Foto von Timothy Chandler inmitten der mitjubelenden Fußballkollegen.

Die Saison läuft nicht sonderlich gut für Eintracht Frankfurts Timothy Chandler. Die Verletztenmisere und sein Tor gegen Union könnten ihn jedoch ins Team gespült haben. Wird er wieder die große Überraschung?

Knapp über ein Jahr ist es nun her, aber welchen Zaubertrank Timothy Chandler im Februar 2020 zu sich genommen hat, bleibt weiterhin ein Mysterium. Damals, zu Beginn der Rückrunde 2019/20 war Chandler so etwas wie der Mann der Stunde, als Aushilfs-Rechtsaußen wuchs der gelernte Rechtsverteidiger, eigentlich eher ein Mann fürs Toreverhindern, über sich hinaus und erzielte fünf Treffer. "Bei ihm gehen einem die Superlative aus. Da muss man sich fragen, welchen Zaubertrank er getrunken hat", staunte Teamkollege Sebastian Rode zu Recht.

Ein Jahr später ist der Zauber ein wenig verpufft. Zwar gelang Chandler gegen Union Berlin sein erstes Saisontor, und das in bester Chandler-Manier. "Ich habe ziemlich laut geschrien, dass Steven Zuber den Ball zu mir spielen soll. Dann habe ich die Kugel perfekt mit dem Schienbein getroffen und in die Ecke geknallt", so Chandler im vereinseigenen Interview lachend. Insgesamt läuft die Spielzeit für ihn persönlich aber mäßig.

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Nur sieben Kurzeinsätze

Lediglich sieben Einsätze stehen für Chandler zu Buche, kein einziger davon in der Startelf. Mehr noch: Nur ein einziges Mal durfte Chandler eine komplette Halbzeit lang ran, beim 0:5 in München in der Hinrunde. Vom Zaubertrank ist offensichtlich nichts mehr übrig.

Sein Problem: Die klassische Rechtsverteidigerposition, auf der er zuhause ist, gibt es im Spiel der Eintracht schon länger nicht mehr. Gleiches gilt für die Rechtsaußenposition, auf der er im Vorjahr überraschte. Hütter setzt auf eine Fünferkette mit offensiven Außenverteidigern, die bei Ballbesitz als Rechts- und Linksaußen, gegen den Ball als Außenverteidiger fungieren. Eine Mischform, die Erik Durm etwa, wenngleich oft glanzlos, besser beherrscht.

Weder Barkok noch Kamada überzeugen rechts

Dennoch könnte demnächst die Stunde von Chandler schlagen. Denn auf Rechts hat sich zum Leidwesen der Hessen eine Vakanz eröffnet. Almamy Touré fehlt wohl den Rest der Saison, auch Durm hat sich verletzt. Zwar soll der Weltmeister von 2014 nächste Woche wieder ins Training einsteigen, ob es für einen Startelfeinsatz gegen Borussia Dortmund reicht, bleibt aber abzuwarten.

Gegen RB Leipzig füllte Hütter die Lücke eher schlecht als recht mit Daichi Kamada, gegen Union Berlin durfte sich dann Aymen Barkok auf Rechts versuchen. Der Hochbegabte bringt eigentlich alles mit für die Position, in der Hinrunde gegen den VfB Stuttgart brillierte er dort nach seiner Einwechslung. Doch noch immer, auch gegen Union, fehlt Barkok die Balance, zwischen guten Offensivaktionen und Nachlässigkeiten in der Defensive liegen oft nur ein paar Minuten.

"Dann können wir auch in Dortmund punkten"

Gegen Union führte das unter anderem zum Treffer von Max Kruse zum 2:4, auch das 1:1 fiel über Barkoks Seite. Gut möglich also, dass Hütter gegen die ungleich schnelleren und trickreicheren Dortmunder auf einen defensiver denkenden Spieler setzt: Timothy Chandler, der ein Jahr nach seiner letzten Glanzzeit vielleicht wieder überraschen könnte. Zumindest als Kandidat für die Startelf.

Mit einem Sieg könnten die Hessen den BVB auf sieben Punkte distanzieren. Chandler sagt: "Wir müssen physisch stark sein und unsere fußballerischen Qualitäten auf den Platz bringen. Dann können wir auch in Dortmund punkten." Dafür braucht es auch gar keinen Zaubertrank, eine solide Leistung gegen Jadon Sancho und Co. würde reichen. Und vielleicht ein Schuss mit dem Schienbein zur rechten Zeit.