Lucas Torró geht zuversichtlich in die neue Saison.

Nach seiner Verletzung stand Lucas Torro kurz vorm Comeback bei Eintracht Frankfurt. Dann kam Corona. Auch für den Spanier eine schwierige Zeit. Vor allem mit Blick auf sein Heimatland.

"Gewöhnungsbedürftig" ist in Zeiten von Mundschutz und Kontaktsperre ein auf viele Dinge passendes Wort. Und doch muss es für einen Berufsfußballer noch ein wenig gewöhnungsbedürftiger sein, aktuell seiner Arbeit nachzugehen. "Gerade für mich als Mittelfeldspieler", so Lucas Torro, Abräumer a.D. von Eintracht Frankfurt im Pressegespräch via Telefonschalte. "In den kleinen Gruppen ist es ja nicht möglich, Zweikämpfe zu trainieren. Wir trainieren Abschlüsse, Flanken oder im körperlichen Bereich."

Der ein oder andere kernige Zweikampf scheint dem Spanier, 2018 aus Madrid gekommen, also durchaus zu fehlen. Aber Torro ist nicht nur Mittelfeldabräumer, er ist auch ein kluger Kopf und weiß die derzeitigen Geschehnisse durchaus einzuordnen. "Gerade in solchen Zeiten ist es wichtig, auch das Positive zu betrachten", sagt er folgerichtig. "Zumindest können wir trainieren, in Spanien, Italien oder England ist derzeit überhaupt kein Training möglich." In kleinen Schritten zurück zur Normalität also. Auch wenn es für Torro derzeit viel wichtigeres gibt als den Sport. "Es macht aktuell wenig Sinn, über Fußball zu sprechen. Es gibt so viele Familien, die ihre Liebsten verloren haben."

"Chance, eine bessere Welt aufzubauen"

Dabei denkt der 25-Jährige vor allem auch an seine Heimat Spanien, in der das Corona-Virus noch schlimmer grassiert. Seine Eltern, beide über 70 und damit zur Risikogruppe zugehörig, hat er seit Monaten nicht gesehen, Besuche sind aktuell ausgeschlossen. Immerhin kümmern sich seine Geschwister um sie, wie bedrohlich die Situation dennoch ist, weiß Torro aus erster Hand "Meine Schwester ist Krankenschwester, sie berichtet mir vom Alltag in den spanischen Krankenhäusern. Die Situation ist sehr schwierig. In der vergangenen Woche haben so viele Patienten das Krankenhaus aufgesucht, dass Betten gefehlt haben."

Immerhin habe sich die Situation leicht entspannt, so Torro. "Ich hoffe, dass sich das gesamte Land bald von dieser Situation erholt und dass möglichst bald wieder so etwas wie Normalität einkehrt." Die Krise könne durchaus auch eine Chance sein, sagt er. Darauf, "dass man für die Zukunft besser aufgestellt ist und stärker aus einer solchen Krise hervorgeht. Eine bessere Welt aufbaut, in der es noch mehr auf Werte wie Zusammenhalt und Gemeinschaft ankommt. Das ist, was ich mir wünschen würde"

"Jetzt fangen alle wieder bei bei Null an"

Und wenn es dann doch irgendwann mit dem Fußball weitergeht? Torro war gerade von einer Innenbandverletzung genesen und wollte wieder angreifen. Dann kam Corona. "Ich war vor der Krise schon wieder einigermaßen gut dabei. Dann kam leider die Zwangspause. Jetzt fangen alle wieder bei bei Null an. Da muss man natürlich wieder reinfinden, aber das gilt ja für jeden einzelnen Spieler gleichermaßen."

Also erst einmal weiter Torschüsse, Flanken, arbeiten im körperlichen Bereich. Sollte der Tag X bald kommen, steht der Spanier auf jeden Fall Gewehr bei Fuß. "Ich spüre eine große Lust, bald hoffentlich wieder das zeigen zu können, was mich auszeichnet." Kernige Zweikämpfe eben, im Mittelfeld abräumen. Und dann, wenn der ganze Spuk vorbei ist? "Dann freue ich mich drauf, meine Familie wieder zu besuchen."