Eintracht Frankfurt Jubel Salzburg

Eintracht Frankfurt setzt gegen Salzburg auf und neben dem Platz ein Ausrufezeichen und zeigt dank Daichi Kamada wieder sein Europa-League-Gesicht. Schönheitsfehler und beeindruckende Schweigeminute inklusive. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht gegen Salzburg
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Eintracht Frankfurt gewinnt das Hinspiel der Europa-League-Zwischenrunde mit 4:1 (2:0) gegen Champions-League-Absteiger RB Salzburg und erarbeitet sich eine hervorragende Ausgangslage für das Rückspiel. Daichi Kamada (12./43./53.) und Filip Kostic (56.) treffen für die Hessen, ein verwandelter Elfmeter von Hee-Chan Hwang (85.) sorgt für Spannung.

1. Das Wunderkerzen-Gate

Bevor am Donnerstag der Ball rollen konnte, gab es zunächst noch etwas dicke Luft. Da die UEFA den Frankfurter Fans eine von Stadt, Feuerwehr und Polizei genehmigte Choreo aufgrund des geplanten Einsatzes von Wunderkerzen untersagt hatte, trat Vorstand Axel Hellmann vor die Mikrofone und ging passend zum später folgenden Spiel direkt in den Angriffsmodus. "Wir können das nicht nachvollziehen. Das ist ein Schlag ins Gesicht", formulierte er seine, wie er selbst sagte, "deutliche Kritik" an der "weltfremden Entscheidungsfindung".

Seine Argumentation: Während der europäische Fußballverband die erheblichen Sicherheitsrisiken für "Fans, Offizielle und Journalisten" beim Auswärtsspiel gegen Lazio Rom in die Verantwortung der italienischen Behörden legte und keinen Anlass zum Eingreifen sah, werden in Frankfurt Wunderkerzen zum Sicherheitsrisiko hochgejazzt. "Das geht gegen Fans, gegen Fankultur und damit gegen den Fußball", so Hellmann. Eine offizielle Beschwerde wurde bereits eingereicht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hellmann über Choreo-Absage: "Kann Entscheidung nicht verstehen"

Axel Hellmann
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2. Das Eintracht-Europa-Gesicht

Für deutlich bessere Laune sorgte dann das Geschehen auf dem Platz. Nur sechs Tage nach der 0:4-Klatsche in Dortmund zeigte sich die Eintracht wieder einmal wie verwandelt und zeigte ihr schönstes Topspiel-Gesicht. Das bereits gegen RB Leipzig praktizierte 4-3-3-System mit Stefan Ilsanker in der Innenverteidigung und Makoto Hasebe als Dirigent auf der Sechs funktionierte perfekt. Hinten kompromisslos, vorne mit viel Tempo, dazu zwei ständig marschierende Außenverteidiger. Die Eintracht, die lediglich in der Anfangsphase kurz wackelte, ließ Salzburg keine Luft zum Atmen.

"Wir haben heute Stressfußball gespielt", formulierte Sportdirektor Bruno Hübner die aggressive Herangehensweise. Die Eintracht provozierte Ballgewinne, die Eintracht schaltete schnell um. Die Eintracht tat all das, was sie beim BVB vor rund einer Woche nicht getan hatte. "Donnerstagabend ist eben Eintracht-Abend", versuchte Hübner die nicht erklärbaren Leistungsschwankungen zu erklären. Trainer Adi Hütter fügte an: "Die Europa League wird hier eben gelebt, das gibt uns noch mal zehn Prozent mehr." Die Eintracht und Europa. Tatsächlich Liebe.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found PK nach dem Spiel mit Adi Hütter

Adi Hütter und Stefan Ilsanker herzen sich nach dem Sieg über Salzburg.
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3. Das Kamada-Phänomen

Eine ganz besondere Beziehung zur Europa League pflegt auch Daichi Kamada. Der Japaner, der erst zum zweiten Mal in diesem Jahr in der Startelf stand, avancierte auf internationalem Terrain bereits zum zweiten Mal in dieser Spielzeit zum Matchwinner. Nach seinem Doppelpack beim FC Arsenal Ende November traf er gegen den österreichischen Serienmeister gleich dreifach und schraubte sein internationales Torekonto damit auf sechs. "Er hat uns heute den Weg zum Sieg geebnet", fasste Trainer Hütter Kamadas Abend nüchtern zusammen.

Ein eiskalter Tunnel zum 1:0, ein Sololauf plus Lupfer zum 2:0, ein Kopfball zum 3:0: Kamada bewies eindrucksvoll, dass er eigentlich alle Fähigkeiten besitzt, um die Frankfurter Offensive dauerhaft zu beleben. Warum ihm das jedoch nur auf der großen europäischen Bühne gelingt, bleibt sein Geheimnis. In der Bundesliga, auch das ist ein nur schwer erklärbares Phänomen und Abbild der Eintracht, tut sich der 23-Jährige sehr schwer. Seine Ausbeute dort: null Treffer. "Er kann immer den Unterschied ausmachen", lobte Hübner. Einziges Problem: Er tut es nur in Europa.

4. Ausgangslage mit Schönheitsfehler

Zur ganzen Wahrheit des Abends gehört jedoch auch dazu, dass RB Salzburg die namhaften Abgänge von Erling Haaland und Takumi Minamino nicht verkraftet hat und mit dem RB Salzburg, das vor wenigen Monaten dem FC Liverpool und dem SSC Neapel das Fürchten lehrte, nicht mehr viel gemeinsam hat. Das Team des US-amerikanischen Trainers Jesse Marsch enttäuschte beim Gastspiel in Frankfurt auf ganzer Linie und hätte noch deutlich höher verlieren müssen.

Da Sebastian Rode (62.) und Goncalo Paciencia (78.) aber beste Chancen zum 5:0 liegenließen und Hwang in der Schlussphase einen zumindest zweifelhaften Foulelfmeter verwandelte (85.), darf die Eintracht die Achtelfinal-Korken noch nicht knallen lassen. Die Ausgangslage ist zwar weiter sehr gut und wohl besser als erwartet, eine 0:3-Pleite bei den heimstarken Salzburgern scheint aber auch nicht unmöglich. "Wir sind auf keinen Fall schon durch", warnte dann auch Hütter vor vorzeitiger Feierlaune. "Wir brauchen noch einmal so eine Leistung wie heute." Und wohl einfach ein eigenes Tor.

5. Eintracht-Fans mit beeindruckendem Statement

Die mit Abstand wichtigsten Szenen ereigneten sich am Donnerstag jedoch schon vor dem Spiel. Nicht einmal 24 Stunden nach den tödlichen Schüssen im benachbarten Hanau setzten Verein und Fans ein deutliches Zeichen gegen Rassismus. Das Team spielte mit Trauerflor, im Fanblock hing eine große Beileids- und Trauerbekundung.

Als es während der Schweigeminute dann zu einigen störenden Zwischenrufen aus dem Salzburger Block kam, gab es zunächst ein gellendes Pfeifkonzert, ehe sich das komplette Stadion erhob und die beiden entscheidenden Worte des Tages skandierte: "Nazis raus!"