Wenn Kapitän David Abraham Eintracht Frankfurt im Winter verlässt, steht mit Sebastian Rode der nächste Chef schon bereit. Weil er zwei zentrale Grundtugenden der Hessen vereint.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Rode: "Was die Kapitänsfrage angeht, bin ich entspannt"

Sebastian Rode
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Ricardo Quaresma hat ja vor noch gar nicht allzu langer Zeit im Frankfurter Stadion gekickt, im Februar 2014 war das, mit dem FC Porto im Europacup. Und dennoch: Nicht einmal Quaresma, der portugiesische Edeltechniker, der die Bälle notorisch mit dem Außenrist spielt, hat im Frankfurter Stadtwald einen so gekonnten Außenrist-Pass hinbekommen wie Sebastian Rode am Samstag gegen Borussia Dortmund.

Es lief die 6. Minute, Rode hob im Mittelfeld den Kopf, sah den startenden Erik Durm und schickte diesen mit einem sensationellen Außenristpass auf die Reise. Einzig der pfeilschnelle Nico Schulz verhinderte, dass Durm Rodes Pass mit dem 1:0 veredelte. Dennoch: Wären Fans in der Arena gewesen, hätte es sicherlich Szenenapplaus gegeben.

Passquote von 85,3 Prozent

Das Spiel gegen Borussia Dortmund, es war exemplarisch für die beiden Gesichter Rodes, die ihn für Eintracht Frankfurt so wichtig machen. Einerseits das spielerische Element, mit dem er im Mittelfeld das Spiel ordnet und durchaus auch offensive Impulse setzt. Beispielhaft dafür seine Passquote: Von 402 Pässen bracht Rode in dieser Saison laut "ligainsider.de" 343 an den Mann, was einer starken Quote von 85,3 Prozent entspricht. Ligaweit liegt er damit auf Platz 40, im Team der Eintracht auf Platz zwei hinter Makoto Hasebe.

Und andererseits das gnadenlos Kämpferische, das Rode auf den Platz bringt. Rode fängt mit die meisten Bälle im Spiel der Eintracht ab und kann die Mannschaftskameraden mit seiner Art, Zweikämpfe zu führen, mitreißen. Quasi das Äquivalent zu seinem Traumpass war in dieser Hinsicht seine Gelbe Karte nach Blutgrätsche im Mittelfeld gegen Giovanni Reyna in der 60. Minute, die durchaus auch mit Rot hätte geahndet werden können.

Aggressivität und gepflegtes Spiel

Damit vereint Rode zwei Grundtugenden, die Cheftrainer Adi Hütter im Spiel seiner Mannschaft sehen will: Aggressivität und gepflegtes Spiel. Was den 30-Jährigen zum designierten Nachfolger von Kapitän David Abraham machen könnte, der die Eintracht im Januar verlässt. "Es ist ein bisschen Wehmut beim Abschied von David dabei, er ist ungemein wichtig für die Mannschaft", so Rode in einer Medienrunde am Dienstag. "Es wird interessant sein, wie wir das ab Januar auffangen. In Sachen Kapitänsamt bin ich völlig entspannt. Der Fokus liegt darauf, dass wir wieder ein Spiel gewinnen. Da ist es nicht wichtig, wer am Wochenende als Kapitän aufs Feld läuft."

Bei aller Entspannung stimmt das natürlich nur halb. Denn ein Kapitän hat ein klares Anforderungsprofil. Das auch Rode kennt: "Man muss ein gutes Standing in der Mannschaft haben, gut mit dem Schiedsrichter kommunizieren können und allen voran der verlängerte Arm des Trainers sein." Eine Jobbeschreibung, die neben Rode vielleicht noch auf Kevin Trapp oder Martin Hinteregger zutreffen dürfte.

"Bis Weihnachten ist noch alles möglich"

Dass Rode im engeren Kandidatenkreis ist, dürfte also klar sein. Auch, weil er das ganz große Verletzungspech, das ihn einst plagte, seit geraumer Zeit hinter sich gelassen hat. Zuletzt setzte er zwei Spiele mit einer Sehnenreizung aus, Kleinkram für den ehemaligen Kniepatienten. "Persönlich bin ich nach der Verletzung noch nicht ganz bei 100 Prozent, um 90 Minuten durchzuackern. Aber alles in allem geht es mir gut" so Rode. "Bis Weihnachten ist noch alles möglich, wir können noch viele Punkte holen und dann hoffentlich im Januar dran anknüpfen können und oben anklopfen." Vielleicht ja sogar durch Tore nach einem Außenristpass.