Ex-Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel musste nach dem späten Ausgleichstreffer schlucken.

15 Jahre liegt das legendäre Spiel von Eintracht Frankfurt bei Fenerbahce Istanbul zurück. Vor dem erneuten Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften blickten drei Protagonisten auf die damalige Partie zurück: Friedhelm Funkel, Michael Fink und Marko Rehmer.

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Die Rückkehr in den Hexenkessel

Fans von Fenerbahce Istanbul im Stadion
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Am 13. Dezember 2006 ging es in der Europa League für Eintracht Frankfurt in einer äußerst schwierigen Gruppe mit starken Teams aus Italien (US Palermo), Spanien (Celta Vigo) und England (Newcastle United) am letzten Spieltag zum wohl härtesten Herausforderer: Fenerbahce Istanbul. Der Modus war damals noch ein anderer. Es gab vier Partien, jeweils zwei Heim- und Auswärtsspiele. Drei der fünf Gruppenteilnehmer kamen weiter und die Ausgangslage war klar: Die Eintracht benötigte einen Sieg, Fenerbahce reichte ein Remis.

Rehmer erinnert sich an "geile" Stimmung zurück

Dementsprechend aufgeladen war die Stimmung schon weit vor Anpfiff. Marko Rehmer, zu diesem Zeitpunkt Abwehrchef der Hessen, zeigte sich schon bei der Platzbegehung überrascht darüber, wie voll das Sükrü Saracoglu Stadion am Bosporus war.

"Es war im positiven Sinne eine brutale Stimmung. Das war richtig geil", sagte Rehmer im Gespräch mit dem hr-sport. 50.000 Zuschauer waren bei dem wilden Spiel anwesend, wobei nach 50 Minuten vor allem die rund 1.500 Anhänger der Eintracht das Kommando übernahmen. Stürmer Naohiro Takahara hatte die von Friedhelm Funkel trainierte Mannschaft mit 2:0 in Führung gebracht, das Weiterkommen war in greifbarer Nähe.

Funkel beeindruckt vom "Hexenkessel"

Doch mit dem Anschlusstreffer tobte der aufgebrachte Mob auf den Rängen, nach dem Ausgleich war in den letzten zehn Minuten nichts mehr zu holen für die Eintracht. Die Spieler verstanden ihr eigenes Wort nicht mehr, eine Kommunikation war so nicht mehr möglich. Funkel erinnerte sich an die Atmosphäre zurück: "Das war ein Hexenkessel, wie ich ihn selten erlebt habe." Der 67-Jährige hat in seiner Karriere als Coach und Spieler viele Erfahrungen sammeln dürfen, doch dieser Donnerstagabend in Istanbul hatte auch für ihn eine neue Dimension.

"Die Zuschauer standen direkt hinter uns. Über der Trainerbank war ein Wellblechdach. Die Leute haben draufgehauen. Das war ein unvorstellbarer Krach", erklärte Funkel. Er habe sich dann neben die Trainerbank gestellt: "Damit ich das Spiel einigermaßen ohne den Lärm, der über mir dröhnte, verfolgen konnte."

Fink ärgert sich über Gegentor: "War alles nicht mehr möglich"

Von dort musste Funkel mit ansehen wie Fenerbahce spät den Ausgleich zum 2:2 erzielte, obwohl seine Mannschaft heroisch mit Mann und Maus verteidigte. Vor allem der defensive Mittelfeldspieler Michael Fink stand in der entscheidenden Szene im Mittelpunkt. Istanbul kombinierte sich in den Strafraum. Beim ersten Versuch scheiterten die Türken noch an Torhüter Markus Pröll, doch der Abpraller landete bei Semih Sentürk, der den Ball per Fallrückzieher über die Linie drückte.

Fink ärgerte sich noch heute über diesen Moment: "Ich habe auf der Linie gestanden und versucht, den Ball noch mit der Hand zu retten. Dann hätte es vielleicht Elfmeter gegeben. Aber das war alles nicht mehr möglich." Die Stimmung nach Abpfiff sei zunächst gedämpft und bedrückt gewesen: "Wir waren alle enttäuscht." Auch Rehmer spürte diese Wehmut, wobei er betonte: "Wir waren auf einem guten Weg. Das war schon ein kleines Wunder, weil mit uns in der Gruppe keiner gerechnet hatte." Tage später habe daher auch bei allen Beteiligten der Stolz überwogen.

15 Jahre später eine entspanntere Eintracht-Reise

Mit einem solchen Hexenkessel ist fast 15 Jahre später am Donnerstagabend bei Fenerbahce nicht zu rechnen. Istanbul belegt in der Gruppe D der Europa League Rang drei und wird sicher in die Conference League "absteigen". Die Eintracht hingegen ist schon sicher qualifziert und kann mit einem Punktgewinn den Einzug in das Achtelfinale klarmachen. Und dennoch werden die Erinnerungen an diesen 13. Dezember 2006 in der Millionenstadt weiterhin präsent bleiben.