Haris Seferovic und Joao Felix
Haris Seferovic und Joao Felix bejubeln ein Tor Bild © Imago Images

Wenn Eintracht Frankfurt am Donnerstag auf Benfica Lissabon trifft, müssen die Hessen gegen eine goldene Generation antreten, angeführt von Europas größtem Talent – und einem Ex-Eintrachtler. Die Portugiesen im Teamcheck.

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Eine Handvoll Kilometer südlich des Stadtzentrums, 20 Minuten mit der Fähre, liegt Benficas Goldmine. In dem kleinen Örtchen Seixal, einen Steinwurf vom Rio Tejo entfernt, steht der Caixa Futebol Campus des portugiesischen Rekordmeisters. Eröffnet im Jahre 2006 wirkt das Gebäude von außen wie ein x-beliebiger Bürokomplex. Nur wenig deutet daraufhin, dass hier die vielleicht beste Jugendarbeit des Kontinents geleistet wird.

"Bis zur Eröffnung 2006 galt der Rivale Sporting Lissabon als Vorzeigeverein in Sachen Jugendarbeit", sagt Benfica-Experte Markus Horn. Der Offenbacher hat das Buch "111 Gründe, Benfica Lissabon zu lieben!" geschrieben und fliegt zu jedem Heimspiel, wenige Deutsche kennen den Klub so gut wie er. "Das lag nicht zuletzt an Spielern wie Nani oder Cristiano Ronaldo. Aber seit 2006 hat sich das gedreht."

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"Das Potential zum neuen Cristiano Ronaldo hat er"

Glaubt man Horn und den Einschätzungen von Experten in ganz Europa, kommt der neue Cristiano Ronaldo nämlich aus der Akademie in Seixal. Joao Felix, 19 Jahre junge Hängende Spitze Benficas, erinnert nicht nur wegen seiner Zahnspange und der hageren Figur an den frühen CR7, sondern auch wegen seines überbordenden Talents. "Er ist flink, hat ein enormes Spielverständnis und ist für sein Alter schon erstaunlich reif", so Horn. "Das Potential zum neuen Cristiano Ronaldo hat er."

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Das sehen auch diverse Sportdirektoren europäischer Spitzenvereine so. Felix dürfte einer der wenigen Jungstars Europas sein, der aktuell vielleicht noch begehrter ist als Frankfurts Luka Jovic. Juventus Turin und Manchester City sollen bereit sein, die Ausstiegsklausel von 120 Millionen Euro zu aktivieren, den Bayern wird ebenfalls gesteigertes Interesse nachgesagt. Kein Wunder: Joao Felix debütierte bereits mit 16 Jahren in Benficas Reservemannschaft in der Zweiten Liga, in seiner ersten Saison in Benficas erster Mannschaft kommt er nun bereits auf zehn Tore und fünf Vorlagen. "Er ist richtiggehend explodiert", so Horn über Felix, der als Jugendlicher noch vom FC Porto aussortiert wurde, weil er zu schmächtig war.

"Sie haben das Potential zur Weltklasse."

Felix ist in der aktuellen Benfica-Mannschaft das Ausnahmetalent unter Ausnahmetalenten, im Kader stehen gleich sechs Stammspieler unter 21 Jahren, die aus der Akademie kommen. Neben Felix sind das Ferro und Ruben Dias in der Innenverteidigung, Florentino im defensiven Mittelfeld, Gedson Fernandes im zentralen Mittelfeld und Jota auf Linkaußen, der im Sommer 2018 erst Torschützenkönig der U19-EM wurde. Auch hier stehen Europas Spitzenklubs Schlange, vor allem Ruben Dias und Ferro traut Horn eine Weltkarriere zu: "Sie haben das Potential zur Weltklasse."

Dass das Sextett aus der Akademie so durchstartet, hat auch viel mit dem Trainerwechsel im Januar zu tun, als Bruno Lage auf den langjährigen Cheftrainer Rui Vitória folgte. Lage war zuvor Coach der Reservemannschaft, er kennt die Talente dementsprechend in- und auswendig. Und scheut sich nicht, die Nachwuchskräfte auch einzusetzen. Davon profitiert auch ein alter Bekannter der Eintracht, Haris Seferovic, der vor allem mit seinem neuen Sturmpartner Felix so gut harmoniert, dass der Schweizer mittlerweile der Top-Torjäger der Portugiesischen Liga ist.

Toptorjäger Haris Seferovic

Und das, so Horn, "obwohl Seferovic vor der Saison auf dem Abstellgleis stand." Im Sturm war der Brasilianer Jonas gesetzt, der in der vorigen Saison noch mit 34 Toren Torschützenkönig geworden war. Dessen Verletzungsanfälligkeit sowie zwei Transferflops Benficas machten Seferovic aber plötzlich vom Stürmer Nummer vier zum Stammspieler. "Auf einmal stand Seferovic wieder im Sturm und harmonierte unglaublich gut mit Joao Felix. Seferovic ist auch bei den Fans unheimlich beliebt, er ist ein Kampschwein, ein Wühler", so Horn. Die Anhänger Benficas nennen den Ex-Eintrachtler liebevoll "Korkenzieher", weil er mit seiner wuchtigen Art die gegnerische Abwehr öffnen kann. 18 Saisontore stehen für Seferovic derzeit zu Buche.

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Die große Stärke Benficas ist aber zugleich auch die große Schwäche. Bei Benfica ist es Teil des Geschäftsmodells, Talente zu Profis auszubilden, um sie später teuer zu verkaufen. Renato Sanches, Bernardo Silva, Ederson: die Liste ist lang. Allein zwischen 2011 und 2019 erlöste der Klub so 290 Millionen Euro. Eine Mannschaft voller Talente bedingt aber eine gewisse Unkonstanz: "Die Mannschaft ist extrem launisch", so Horn. "An einem guten Tag kann sie jeden Gegner an die Wand spielen. An einem schlechten Tag gegen jeden verlieren." Vor allem gegen selbstbewusste Gegner macht sich das bemerkbar: "Unter Druck werden sie wackelig. Wenn ein Gegner selbstbewusst auftritt, führt das zu Problemen", so Horn.

Die Launische Diva vom Rio Tejo

Die Launische Diva vom Rio Tejo also, die ebenfalls einen Adler im Wappen und einen begehrten Jungstar in ihren Reihen hat. Trotz aller Parallelen kann aber nur ein Adler-Team ins Halbfinale einziehen. Horn sieht zwei Mannschaften auf Augenhöhe. Der Eintracht könnte allerdings in die Karten spielen, dass der Meisterschaftskampf bei Benfica Priorität hat. "Die Europa League wird nicht auf die leichte Schulter genommen, aber nachdem Porto letztes Jahr Meister wurde, muss der Titel zurück", so Horn. Für Joao Felix könnte es die einzige Möglichkeit auf eine Meisterschaft mit Benfica sein, nicht unwahrscheinlich, dass er sich schon im Sommer höheren Aufgaben zuwendet. Sorge hat man bei Benfica deswegen nicht. Aus der Goldmine in Seixal wird sicherlich bald das nächste Ausnahmetalent kommen.