Luka Jovic
Frankfurts Luka Jovic Bild © Imago Images

Eintracht Frankfurt wirkt beim Unentschieden gegen Berlin müde, streitet fehlende Frische vor dem Chelsea-Kracher aber ab. Unsere Analyse in fünf Punkten zeigt: Ein großes spielerisches Manko liegt in der Offensive.

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Die Frankfurter Eintracht hat im Rennen um einen Champions-League-Platz gepatzt und geht ohne Erfolgserlebnis im Rücken in den Europa-League-Kracher gegen den FC Chelsea am Donnerstag (21 Uhr). Der Pokalsieger kam am 31. Spieltag der Fußball-Bundesliga nicht über ein 0:0 gegen Hertha BSC hinaus. Der Berliner Lukas Klünter sah die Gelb-Rote Karte (80. Spielminute).

Fehlpässe en masse

Nein, es war weder ein gutes noch ein unterhaltsames Bundesliga-Match. Das sah auch Frankfurts Trainer Adi Hütter so, der in der Bewertung seiner Mannschaft das Wort "unrund" verwendete: "Ich hatte nie das Gefühl, dass wir das Spiel in der Hand gehabt hätten. Wir haben zu viele einfache Fehler gemacht." In der Tat.

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Allen voran die ungewohnte – und für viele Fans haarsträubende – Anhäufung von Fehlpässen nahm der Eintracht am Samstagnachmittag jeglichen Spielfluss. 105 von 339 Zuspielen landeten nicht beim Mitspieler, sondern beim Gegner. Das macht eine Fehlpassquote von fast 31 Prozent. Zum Vergleich: Bei der Hertha waren es knapp 22 Prozent. Kein Wunder, möchte man alleine beim Blick auf diese Statistik sagen, dass die Partie torlos endete.

Keine Ideen – und kein Leuchtturm

Denn wer den Ball nicht hat – oder ihn zu oft herschenkt – dem sind früher oder später auch in puncto Offensivspiel die Füße gebunden. Insbesondere die Anfangsviertelstunde gestaltete sich aus hessischer Sicht überaus zäh, weil das Hütter-Team die Angriffswucht der vergangenen Monate vermissen ließ und spielerisch keine Ideen entwickelte. Bis zur ersten Chance durch Ante Rebic vergingen 22 Minuten – dann aber hatten die Frankfurter ihre beste Phase, in der erneut Rebic (32.) sowie Jonathan de Guzmán (34.) scheiterten.

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REUTERSHAHN IM HEIMSPIEL!

Eintracht-Co-Trainer Armin Reutershahn ist am Montagabend zu Gast im heimspiel! des hr-fernsehens. Die Sendung startet um 23.15 Uhr.

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Und sonst? Suchte der Europapokal-Halbfinalist sein Glück in langen und hohen Bällen nach vorne, was aber aus gleich zwei Gründen wenig bis gar nicht funktionierte. Zum einen waren die Zuspiele in die Spitze wegen des regendurchnässten Rasens schwer zu kontrollieren. Zum anderen fehlte der 1,90 Meter große Leuchtturm Sébastien Haller (Bauchmuskelverletzung), der in diesem Workflow normalerweise für Ballsicherung und -weitergabe zuständig ist. Wer jetzt noch bedenkt, dass Rebic im Hinspiel gegen Chelsea gelbgesperrt ausfallen wird, der kommt schnell zu dem Schluss: Der Eintracht gehen die Optionen aus – ausgerechnet im Prunkstück Offensive, ausgerechnet in der entscheidenden Saisonphase.

Schwierige Suche nach Erklärungen

0:0 gegen Berlin. Den Tabellenelften. Als Europacup-Anwärter mit Champions-League-Träumen. Das schmeckte nach dem Abpfiff niemandem, der ein Trikot mit dem Adler auf der Brust trug. Leicht zu analysieren war das dritte Punktspiel in Folge ohne Sieg allerdings auch nicht. "Ich kann es nicht erklären", sagte Makoto Hasebe: "In der ersten Halbzeit hatten wir keine Leidenschaft." Torhüter Kevin Trapp, der in der Schlussphase die beste Berliner Chance durch Per Skjelbred vereitelte (90.) und seinem Team das Unentschieden rettete, fasste enttäuscht zusammen: "Zu Hause gegen so eine Mannschaft zu spielen, die nichts mehr zu gewinnen und zu verlieren hat, ist schade und traurig."

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Martin Hinteregger im Spiel gegen Hertha BSC

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hinteregger: "Mehr hatten wir nicht verdient"

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Am exaktesten – und zudem bemerkenswert selbstkritisch – äußerte sich Rückkehrer Martin Hinteregger: "Wir haben enorm viele technische Fehler gemacht. Vor allem im Spielaufbau, auch ich. Ich habe mir im Spiel mal kurz gedacht: 'Wer bist du? Spiel mal wieder ordentlich.'" Ein Problem der mentalen Frische? Der Müdigkeit?

Müde? Wieso müde?

Klare Antwort der Frankfurter Profis: nein. Von Müdigkeit will nach dem 20. Pflichtspiel innerhalb von gut drei Monaten niemand etwas wissen. "Wir haben noch genug Kraft, um den Spielen unseren Stempel aufzudrücken", versicherte Danny da Costa. "Die Kraft war da, wir haben richtig Meter gemacht", pflichtete Hinteregger bei. Fakt ist aber auch: In nur wenigen Tagen steht der Eintracht der nächste Kraftakt ins Haus.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Trapp: "Müssen uns voll dem hingeben"

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Am Donnerstag soll alles anders werden

Mit dem FC Chelsea kommt eine Mannschaft in die Arena im Stadtwald, die den anstrengenden Tanz auf mehreren Hochzeiten als englischer Top-Club seit Jahren gewohnt ist. Frankfurts Trainer Hütter weiß: Die Leistung aus dem Hertha-Spiel wird gegen den Tabellenvierten der Premier League nicht reichen, am Donnerstag wird sich seine Mannschaft allerdings auch ganz anders präsentieren.

Zu speziell ist die Angelegenheit Europa-League-Halbfinale, zu groß der Push durch die Unterstützung der eigenen Fans. Die Aufarbeitung der Knackpunkte des jüngsten Bundesliga-Alltags (Fehlpässe, keine offensive Kreativität) wird bis dahin die Trainingsarbeit bestimmen. Eine gelungene Generalprobe sieht schließlich anders aus.

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EINTRACHT FRANKFURT - HERTHA BSC 0:0

Frankfurt: Trapp - Abraham, Hasebe, Hinteregger - Fernandes (46. Torro), Rode (62. Willems) - da Costa, Kostic - de Guzman (77. Paciencia) - Jovic, Rebic

Berlin: Jarstein - Plattenhardt, Rekik, Lustenberger, Klünter - Skjelbred, Mittelstädt - Kalou, Duda (79. Leckie), Lazaro (70. Dilrosun) - Ibisevic (64. Selke)     

Gelbe Karten: - / Plattenhardt, Lustenberger, Duda

Gelb Rot: Klünter (80.) 

Schiedsrichter: Jablonski (Bremen)    

Zuschauer: 51.500 (ausverkauft)     

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