Naohiro Takahara gegen Fenerbahce

Eine reiche Historie, Mesut Özil in der Offensive und Jay-Jay Okocha als Legende: Mit Fenerbahce Istanbul kommt ein richtig interessanter Gegner zu Eintracht Frankfurt.

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Auftakt in der Europa League für Eintracht Frankfurt. Mit Fenerbahce Istanbul kommt am Donnerstag (21 Uhr) direkt ein schwerer Gegner, den die Hessen noch aus einem früheren Europacup-Duell in Erinnerung haben dürften.

Die Geschichte

Bisschen Geheimniskrämerei gefällig? Gern: Weil Sultan Abdülhamid II. in grauer Vorzeit die Gründung von Vereinen untersagt hatte, gründeten vier Männer Fenerbahce 1907 im wahrsten Wortsinne im Geheimen. Erst ein Jahr später konnte sich Fener nach einer offiziellen Gesetzesänderung als Verein registrieren lassen und tat das als erster Klub der Türkei. Das Wappen Fenerbahces wurde übrigens 1910 vom Spieler Topuz Hikmet entworfen und hat bis heute Gültigkeit. Nicht die uninteressanteste Frühgeschichte.

Darüber hinaus ist der Klub aus dem Stadtteil Kadiköy Gründungsmitglied und erster Meister der 1959 gegründeten Süper Lig und neben Besiktas und Galatasaray der einzige Klub, der noch nie aus der höchsten Spielklasse absteigen musste. Diese drei Istanbuler Großklubs sind auch die Vereine, die die Meisterschaft meist unter sich ausmachen, mit Trabzonspor, Bursaspor und Basaksehir konnten bislang lediglich drei andere Teams den Titel für sich reklamieren. Fenerbahe, Spitzname: Sarı Kanaryalar, die gelben Kanarienvögel, liegt mit 19 gewonnenen Süper-Lig-Titeln knapp hinter Galatasaray.

Zudem kann der Klub auf eine glorreiche europäische Tradition zurückblicken. Als erster türkischer Klub gewann Fener 1967 nämlich einen europäischen Wettbewerb. Wenngleich "nur" den Balkanpokal, einen Cup für südosteuropäische Mannschaften, der zwischen 1961 und 1994 ausgetragen wurde. Für den ganz großen europäischen Wurf hat es indes noch nicht gereicht.

Der Trainer

Wer hierzulande ein Herz für Chaosklubs hat, der wird mit dem Namen Vitor Pereira eventuell etwas anfangen können. Pereira schaffte schließlich das Kunststück, nach Meistertiteln mit dem FC Porto (2012, 2013) oder auch dem Double-Sieg mit Olympiakos Piräus (2015) 2017 beim TSV 1860 München anzuheuern und aus der zweiten Liga abzusteigen. Ein erstaunlicher Karriereweg, der Pereira anschließend nach China führte (Meister mit Shanghai 2018) und 2021 wieder zu Fenerbahce, die er bereits in der Saison 2015/16 trainiert hatte. In Saudi-Arabien war er übrigens auch schon, der Mann scheint gerne zu reisen.

Dass er 2016 Fener als Unvollendeter verließ – er wurde damals "nur" Vizemeister -, ist auch der Grund, warum er wieder da ist. "Ich wusste, dass ich hier noch etwas zu erledigen hatte", sagte er im Sommer anlässlich des erneuten Engagements. Nun soll es also die Meisterschaft sein, auf die Fener seit 2014 wartet. Seinen Spielstil bezeichnet er als "offensiv, torreich und dominant", am liebsten lässt er im 3-4-3 spielen. Bislang mit Erfolg, aus den ersten vier Fener-Spielen holte Pereira zehn Punkte.

Die Mannschaft

Der eine oder andere bekannte Name wird am Donnerstag auf dem Videowürfel der Eintracht auftauchen, wenn die Aufstellung von Fener gezeigt wird. Im defensiven Mittelfeld etwa hält niemand geringeres als der ehemalige Bayern-Sechser Luiz Gustavo den Laden zusammen, für die offensiven Glanzlichter ist Mesut Özil verantwortlich. Auch der Ex-Schalker Max Meyer und das ehemalige Bayern-Talent Jose Sosa stehen bei Fener unter Vertrag, ebenso wie Ex-Lilie Serdar Dursun. Dursun ist allerdings aktuell verletzt und kann nicht mitwirken.

Für Eintracht-Trainer Oliver Glasner, der das Spiel wegen einer Sperre verpassen wird, kommt es derweil zum Wiedersehen mit Marcel Tisserand, den er einst bei Wolfsburg aussortierte. Ob die Mannschaft tatsächlich besser ist als bei seinem ersten Engagement 2016, wie Pereira behauptete, bleibt zunächst abzuwarten. Sie hat auf jeden Fall eine Menge Erfahrung.

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Schnittmengen mit der Eintracht

Fenerbahce im Europacup, da war doch was? Genau, bereits in der Saison 2006/07, damals hieß der Wettbewerb noch Uefa-Cup, trafen die Hessen auf Fener und spielten am letzten Gruppenspieltag im Dezember um nicht weniger als den Einzug in die K.o.-Runde. Und das sah lange gut aus, Naohiro Takahara brachte die Eintracht mit 2:0 in Führung, die Hessen gaben die Partie aber in der letzten halben Stunde noch aus der Hand – das 2:2-Unentschieden reichte nicht zum Weiterkommen.

Sportlich ist man sich in einem Pflichtspiel erst ein einziges Mal begegnet, vom Verhandlungstisch kennt man sich aber etwas länger. Bekanntester Transfer zwischen den beiden Klubs dürfte Jay-Jay Okocha sein, der die Hessen nach dem Abstieg 1996 verließ und anschließend zwei Jahre bei Fenerbahce spielte. Anlässlich des Wechsels gab es damals auch ein Freundschaftsspiel im Waldstadion. Okocha nahm bei Fener sogar die türkische Staatsbürgerschaft an, sein türkischer Name ist Muhammed Yavuz, 1998 kaufte ihn Paris St. Germain für 22 Millionen Mark.

Bereits 1973 verkaufte die Eintracht den türkischen Nationalspieler Ender Konca an Fener, zuletzt wurde Simon Falette 2020 an Fenerbahce verliehen, ein Wechsel von Marco Fabian platzte 2018 spektakulär beim Medizincheck. Mit Christoph Daum und Friedel Rausch waren auch zwei Trainer für beide Klubs tätig, Rausch zog es 1980 nach dem Gewinn des Uefa-Cups in die Türkei. Hin und her ging es derweil in den Neunzigern für Erol Bulut: Aus der zweiten Mannschaft der Hessen ging es 1995 zu Fener, 1999 dann zurück zur Eintracht.

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