Oliver Glasner bei seiner Antritts-Pressekonferenz. Im Hintergrund ist das Eintracht-Zeichen unscharf zu sehen.

Bei seiner Antritts-Pressekonferenz im Frankfurter Stadion lächelte Oliver Glasner fast die kompletten 48 Minuten. Der neue Eintracht-Trainer hofft auf die "Dreifach-Belohnung". Nur das Deutschland-Achtelfinale bei der EM bereitet ihm Probleme.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Der neue Eintracht-Trainer Oliver Glasner stellt sich vor

Zwei Neue: Trainer Oliver Glasner (li.) und Sportvorstand Markus Krösche
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Da war er nun. 33 Tage nach seiner Verpflichtung betrat Oliver Glasner das erste Mal als Eintracht-Trainer den in schwarz gehaltenen Raum der Pressekonferenz im Stadion. Ging vorbei am großen Foto vom Pokalsieg von 2018 aufs Podium, setzte sich vor das Mikrofon und lächelte. Und dieses Lächeln verschwand bis zum Ende der 48 Minuten dauernden PK nicht mehr von seinem Gesicht.

Glasner wirkte sympathisch und war durchaus in Plauderlaune. Der 46-Jährige, der in Wolfsburg oft gehemmt und einsilbig daherkam, schien wie ausgewechselt. Nach dem Motto: Probleme gibt es nicht. Auf die Frage, ob in seiner ersten Eintracht-Saison Angst vor der Dreifachbelastung aus Liga, Pokal und Europa League habe, antwortete Glasner: "Klar habe ich Respekt, aber für mich ist das keine Belastung, sondern eine Dreifach-Belohnung für das, was die Mannschaft in der vergangenen Saison geleistet hat, wir wollen das einfach genießen."

Wohnungsbesichtigung durchkreuzt Glasners EM-Pläne

Und dann gab es da doch ein Problem für Glasner. Da der neue Eintracht-Coach nicht ins Hotel ziehen möchte, sondern in einer eigenen Wohnung in Frankfurt gleich sesshaft werden will, ist der Österreicher auf Wohnungssuche. Und wie es der Zufall und der EM-Spielplan so wollen, liegt der Termin seiner Wohnungsbesichtigung mitten in der Spielzeit des Deutschland-Achtelfinales gegen England am frühen Dienstagabend.

"Da muss ich in der Halbzeitpause kurz weg. Aber ich hoffe, dass die Wohnung so passt und es im Spiel eine Verlängerung gibt, damit ich wieder rechtzeitig zur Entscheidung zurück bin" sagte Glasner und musste lachen. Damit er in der Zwischenzeit EM-technisch nicht gänzlich uninformiert bleibt, versprach Sportvorstand Markus Krösche, ihn via Handy auf dem Laufenden zu halten. "Wenn etwas passiert." Überhaupt, Krösche und Glasner: Die beiden wirkten wie ein richtig gutes Team.

Das Posieren - Faust an Faust - für die Fotografen wirkte nicht aufgesetzt. Und auch inhaltlich scheint es zu passen. Glasner: "Was ganz, ganz wichtig ist, dass wir dieselbe Idee von Fußball im Kopf haben." Als die Journalisten vom neuen Eintracht-Trainer wissen wollen, welche Spieler er denn von Krösche als Neuzugänge gefordert habe, hob der Sportvorstand im Spaß den Zeigefinger: "Jetzt pass auf, was Du sagst". Beide mussten lachen. Die gute Laune am ersten Arbeitstag eines Bundesliga-Trainers ist vielleicht keine Seltenheit, aber die Chemie scheint zu stimmen.

Beim Thema "Spielidee" platzt es aus Glasner heraus

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Oliver Glasner hat viele Spielideen

Oliver Glasner
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"Wir wollen das offensive Spiel der Eintracht beibehalten, was die defensive Absicherung anbetrifft aber auch ein bisschen mehr Balance reinbringen." Glasner ist natürlich nicht entgangen, dass die Eintracht in der vergangenen Saison mit 69 zwar die drittmeisten Tore erzielt, mit 53 auch die mit Abstand meisten Gegentreffer der Bundesliga-Top-Teams gefangen hat. Als der 46-Jährige dann noch nach seiner Lieblings-Taktik gefragt wurde, brach sich die spieltaktische Begeisterung bei Glasner Bahn.

"Ich bin da völlig vorbehaltlos, was Dreier- oder Viererkette angeht. Wichtig ist, die Mannschaft kennenzulernen, um zu schauen, in welcher Formation sie sich wohl fühlt." Noch wichtiger seien Glasner aber die Verhaltensweisen der Spieler auf dem Platz. "Wo wollen wir den Gegner hinlenken? Wer unterstützt wen, wer sichert wen? Welche Räume gibt uns der Gegner? Das sind die Themen, mit denen wir die Mannschaft konfrontieren wollen, die nächsten Wochen und Monate".

Jedes System habe Stärken, aber auch irgendwo seine Schwachpunkte, die man beim Gegner dann ausnutzen müsse. Insgesamt sei er taktisch da sehr flexibel. "Die Systemfrage ist für mich daher zweitrangig", so Glasner.

Glasner will mit der Eintracht wachsen

Am Ende der langen Pressekonferenz erklärte Glasner dann noch einmal, warum er ausgerechnet zur Eintracht wollte. Ihn reize, bei einem Club zu sein, der wachsen will. "Hier gemeinsam einen Weg zu gehen, gemeinsam zu wachsen und etwas aufzubauen, das ist eigentlich das schönste am Fußball." Diesen Ehrgeiz habe Markus Krösche und die gesamte Eintracht vermittelt, genau das habe er gesucht.

Am Donnerstag (10 Uhr) wird Glasner zum ersten Eintracht-Training der Saison bitten. Ein erstes Kennenlernen, auch wenn elf Nationalspieler wie André Silva, Martin Hinteregger, Kevin Trapp oder Steven Zuber als EM-Teilnehmer oder Urlauber noch abwesend sein werden. Doch der neue Eintracht-Coach könnte einige der Abwesenden zumindest im Fernsehen beobachten.

Falls bei Glasner ein weiterer Wohnungsbesichtigungs-Termin notwendig ist, sollte er diesen am besten nicht auf den frühen Freitagabend legen. Denn dann spielen seine Eintracht-Profis Zuber und Djibril Sow mit der Schweiz im EM-Viertelfinale gegen Spanien.