Die Frankfurter Nordwestkurve

Die Frankfurter Fußball-Arena - das Zuhause von Eintracht Frankfurt - soll ausgebaut werden. Einer Initiative aus Fan-Vertretern gehen Verhandlungen und Planungen aber zu langsam voran. Unterstützt werden sie vom Oberbürgermeister höchstpersönlich.

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Dominik Ziegra
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Eine Stadionkapazität für insgesamt 60.000 Fans, ein Ausbau der Nordwestkurve auf 20.000 Stehplätze – und das Ganze besser heute als morgen in die Hand genommen: Die Frankfurter "Initiative Stadionausbau" drückt auf die Tube. Unter dem Motto "Eintracht für alle! Stehplatzausbau jetzt!" waren die Fan-Vertreter am Mittwoch zu einem Gespräch bei Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Im Gepäck: ein fünfseitiges Thesen- und Forderungspapier, in dem sie die Entscheidungsträger zu einem schnellen Handeln drängen.

"Bereits seit zwei Jahren sind unsere Wünsche zum Thema Stadionausbau in der Verwaltung und in der Politik bekannt. Doch passiert ist bisher wenig beziehungsweise nichts. Wir fragen uns: Warum?", heißt es in dem Schreiben, das kurz nach dem Besuch im Römer auch der Chefetage der Eintracht ausgehändigt wurde. Die Unterstützung von Oberbürgermeister Feldmann ist der Initiative sicher, doch in einem Alleingang wird das Stadtoberhaupt den Stadionausbau naturgemäß nicht vorantreiben können. "Wir wünschen uns auch von den restlichen Teilen der Stadtverwaltung und der Kommunalpolitik, dass sie sich der Sache annehmen. Und zwar unverzüglich", heißt es weiter.

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Die Initiative Stadionausbau setzt sich aus den Ultras Frankfurt, der Fanabteilung, dem Fanclubverband sowie der Fanorganisation Nordwestkurve e.V. zusammen. Nach eigenen Angaben vertritt sie die Interessen von rund 100.000 organisierten Eintracht-Fans. Die zentralen Forderungen: eine Erhöhung der Gesamtkapazität des Stadions auf 60.000 Plätze sowie allen voran ein Ausbau des Stehplatzbereiches in der Nordwestkurve auf 20.000 Stehplätze. "Das ist der Stadt Frankfurt und der Eintracht angemessen", sagt Initiativen-Sprecher Dominik Ziegra im Gespräch mit dem hr-sport.

Das Argument der Fans: Ein Fassungsvermögen von 60.000 Besuchern sorge für eine Verbindung zum früheren Waldstadion, in dem die Eintracht bis zum Ende des Umbaus im Jahr 2005 "historische Siege und bedeutungsvolle Momente" erlebt habe. "Lasst uns einen weiteren Teil dieser glorreichen Zeit in das Hier und Jetzt zurückholen", fordert die Initiative – hat aber weit mehr im Sinn als bloße Nostalgie.

Vertreter der Initiative Stadionausbau und OB Peter Feldmann

Einig sind sich Fan-Vertreter und Oberbürgermeister insbesondere darin, dass ein Stadionbesuch für jüngere und sozial schwächere Menschen wieder machbar sein müsse. Ein Umstand, der durch einen raschen Stehplatzausbau sowie eine gleichzeitige Deckelung der Eintrittspreise (zehn Euro für Erwachsene, fünf Euro für Kinder und Jugendliche) behoben werden könne.

"Seit 2005 besteht für sozial schwächere Fans faktisch keine Möglichkeit, an ein günstiges Ticket für ein Spiel zu kommen, da die Nordwestkurve seit Jahren weder neue Dauerkarten noch Tagestickets bieten kann", so die Initiative. "Es ist einfach nicht mehr hinnehmbar, dass Menschen unseren Verein aufgrund ihrer sozialen beziehungsweise finanziellen Situation nicht live im Stadion sehen können."

Wie könnte das Stadion nach dem Umbau aussehen?

Eine Haltung, die Feldmann unterstützt. "Ich will keine Entwicklung wie in England, wo es nur noch reiche Teilnehmer bei Sportereignissen gibt, die ein Wahnsinns-Geld bezahlen müssen. Da haben wir in Deutschland – speziell in Frankfurt – eine andere Kultur. Und das ist richtig gut so", sagte der Oberbürgermeister dem hr-sport. Seine Hoffnung: Bis Sommer sollen die kommunalen Verhandlungsführer und die der Eintracht eine Einigung erzielen. Wichtigster Streitpunkt ist die Finanzierung des Projekts. Allerdings: 2024, also in gerade einmal fünf Jahren, richtet der Deutsche Fußball-Bund die Europameisterschaft aus – und die Frankfurter Arena wird einer von zehn Spielorten sein.

Bleibt noch eine Frage: Wie könnte das Stadion, speziell die Nordwestkurve, nach dem Umbau aussehen? "Es gibt erste Modelle, dass der Oberrang der Kurve nach unten gezogen wird und dadurch mehr Platz entsteht", erläutert Initiativen-Sprecher Ziegra. Dafür müssten auf der mittleren Ebene der Tribüne mehrere Logen weichen. "Statt Sitzplätzen sollen dort Stehplätze entstehen. Gleichzeitig soll auch in der anderen Kurve ein Ausbau durch das Herunterziehen des Oberrangs erfolgen, sodass wir am Ende bei einer Kapazität von 60.000 Plätzen landen." Und das, geht es nach den Fan-Vertretern, lieber heute als morgen.