Eintracht Union

Eintracht Frankfurts kommender Gegner Union Berlin ist die Überraschungsmannschaft der noch jungen Saison. Für den Aufschwung der "Eisernen" gibt es gute Gründe. Angst haben muss die Eintracht aber nicht.

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Acht Saisonspiele hat es gedauert, bis Union Berlins Trainer Urs Fischer das erste Mal ordentlich auf den Tisch hauen musste. "Dumm und doof" sei das alles, polterte der Schweizer, seit 2018 Cheftrainer der Köpenicker. Dicke Luft also bei Union Berlin? Von wegen. Adressat von Fischers Wutrede waren nicht seine Spieler, sondern die Pressevertreter in einer Online-Medienrunde. Fischer war gefragt worden, ob Union ein Kandidat für die Europacup-Plätze sei.

Das Erreichen des Europacups wird für Union wohl ein Wunschtraum bleiben, der Saisonstart der Berliner ist dennoch aller Ehren wert. Union, vor der Saison von nicht wenigen Experten als Abstiegskandidat gesehen, steht in der Tabelle mit starken 15 Punkten auf Rang fünf. Und das im schweren zweiten Bundesligajahr, das für viele andere Teams schon im Abstieg endete.

Union Berlin überzeugt mit besserer Spielanlage

Ein Aufwärtstrend, der nicht von Ungefähr kommt. Sieht man die Spiele der Berliner, sticht vor allem die deutlich bessere Spielanlange ins Auge. "Die erfolgreiche Entwicklung der Spielweise ist einer der Gründe für den Aufschwung", sagt Kit Holden, Union-Experte beim Berliner Tagesspiegel.

"Um aufzusteigen und dann die Klasse zu halten, musste Union meistens pragmatisch spielen. Aber schon in der letzten Saison hat man angefangen, sich spielerisch zu verbessern. Das weiterzuentwickeln, war Ziel für dieses Jahr. Und es wurde sowohl in der Kaderplanung als auch in der täglichen Arbeit gut umgesetzt."

"Die Mannschaft wurde gezwungen, sich zu entwickeln"

Exemplarisch dafür: der Abgang von Stürmer Sebastian Andersson. Vergangene Saison war der Schwede Unions Top-Stürmer, vor allem war er aber: Zielspieler. Allzu oft schlugen die Mitspieler den Ball hoch und weit auf Andersson, versehen mit den besten Wünschen.

"Der Abgang von Andersson wirkte auf den ersten Blick wie ein Rückschlag, doch dadurch wurde die Mannschaft gezwungen, sich über den alten Kampfgeist und die langen Bälle hinaus spielerisch zu entwickeln", so Holden. Mit Erfolg: Die Berliner kommen 2020/21 ball- und passsicherer daher, wirken nicht mehr so eindimensional wie noch im Vorjahr.

Kruse als erster Star Unions

Was freilich auch an den Spielern liegt. Etwa Stürmer Max Kruse, den Eintracht-Trainer Adi Hütter 2019 gern in Frankfurt begrüßt hätte. Halb-Skandalnudel Kruse ist wahrscheinlich der erste Star, den Union überhaupt je hatte, und hat das spielerische Niveau in der Berliner Offensive im Alleingang auf ein neues Niveau gehoben.

"Kruse ist sehr wichtig, vor allem was die neue spielerische Leichtigkeit und das Selbstbewusstsein angeht", so Holden. Das schlägt sich auch in der Statistik nieder: Mit vier Toren und fünf Vorlagen liegt Kruse bei den Scorern auf Rang vier, hinter Thomas Müller, Erling Haaland und Robert Lewandowski. Nicht die schlechteste Gesellschaft.

Teamgeist als Faustpfand

Gute Gesellschaft hat Kruse auch im eigenen Team, Holden erwähnt explizit die positiven Entwicklungen von Rechtsaußen Sheraldo Becker oder Innenverteidiger Marvin Friedrich. Auch der gute Teamgeist ist ein Faustpfand. Allein: So richtig aussagekräftig ist Unions Top-Start noch nicht. Denn der Spielplan spielte den Köpenickern bislang in die Karten. "Bisher gab es keinen richtig starken Gegner", so Holden.

"Und die vermeintlichen direkten Konkurrenten wie Köln, Mainz oder Bielefeld befanden sich immer in einer schlechten Phase, als sie gegen Union spielten." Gut möglich also, dass die kommenden Wochen der Realitätscheck für die Unioner werden. Noch vor Weihnachten warten unter anderem der FC Bayern und Borussia Dortmund.

"Ziel bleibt der Klassenerhalt"

Und natürlich die Eintracht (Samstag, 15.30 Uhr), die ihrerseits ja vor der Saison sachte von Europa träumte. Fischer übrigens mühte sich im Pressegespräch, die Erwartungen wieder einzufangen. "Ziel bleibt der Klassenerhalt. Wenn wir das erreicht haben, können wir uns über andere Zielsetzungen Gedanken machen", so Fischer. Die Eintracht würde den Europacup-Platz gerne nehmen, "dumm und doof" fände das in Hessen sicher niemand.