Fake-Fan Alvaro
Fake-Fan Alvaro vor dem falschen Ortsschild Bild © Instagram

Die Geschichte des Benfica-Fans, der versehentlich nach Frankfurt an der Oder fuhr, hat sich als Fake entpuppt. Unser Autor wäre um ein Haar auch darauf reingefallen.

Videobeitrag

Video

zum Video Highlights im Video: Eintracht nach magischer Nacht im Halbfinale

Ende des Videobeitrags

2017 waren die Fans des FC Reading elektrisiert. Ein neuer Stürmer, so hieß es, stünde kurz vor der Unterschrift. Die Statistiken des kamerunischen Bombers lasen sich großartig, 76 Tore hatte das Talent in 93 Spielen geschossen, nun war Yermas Dildo anscheinend bereit für den nächsten Schritt. Schrieb zumindest die News-Seite getreading.co.uk, andere Medien folgten. Dumm nur: Yermas Dildo war lediglich ein schlüpfriger Witz von ein paar Fans.

Die Online-Berichterstattung ist ein hektisches Metier, Zeitdruck quasi der Naturzustand. Umso froher ist man, wenn man eine außergewöhnliche Geschichte entdeckt, die die zahllosen anderen Kollegen noch nicht entdeckt haben. Eine Geschichte wie die des Benfica-Fans Alvaro, der zum Europa-League-Viertelfinale fuhr, 26 Stunden mit dem Auto, um sein Team gegen die Eintracht zu sehen. Dummerweise in Frankfurt an der Oder.

Da ist ein Portugiese tatsächlich nach Frankfurt (Oder) gefahren

Zumindest zeigte das ein Screenshot einer Instagram-Story, den ich auf Twitter sah. Ein Blick auf den Instagram-Account bestätigte mir: Da ist ein Portugiese tatsächlich nach Frankfurt an der Oder gefahren, knapp 600 Kilometer am Spielort vorbei. Großes Fan-Pech für den armen Kerl, großes Journalisten-Glück für mich, denn die Geschichte war natürlich super.

Zu super, leider. Ich schrieb Alvaro an, dass er im falschen Frankfurt gelandet sei, erzählte parallel den Kollegen aus Radio und Fernsehen von der Story, auf die ich per Zufall gestoßen war. Diverse Ausspielwege taten sich auf. Ein kleiner Online-Artikel, klar. Ein kleines Stück fürs Radio. Vielleicht wäre es ja  auch was fürs Fernsehen?

Navi falsch eingestellt?

Derweil schrieb Alvaro zurück, viele "no, no, no"s und dass das nicht sein könne. Ich fragte ihn nach Bildern aus Frankfurt an der Oder und wie es dazu gekommen sei. Wie passiert sowas? Navi falsch eingestellt? Diverse Videoanrufe meinerseits blieben unbeantwortet. Das Internet in Deutschland sei schlecht, so Alvaro. Das mag stimmen, skeptisch wurde ich dennoch.

Videobeitrag

Video

zum Video heimspiel! extra: Die Reise der Euro-Adler

Ende des Videobeitrags

Unterdessen verbreitete sich die Geschichte des portugiesischen Falschfahrers im Netz  in Windeseile. Erste Onlinemedien machten die Geschichte bereits ohne Zitate, nur Anhand der Bilder vom Instagram-Account. Der war allerdings erst wenige Tage zuvor erstellt worden. Dennoch: Ich war wieder hintendran und ärgerte mich. Dann, just als ich die Instagram-Bilder durch die Rückwärts-Bildersuche schicken wollte: Ein Videoanruf von Alvaro. Endlich. Ich nahm ab.

Alles ein Fake, ein Spaß

Und blickte in die lachenden Gesichter meiner ehemaligen Kollegen von 11FREUNDE, mit denen ich mir noch bis Ende Dezember das Büro geteilt hatte. Alles ein Fake, ein Spaß, mal gucken, wer drauf reinfällt, dann riss die Verbindung ab, das schlechte deutsche Internet eben.

Am Telefon wurden mir dann die Details erzählt, die die anderen Kollegen freilich nicht hatten und sich nach einem Tag voller Artikel und TV-Beträge über den vermeintlichen Benfica-Trottel erarbeiten mussten: Ein portugiesischer Schauspieler, ein Instagram-Account, diverse kleine Hinweise auf die Fälschung, ein wenig Medienkritik am rastlosen Wesen der Online-Berichterstattung.

Alvaro hat davon profitiert

Das hat geklappt. 11FREUNDE machte das Fake öffentlich, diverse Medien ruderten zurück. Immerhin: Alvaro, der eigentlich Marcelo Rodrigues heißt und als Schauspieler in Berlin lebt, hat von der Sache ordentlich profitiert. Seine Performance hat ihm eine kleine Rolle in dem neuen Film von Martin Scorcese eingebracht, über einen portugiesischen Immigranten an der Ostküste der USA. Er spielt dort an der Seite von Leonardo Di Caprio und Julia Roberts. Gedreht wird übrigens in Frankfort, Delaware. Vielleicht.