Filip Kostic bejubelt sein Tor gegen Leipzig

Düssel was? Eintracht Frankfurt überzeugt mit einer Leistungsexplosion und kegelt RB Leipzig aus dem DFB-Pokal. Auf dem Weg ins Viertelfinale helfen eine Systemumstellung und eine neue Espressomaschine. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt steht im Viertelfinale des DFB-Pokals. Die Mannschaft von Trainer Adi Hütter gewann am Dienstag ihr Achtelfinalspiel gegen RB Leipzig nach Toren von André Silva (17. Spielminute/Handelfmeter) und Filip Kostic (51., 90.+5) mit 3:1 (1:0). Für die Gäste traf Dani Olmo (69.).

1. Hellwach dank neuer Espressomaschine 

Zwei Tore. Wieder gegen Leipzig getroffen. Wieder gegen Leipzig gewonnen. Und mal wieder eine bemerkenswerte Leistung abgeliefert. Filip Kostic ist nach dem Abpfiff völlig zurecht mit der Auszeichnung "Man of the Match" geehrt worden. Seine beiden Tore – jeweils ein Linksschuss ins rechte untere Eck – strotzten nur so vor Gier und Power.

Statistiken wie seine Zweikampfquote von rund 75 Prozent sprechen zudem eine deutliche Sprache. Und haben ihren Ursprung ganz offensichtlich auch in der Kraft der Kaffeebohne. "Er hat sich eine neue Espressomaschine gekauft, die anscheinend Wunder bewirkt", verriet Torwart Kevin Trapp am Sportschau-Mikro. "Filip bekommst du nicht klein, er ist ein Mentalitätsmonster." Eines, das die Eintracht ins Pokal-Viertelfinale geschossen hat.

2. Leistungsexplosion bei Eintracht Frankfurt

Drei Spiele, zwei Siege, sieben Punkte: In der Bundesliga hat das Hütter-Team einen Rückrundenstart hingelegt, der nach dem Leistungsabfall im Herbst 2019 nicht unbedingt zu erwarten war. Und doch war die Stimmung bei vielen Fans in den vergangenen Tagen gedrückt: Zu harmlos, zu entlarvend war die Leistung beim 1:1 in Düsseldorf. Ein Spiel, über das nach dem zweiten Leipzig-Coup binnen eineinhalb Wochen vermutlich deutlich weniger geredet werden dürfte. Anders als noch am Wochenende traten die Hessen entschlossener und zielstrebiger auf.

Klar, ein Champions-League-Achtelfinalist wie Leipzig ist nicht über die vollen 90 Minuten in Schach zu halten, wie alleine der Treffer zum 1:2 zeigte: Ein Querpass von Angelino und der richtige Riecher des in der Strafraummitte lauernden Olmo reichten, um den Frankfurter Abwehrverbund dann doch einmal auszuhebeln. Aber gerade in der ersten Halbzeit – als RB eine Reihe guter Chancen vergab – schien es so, als würde die Eintracht ihrem Gegner mit einer disziplinierten Staffelung im Mittelfeld förmlich auf die Nerven gehen. Wer dann noch selbst couragiert nach vorne spielt, gewinnt ein solches Spiel nicht unverdient mit 3:1.

3. Hütter überrascht und brilliert mit Systemumstellung

Diese Leistungssteigerung freut freilich auch denjenigen, der das sportliche Treiben von der Seitenlinie aus beobachtet und verantwortet. Nach dem Düsseldorf-Spiel habe man gespürt, sagte Trainer Adi Hütter, dass alle sauer waren. Dass nun, nur drei Tage später, Dynamik und Aggressivität plötzlich wieder vorhanden waren, hat einen zentralen Grund: eine Umstellung des Spielsystems auf eine 4-3-3-Formation. Mit einem Defensiv-Allrounder Makoto Hasebe vor der Abwehr, Kostic und Mijat Gacinovic auf den Außen und Silva im Sturm.

Auch wenn vor allem der zuletzt nicht mit Einsatzzeiten überschüttete Hasebe etwas Eingewöhnungszeit benötigte und zunächst verunsichert wirkte: Diese Umstellung war mutig, erfolgreich und offensichtlich auch notwendig. "Wir haben das am Vormittag nur kurz trainiert", verriet Hütter, "weil ich der Überzeugung war, dass wir etwas verändern und den Gegner überraschen können. Ich war mir sicher, dass Julian (Nagelsmann, RB-Trainer; d. Red.) nicht damit rechnet, dass wir im 4-3-3 spielen." Hat er in der Tat nicht.

4. Bei André Silva geht der Knopf auf

Weil eine Systemumstellung gerne auch mit Rotation und daher einem zumindest punktuellen Personalwechsel einhergeht, dürfte Nagelsmann auch von einigen Namen in der Frankfurter Startelf überrascht gewesen sein. Neben Hasebe und Gacinovic hatte Hütter auch Silva in die Anfangsformation beordert. In Abwesenheit des erkrankten Bas Dost (Magen-Darm) erhielt der Portugiese den Vorzug gegenüber dem in Düsseldorf formschwachen Goncalo Paciencia.

Vertrauen, das der 24-Jährige umgehend in Form eines selbstbewusst getretenen Elfmeters zurückzahlte. "Bei ihm ist der Knopf jetzt aufgegangen", sagte Hütter. "Er hat sich in jeden Zweikampf reingehauen, gut gearbeitet." Und Silva selbst? Fühlt sich "mental und körperlich in bester Verfassung". Gerade rechtzeitig für den straffen Februar-Plan mit nun noch fünf Spielen in den kommenden 23 Tagen.

5. Hoffen auf den Fortbestand der Serie

Die nächste dieser fünf Partien steigt bereits am kommenden Freitag (20.30 Uhr) mit dem Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Augsburg. Wie schon nach dem Düsseldorf-Match haben die Hessen nur knapp drei Tage Zeit, um zu regenerieren und sich vorzubereiten. Drei Tage, in denen die Hoffnung auf eine ähnlich gute Leistung wie gegen die Roten Bullen noch ein bisschen wachsen dürfte.

"So müssen wir am Freitag auch gegen Augsburg auftreten", hatte Gacinovic noch am Dienstagabend die Performance gegen die Sachsen zum Maßstab ausgerufen. Kostic ("Ich hoffe, dass wir genauso weitermachen"), stimmte ohne zu zögern ein. Eintracht Frankfurt ist nun seit vier Pflichtspielen in Folge ungeschlagen, im Jahr 2020 hat es noch keine Niederlage gegeben. Darauf einen Espresso.

Weitere Informationen

Eintracht Frankfurt - RB Leipzig 3:1 (1:0)

Frankfurt: Trapp - Toure, Abraham, Hinteregger, N'Dicka - Hasebe, Rode (78. Kohr) - Gacinovic (81. Chandler), Sow, Kostic - Silva (88.Paciencia)

Leipzig: Mvogo - Klostermann, Upamecano, Halstenberg - Sabitzer, Haidara (46.  Olmo), Laimer (62. Werner), Angelino, Poulsen, Nkunku (81. Lookman) - Schick

Tore: 1:0 Silva (17./HE), 2:0 Kostic (51.), 2:1 Olmo (69.), 3:1 Kostic (90.+5)                   

Gelbe Karten: Rode, Gacinovic - Halstenberg, Haidara                                       
                                      
Schiedsrichter: Brych (München)       
Zuschauer: 47.400 

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