Eintracht-Fans bringen Protestplakate an

Fan-Proteste, Unterbrechungen, Spielabbruch: Die Liste der möglichen Szenarien beim Pokalspiel von Eintracht Frankfurt gegen Werder Bremen ist lang. Im schlimmsten Fall entscheidet das Sportgericht über den Halbfinal-Einzug.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hopp-Anfeindungen: Es drohen ungemütliche Pokalspiele

Proteste gegen Dietmar Hopp in der Eintracht-Kurve im Jahr 2010
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Vor dem DFB-Pokal-Viertelfinale zwischen Eintracht Frankfurt und Werder Bremen am Mittwoch (20.45 Uhr) wird die sportliche Brisanz weiter von den möglichen Fanprotesten überlagert. Sollte es nach den Vorkommnissen am Bundesliga-Wochenende auch im Pokal zu Spielunterbrechungen wegen Beleidigungen oder Schmähplakaten kommen, könnte das weitreichende Folgen haben. Das ist der Stand der Dinge:

Planen die Eintracht-Fans einen Protest?

Nach hr-Informationen: ja. Art, Form und Zeitpunkt sind zwar nicht bekannt, auch die Eintracht-Fans wollen sich aber gegen die Rückkehr der Kollektivstrafe wehren. Ob sie dabei wie die Anhänger des FC Bayern, von Gladbach, Union Berlin und Dortmund ebenfalls Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp ins Visier nehmen, ist unklar. Eine offizielle Stellungnahme der Fans gab es am Dienstag auf Anfrage nicht.

"Ich erwarte von unseren Fans, dass sie uns zu 100 Prozent unterstützen", versuchte Trainer Adi Hütter den Fokus aufs Sportliche zu legen. "Persönliche Beleidigungen haben auf dem Fußballplatz nichts zu suchen." Dass sein Wunsch in Erfüllung geht, ist zweifelhaft.

Wie sieht das bei den Werder-Fans aus?

Ganz ähnlich. Die Werder-Verantwortlichen erinnerten vor der Abreise in Richtung Frankfurt an die gute Kinderstube und appellierten an einen skandalfreien Protest. "Unsere Fans sind auch kritisch und haben ihre Punkte, gegen die sie protestieren. In den allermeisten Fällen geschieht das aber auf eine sehr vernünftige Art und Weise", sagte Bremens Sportchef Frank Baumann. Ein Plakat mit Hopp im Fadenkreuz könne er sich "beim besten Willen nicht vorstellen". Heißt: Auch die Bremer Anhänger wollen und werden sich äußern. Wie der Protest aussieht, bleibt abzuwarten.   

Was passiert bei Protesten?

Erst einmal nichts. Proteste sind, der freien Meinungsäußerung sei Dank, nicht verboten. Sollten die beiden Fankurven ihrem Unmut über den DFB, die von der DFL gesteuerte Zerstückelung der Spieltage oder sonstige Themen konstruktiv und ohne Beleidigungen Ausdruck verleihen, könnte es 90 (oder mehr) Minuten genau das geben, was wohl alle Beteiligten am liebsten haben: ehrlichen Fußball.

Was passiert bei Diskriminierung oder Gewaltandrohungen?

Dann greift der vielzitierte Drei-Stufen-Plan des DFB. Beim ersten Verstoß gibt es eine Durchsage vom Stadionsprecher, danach eine Spielunterbrechung, als letztes Mittel kommt es zum Spielabbruch. "Wir können nicht länger wegschauen", kommentierte DFB-Präsident Fritz Keller die von UEFA und FIFA schon vor Jahren eingeführten Maßnahmen.

Dass es bei der Auslegung der Unterschiede von Kritik und Diskriminierung jedoch zu Problemen kommen kann, zeigte zuletzt das Heimspiel von Union Berlin gegen den VfL Wolfsburg. Dort reichte bereits ein Plakat mit der Aufschrift: "2017 Kollektivstrafen abgeschafft. Nun Hopp hofiert und zwei Schritte zurückgemacht. F... dich, DFB" für Stufe eins. Eine mehr als fragwürdige Entscheidung des Schiedsrichters, wie nicht nur Union-Manager Oliver Ruhnert anmerkte: "Dann muss ich demnächst jedes Spiel unterbrechen. Das sehe ich kritisch."

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Wer gewinnt bei Spielabbruch?

Dieser Fall ist in der offiziellen Rechts- und Verfahrensordnung des DFB eindeutig geklärt: "Trifft eine Mannschaft […] ein Verschulden an dem Spielabbruch, ist das Spiel dem […] Schuldigen mit 0:2-Toren für verloren, dem Unschuldigen mit 2:0-Toren für gewonnen zu werten", heißt es in Paragraph 18. Angewendet auf das Pokalspiel bedeutet das: Provozieren die Eintracht-Fans ein vorzeitiges Ende der Partie, steht Bremen im Halbfinale. Sorgen die Bremer Anhänger für das Erreichen der dritten Stufe, ziehen die Hessen in die nächste Runde ein.

Gleiches gilt, wenn sich eines der Teams dazu entschließt, den Platz zu verlassen. Dann gewinnt die Mannschaft, die auf dem Rasen bleibt.

Was passiert, wenn der Abbruch von beiden Teams provoziert wird?

Auch dazu geben die DFB-Regelbücher gerne Auskunft. Die oben genannte Anordnung gilt nämlich unabhängig von der Anzahl der Abbruch-Verursacher. Heißt: Sollten beide Teams ein vorzeitiges Spielende provozieren, hätten beide Teams verloren. Eine logische Folgerung, die in der Bundesliga möglich, im DFB-Pokal jedoch faktisch nicht praktikabel ist. Problem: Eine Lösung für diesen Fall sehen die Statuten nicht vor.

"Der Schiedsrichter entscheidet nur über den Abbruch eines Spiels. Danach ist das Sportgericht verantwortlich", kommentiert DFB-Lehrwart Lutz Wagner im Gespräch mit dem hr-sport.

Dort heißt es vom Obersten DFB-Richter Hans E. Lorenz: "In diesem extrem unwahrscheinlichen Fall würde sich das Sportgericht damit auseinandersetzen. Das ist eine Einzelfallentscheidung." Heißt: Sollten beide Fanlager gleichzeitig und auf die gleiche Art und Weise protestieren oder beide Teams gleichzeitig den Rasen verlassen, fällt die Entscheidung über den Halbfinal-Einzug am Grünen Tisch. Ein Szenario, das wohl niemand will.

Was sagt der DFB?

Der DFB veröffentlichte am Dienstag eine ausführliche Stellungnahme. Ein Zusammenstellung der wichtigsten Aussagen: "Die DFB-Haltung ist eindeutig: Wir dulden in unseren Stadien keine personifizierten Gewaltandrohungen oder gar Diskriminierungen. Diese Regelung schützt alle! Der DFB ist durchaus kritikfähig und lässt auch Kritik im Stadion zu. Nicht tolerieren können wir personifizierte Gewaltandrohungen und erst recht kein diskriminierendes Verhalten. Die Entscheidung zu einer Spielunterbrechung oder eines Spielabbruchs liegt beim Schiedsrichter. Würde eine Mannschaft also ohne Absprache mit dem Schiedsrichter das Spielfeld verlassen, riskiert sie, dass die Partie unter Umständen gegen sie gewertet wird."