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Ermittlungen nach Fanrandale von Marseille

Der Sieg in der Champions League bei Olympique Marseille ist für Eintracht Frankfurt historisch, doch vom Sportlichen redet hinterher kaum jemand. Nach Gewaltausbrüchen und Hitlergrüßen ermitteln jetzt auch die Behörden in Frankfurt.

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UEFA prüft Sanktionen – Was droht der Eintracht nach Marseille, Herr Reschke?

Hinten: Pyro im Block, Vorne: Philipp Reschke (Vorstand Eintracht Frankfurt) schaut ernst. Collage. Logo: Heimspiel / Text: Champions-League-Randale - Reschke spricht Klartext
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Die Vorfälle rund um das Champions-League-Spiel zwischen Olympique Marseille und Eintracht Frankfurt (0:1) ziehen ihre Kreise bis nach Hessen. Die Frankfurter Polizei geht dem Hitlergruß nach, den ein Fan schon vor dem Anpfiff im Stade Vélodrome gezeigt hat. Der Anhänger hatte sich noch im Stadion bei den mitgereisten Eintracht-Fanbetreuern gemeldet. Laut Verein bestritt der Fan, dass seine Geste einen Bezug zur NS-Ideologie gehabt habe.

Die Eintracht verurteilte dennoch den Vorfall und sprach von einer "als Hitlergruß zu verstehenden Gestik", die im krassen Widerspruch zum Wertverständnis des Klubs stehe. Mittlerweile geht die Eintracht auf hr-Nachfrage davon aus, dass es zwei Hitlergrüße im Fan-Block gegeben habe.

Damit schließt sich die Eintracht den französischen Behörden an, die gegen zwei Personen ermitteln. Beide sind auf einem Handy-Video zu sehen, das noch während des Spiels auf Twitter veröffentlich wurde. Wie die zuständige Polizeipräfektur dem hr sagte, habe man die Fans nicht identifizieren können und deshalb die deutsche Polizei um Hilfe gebeten.

Ein Täter hat sich bei der Eintracht gemeldet

Auf dem Twitter-Video sind zwei Männer zu sehen, die den verboten Gruß zeigen. Das Gesicht des einen ist klar zu erkennen, er trägt eine Eintracht-Jacke. Es ist wohl derjenige, der sich auch bei der Eintracht gemeldet hat und laut einem Medienbericht auch schon von der Polizei verhört wurde. Die Polizei hat das allerdings auf hr-Anfrage nicht bestätigt.

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Die Eintracht und ihre Fans

Fans von Eintracht Frankfurt
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Der andere Fan ist vermummt und trägt Sonnenbrille. Seine Geste wurde von einigen Beobachtern zunächst nicht eindeutig als Hitlergruß erkannt, da nicht alle Finger der rechten Hand gestreckt sind. Allerdings lässt der Gesamteindruck wenig Zweifel zu – so sehen es jedenfalls die französischen Strafverfolger und mittlerweile auch die Eintracht. Zu dieser Person hat die Eintracht nach eigenen Angaben keinen Kontakt.

Behörden in Frankreich und Deutschland alarmiert

Die Gesten beider Fans sind eingebettet in ein wüstes Stakkato hasserfüllter und obszöner Handbewegungen. Damit erfüllen sie aus Sicht der Marseiller Polizei möglicherweise den Tatbestand der "Aufstachelung zum Hass", wie es im französischen Recht heißt. Dem entspricht im deutschen Strafrecht die Volksverhetzung.

Auf dieser Grundlage sind Hitlergrüße in Frankreich schon in vielen Fällen bestraft worden, oftmals mit Geldstrafen im dreistelligen Bereich. In Deutschland fallen die Strafen auch schon mal höher aus, wie etwa in einem Fall eines deutschen Elite-Soldaten. Allerdings gibt es hierzulande auch einen Strafrechtsparagrafen, der eigens auf Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gemünzt ist. Das gibt es in Frankreich so nicht.

Neben den Hitlergrüßen beschäftigen auch die Pyro-Attacken die deutsche Justiz. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt, weil unbekannte Eintracht-Fans Feuerwerkskörper in den Marseiller Fanblock geschossen haben. Solche Attacken sind vielfach auf Video dokumentiert. Vor allem aber auch Attacken in umgekehrter Richtung, nämlich aus dem Marseiller Fanblock in den Gästeblock. Bei einer dieser Attacken wurde ein Eintracht-Fan aus Friedrichsdorf schwer verletzt.

UEFA ermittelt wegen rassistischen Verhaltens

Unabhängig von diesen strafrechtlichen Ermittlungen hat auch der europäische Fußballverband UEFA ein Verfahren eröffnet. Es richtet sich nicht gegen einzelne Täter, sondern gegen die beiden Vereine Olympique Marseille und Eintracht Frankfurt. Der Eintracht wird unter anderem "rassistisches Verhalten" vorgeworfen, wohl wegen der Hitlergrüße in der Fankurve.

Der Eintracht drohen deshalb Zuschauerbeschränkungen bei den kommenden Champions-League-Spielen sowie Geldstrafen. Mit einer Entscheidung der UEFA wird Ende dieser Woche oder in der kommenden Woche gerechnet.

Außerdem will die Eintracht den Fan, der sich wegen des mutmaßlichen Hitlergrußes nun verantworten muss, auch noch zivilrechtlich sanktionieren. Das werde der Verein aber erst tun, wenn die Behörden den Fall geprüft hätten, so ein Klub-Sprecher.

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