Eintracht-Profi Paciencia ist unzufrieden

Eintracht Frankfurts Sturm lahmt, die Spielidee der Hessen ist zu durchschaubar. Muss der Verein im Winter in der Offensive nachrüsten?

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zum Video Die Eintracht-Pressekonferenz nach dem Remis gegen die Hertha

Adi Hütter in der PK
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Wer sich für die Gefühlswelt des Ante Rebic interessiert, der ist auf Instagram an der richtigen Adresse. Rebic, in der Vorsaison noch in Diensten von Eintracht Frankfurt, kickt aktuell auf Leihbasis beim AC Mailand. Das heißt, wenn er denn mal spielen darf. Am Wochenende, Rebic hatte das zweite Spiel in Folge 90 Minuten auf der Bank gesessen, postete er ein Foto von sich und Mijat Gacinovic beim Warmmachen in der Frankfurter Arena aus der Vorsaison. Dazu schrieb er: "Mijat, bleib wo du bist."

Der Wechsel von Rebic weg von der Eintracht ist, das kann man nach dreieinhalb Monaten so sagen, eine klassische Lose-lose-Situation. Rebic droht in Italien seine Karriere zu verspielen, und bei der Eintracht ist es eine veritable Sturmflaute, die dafür sorgt, dass die Hessen in einer machbaren Liga nicht oben andocken, sondern im Nirgendwo der Tabelle eine egale Saison zu spielen drohen.

Dosts Ausfall ist dramatisch

Bezeichnend für die fehlende Offensivpower der Eintracht: Mit Martin Hinteregger ist es ein Innenverteidiger, der sich durch seine Tore zuletzt in Mainz und nun gegen Hertha in der internen Torschützenliste auf Rang zwei geschossen hat. Nur Gonçalo Paciência hat mit sechs Treffern einen mehr auf dem Konto als Hinteregger, der Portugiese läuft aber seit dem 5:1 gegen die Bayern, als er zuletzt traf, seiner Form hinterher.

Das wäre nicht weiter schlimm, aber Paciência ist der einzige Eintracht-Stürmer, der in der laufenden Saison dauerhaft einsatzfähig ist. André Silva musste immer wieder angeschlagen passen und hat auch deshalb noch nicht richtig in die Spur gefunden. Bas Dost ist nach wochenlangen Zipperlein bis zum Jahresende aus dem Spielbetrieb genommen worden, um seine Leistenprobleme auszukurieren.

Und Dejan Joveljic ist bei allem Talent noch zu unbedarft. Gerade Dosts Ausfall ist dramatisch. Ohne den langen Holländer fehlt der Eintracht ein Stoßstürmer, der einerseits die Bälle festmacht und verteilt, andererseits seinen Schädel in die vielen, vielen Flanken hält, die die Hessen in den Strafraum schlagen.

Im Frankfurter Spiel gibt es zu wenige kreative Momente

Was direkt zum nächsten Problem führt: Die Eintracht flankt so oft wie kein anderer Bundesligist. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass das Spiel der Hessen arg ausrechenbar scheint. Nimmt der Gegner Filip Kostic aus dem Spiel und hat auf der Gegenseite Danny da Costa einen schlechten Tag, was aktuell des Öfteren vorkommt, hat die Eintracht ein Problem. Bereits nach dem 0:2 gegen Wolfsburg sagte Hütter, er hätte sich mehr steile Bälle hinter die gegnerische Abwehr gewünscht. Auch zwei Wochen später bleibt dies ein frommer Wunsch. Im Frankfurter Spiel gibt es zu wenige kreative Momente durch die Mitte.

Bezeichnenderweise fielen beide Tore gegen Hertha nach Eckbällen. Auch in dieser Statistik ist die Eintracht top, kein Ligakonkurrent hat nach Standards häufiger getroffen als die Hessen (sieben Mal). Auf Dauer wird man so aber die fehlenden Tore aus dem Spiel heraus nicht kompensieren können. Das weiß auch der neue Torjäger Hinteregger: "Wir müssen wieder versuchen, aus dem Spiel heraus zu treffen. Nur über Standards wird es schwer."

"Vorne fehlt zurzeit das gewisse Etwas"

Gut möglich also, dass die Hessen im Winter noch einmal nachlegen. Für den Sturm, vielleicht auch für die Kreativzentrale dahinter. "Es wird Zeit, dass wir aus dem Strafraum heraus die Durchschlagskraft wieder finden und Tore machen. Die Chancen sind ja vorhanden, aber vorne fehlt zurzeit das gewisse Etwas", so Hinteregger nach dem Hertha-Spiel. Einer, der das gewisse Etwas mitbrächte, sitzt in Mailand nur auf der Bank. Dass Rebic nach seinem geräuschvollen Wechsel im Sommer vorzeitig von seiner Leihe zurückkehrt, scheint allerdings unwahrscheinlich. Eher, dass er bleibt, wo er ist.