Oliver Glasner

4-4-2? 3-5-2? 4-3-3? Für Eintracht Frankfurts neuen Trainer Oliver Glasner ist das Spielsystem nicht entscheidend. Vielmehr geht es ihm um etwas anderes.

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Oliver Glasner
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In einer ohnehin redseligen ersten Vorstellung als neuer Trainer der Frankfurter Eintracht gab es ein Thema, bei dem Oliver Glasner noch ein wenig mitteilungsfreudiger wirkte als ohnehin schon: Die Frage nach dem Spielsystem. Wie auf Knopfdruck sprudelte es aus dem neuen Coach der Hessen heraus: 4-4-2, 3-5-2, 4-4-2, dann 3-4-3: Im Schnelldurchlauf führte Glasner durch seine bisherigen Trainerstationen, um dann zu schließen: "Ich habe schon alle Systeme gespielt."

Während bei Eintracht Frankfurt im letzten Jahr die einzige taktische Frage war, ob Doppel-Zehn oder Doppel-Neun, präsentierte sich Glasner direkt ein wenig flexibler als sein Vorgänger. Und Flexibilität ist das Motto, denn im System Glasner verschwindet das Spielsystem hinter den Mechanismen des Teams: "Das Entscheidende ist, welche Verhaltensweisen die Mannschaft an den Tag legt", so Glasner, der schon 2019 der Wolfsburger Allgemeinen sagte: "Wenn es gut läuft, wird das System über kurz oder lang sowieso keine große Rolle mehr spielen."

Keine Mannschaft spielte intensiver

Die Spiele der Wolfsburger aus der letzten Saison sind ein guter Fingerzeig, was die Eintracht in der kommenden Saison erwartet. Keine Mannschaft spielte intensiver als der VfL Wolfsburg, der die meisten Sprints und intensiven Läufe verzeichnete. Diese sind nötig, um den Gegner zu pressen und zu stressen, wo immer es geht. Herzstück dabei war in Wolfsburg das zentrale Mittelfeld mit Xaver Schlager und Maxi Arnold, die den Takt vorgaben. Aber auch weiter vorne, bei Mittelstürmer Wout Weghorst und Yannick Gerhardt, den Glasner wegen seiner Zweikampfstärke zum Zehner umfunktionierte, wurde angelaufen.

Ist der Ball gewonnen, geht es – ähnlich wie unter Hütter – schnellstmöglich nach vorne. Entweder per direktem Pass in die Spitze zu Zielspieler Weghorst, oder über die Flügel, auf denen die Außenverteidiger oft die offensiven Außen hinterliefen, um Platz zu schaffen, während die Mannschaftskollegen in der Mitte den Strafraum überluden. Der Rest war oft: Flanke, Schuss, Tor.

Balance als Unterschied

Ein Prinzip, das unter Adi Hütter in Frankfurt ebenfalls bestens funktionierte, für die defensive Absicherung gilt das hingegen nicht; 53 Gegentore sprechen für sich. Schnelles, direktes, aggressives und aktives Spiel – darin ähnelt Glasner seinem Vorgänger. Was ihn von diesem absetzt, ist die Balance. Ein Steckenpferd Glasners in Wolfsburg war Defensive, lediglich 37 Gegentreffer kassierte der VfL. Wo sich in Frankfurt also hinter dem stürmenden Kostic weite Räume auftaten, waren in Wolfsburg die pressenden Spieler stets abgesichert, die Abläufe dazu automatisiert.

Noch sind die rhetorischen Fragen offen, die Glasner auf der Pressekonferenz stellte, um seine gewünschten Abläufe zu illustrieren: "Wo wollen wir den Gegner hinlenken? Wer hat was zu tun? Wer unterstützt wen? Wer sichert wen, damit wir eine größtmögliche Synchronität im Defensivverhalten haben? Was ist auf der Ballseite zu tun, was ist auf der Ballentfernten Seite zu tun?" Mit seiner neuen Mannschaft wird er nun an den Antworten arbeiten. Diese werden die Prinzipien von Glasners Fußball sein.

"Mal sehen, was zur Mannschaft passt"

"Das sind Themen, mit denen wir die Mannschaft konfrontieren werden. Und dann werden wir vielleicht auch verschiedenste Systeme spielen", so Glasner. "Ganz wichtig ist es, die Mannschaft in den nächsten Wochen kennenzulernen und zu sehen, was zur Mannschaft passt und in welcher Formation sie sich wohlfühlt." Damit die Formation dann im besten Falle obsolet wird.