fans an, der ebenfalls anwesende Möller erträgt die Zwischenrufe nur ein paar Stuhlreihen entfernt mit stoischem Gesichtsausdruck.

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Fischer zu Möller
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"Ich habe den Fans die offene Tür angeboten"

Möller ist nun seit drei Monaten im Amt, doch die Fronten sind nach wie vor verhärtet. Auf dem Weg zur Mitgliederversammlung sind Anti-Möller-Aufkleber zu sehen, ein Fan nennt Möller in einem nicht weniger emotionalen Redebeitrag eine "Persona non Grata" und erntet dafür Standing Ovations der aktiven Fans. Eines der ersten Projekte seines 21. Amtsjahres wird für Fischer entsprechend sein, den Dialog mit den Fans zu suchen. "Ich verstehe, dass das Thema aufgeladen ist. Ich habe den Fans die offene Tür angeboten, da wird auch Andreas Möller dabei sein, damit wir ein paar Missverständnisse ausräumen können", so Fischer, der auf "Annäherung und Verständnis" hofft.  Und dann gemäß dem beliebten Fangesang "Peter gibt einen aus" nachlegt: "Ich zahle auch die Biere."