Eintracht Frankfurt gegen RC Straßburg

Eintracht Frankfurt löst in einem denkwürdigen Spiel gegen Straßburg das nächste Europa-League-Ticket und sorgt wieder einmal für emotionale Explosionen. Ante Rebic wird zum Brandbeschleuniger. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt zieht dank eines 3:0-Erfolgs im Play-off-Rückspiel gegen Racing Straßburg in die Gruppenphase der Europa League ein. Nach einem Eigentor von Stefan Mitrovic (27.) fliegen Ante Rebic (44. Minute) und Dimitri Lienard vom Platz (55.). Dann entscheiden Filip Kostic (60.) und Danny da Costa (66.) die Partie zugunsten der Hessen.

1. Alles dreht sich um Ante Rebic

Die wichtigste Frage im Vorfeld der Partie wurde rund 75 Minuten vor Anpfiff beantwortet: Ja, Ante Rebic stand eine Woche nach seinem viel diskutierten Lustlos-Auftritt von Straßburg wieder in der Eintracht-Startelf. Trotz aller Wechselgerüchte und teaminternen Probleme vertraute Trainer Adi Hütter auf seinen besten Stürmer und schickte Rebic von Beginn an auf den Platz. Eine Entscheidung, die er nicht bereuen sollte.

Rebic zeigte ab der ersten Sekunde, dass er zumindest an diesem Abend Lust auf die Eintracht und die Europa League hat und biss sich in jeden Zweikampf. Der Kroate kämpfte, der Kroate grätschte und der Kroate erzwang mit einer schönen Einzelleistung den Führungstreffer durch Straßburgs Abwehrchef Mitrovic. Kurz vor der Halbzeit war dann jedoch Feierabend. Nach einem harten Einsteigen gegen Gäste-Keeper Matz Sels zückte Schiedsrichter Orel Grindfeld zur großen Verwunderung der restlichen 47.000 anwesenden Personen die Rote Karte. Eine Fehlentscheidung, die den Abend von Rebic – und vielleicht sogar seine Zeit in Frankfurt – abrupt beendete.

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2. Das Spiel entwickelt sich zur Kneipenschlägerei

Die letzte Amtshandlung von Rebic war jedoch zugleich der Startschuss für einen Stimmungsausbruch der besonderen Art. Das ohnehin aufgeheizte Frankfurter Stadion wandelte sich innerhalb von Sekundenbruchteilen zu einem Hexenkessel ungeahnten Ausmaßes. Fans strömten kurzzeitig in den Innenraum, Sportdirektor Bruno Hübner sprintete wild gestikulierend in Richtung Eckfahne und wurde dafür auf die Tribüne verwiesen. Im Spielertunnel kam es zu Handgemengen zwischen Filip Kostic, einigen RC-Betreuern und Straßburgs Trainer Thierry Laurey.

"In der Halbzeit stand das Spiel kurz vor der kompletten Eskalation", fasste Vorstand Axel Hellmann später zusammen. Da der Unparteiische mit der Partie heillos überfordert war und insgesamt acht Karten zückte, war auch nach Wiederanpfiff zunächst nicht an Fußball zu denken. Nach beinahe jedem direkten Mann-gegen-Mann-Duell krümmte sich ein Spieler am Boden, beinahe minütlich kam es zu Rudelbildungen und nach einer Tätlichkeit von Lienard an Dominik Kohr zum nächsten Platzverweis. "Die Emotionen waren der Wahnsinn", resümierte Sportvorstand Fredi Bobic.

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3. Eintracht drückt und drückt und drückt

Während diese hochkochenden Emotionen die Gäste aus dem Elsass eher zu lähmen schienen, schaffte es die Eintracht, daraus positive Energie zu entwickeln. Selbst in zwischenzeitlicher Unterzahl griff das Team von Trainer Hütter geschlossen bereits in der gegnerischen Hälfte an und zwang die mitunter chancenlos wirkenden Straßburger immer wieder zu Fehlern. Hohes Gegenpressing im Spiel gegen den Ball, sehr mutige Offensive bei eigenem Ballbesitz. Die Eintracht hob den bereits in der vergangenen Saison praktizierten Vollgas-Fußball noch einmal auf ein neues Level.

Angetrieben von den beiden etatmäßigen Außenverteidigern Kostic und da Costa, die regelmäßig auf gleicher Höhe mit den Stürmern agierten und nicht zufällig jeweils ein Tor erzielten, schnürte die Eintracht Straßburg am eigenen Strafraum fest und gewann letztlich hoch verdient. "Ich bin immer noch sehr geflasht von einem grandiosen Fußballabend", so Coach Hütter. "Was die Jungs rausgehauen haben, war der Wahnsinn."

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4. Frankfurter Mentalitäts-Ungeheuer

Ob zu elft, zu zehnt, mit Rebic oder ohne: Die Eintracht ließ in keiner Sekunde Zweifel am Weiterkommen aufkommen und demonstrierte endlich wieder genau die mannschaftliche Geschlossenheit, die sie in der vergangenen Runde bis ins Europa-League-Halbfinale katapultiert hatte. Die möglichen Zerwürfnisse zwischen Rebic und dem Rest des Teams waren weder sicht- noch spürbar. Bis zu seinem Platzverweis zerriss sich Rebic fürs Team, danach das Team für Rebic. "Ante hat das Maximum gegeben, bis er die Rote Karte bekommen hat", unterstrich auch Torschütze Kostic.

Die Eintracht schaffte es im richtigen Moment, alle Nebengeräusche auszublenden und den sportlichen Erfolg wieder in den Fokus zu rücken. Der Ausfall von Kapitän Abraham: kein Problem. Spiel in Unterzahl: kein Problem. Nur wenige Alternativen auf der Bank: ebenfalls kein Problem. "Man hat gesehen, mit welchem Willen wir agiert haben", sagte Aggressive Leader Sebastian Rode. "Wir hatten immer alles unter Kontrolle." Dem ist nichts hinzuzufügen.

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5. Die nächste Europa-Reise steht an

Und so durfte nach aufregenden und anstrengenden 90 Minuten die zweite Europa-League-Teilnahme in Folge gefeiert werden. Im Verbund mit den Fans stimmte sich die Mannschaft singend und hüpfend auf die kommenden Monate und mindestens sechs weitere Spiele auf der großen internationalen Bühne ein. Die Lust in Stadt, Verein und Team auf Europa ist ungebrochen, die Europa League noch immer ein Sehnsuchtsort.

"Es gibt in ganz Europa kein Stadion, das eine solche Wucht entfesseln kann wie unsere Arena. Man merkt, dass in diesem Club eine besondere Europa-Leidenschaft herrscht", jubelte Vorstand Hellmann, der sowohl sportlich als auch ökonomisch einen enormen Push erwartet. Welche Gegner demnächst im Frankfurter Hexenkessel vorstellig werden, entscheidet sich am Freitag bei der Auslosung. "Wir sind zum zweiten Mal hintereinander in Europa", so Bobic. "Das ist für uns wie ein Doublegewinn."

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