Dost

Eintracht Frankfurt knüpft gegen Gladbach an die erschreckenden Auftritte aus der Vor-Corona-Zeit an und rutscht weiter in Richtung Abstiegszone. Ein echter Plan ist nicht erkennbar. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt beendet die fußballfreie Zeit mit einer 1:3-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach. Alassane Plea (1.) und Marcus Thuram (7.) wecken die Hessen mit zwei frühen Toren aus dem Tiefschlaf, Ramy Bensebaini macht mit einem verwandelten Foulelfmeter alles klar (73.). Für die Eintracht, die noch fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hat, trifft André Silva (81.).

1. Ein Spieltag im Zeichen des Coronavirus

Exakt 66 Tage und ein Pandemie-Ausbruch nach dem letzten Bundesliga-Spiel rollte am Samstag also auch in Frankfurt wieder der Ball. Fans waren dabei ebenso wenig zugelassen wie Maskottchen Attila, das Bilden von Jubeltrauben stand gemeinsam mit Ausspucken oder Duschen im Stadion auf der schwarzen Verhaltens-Liste. Abgerundet wurde das seltsame Szenario von Ersatzspielern mit Mund-Nase-Masken, Fiebermess-Stationen an den Presseeingängen und insgesamt zehn Einwechslungen. So sieht er also aus: der Fußball im Zeichen von Corona.

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"Wir werden alles dafür tun, dass die Liga durchgespielt wird", kommentierte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic am Samstagabend im ZDF diesen gleichermaßen historischen wie skurrilen Spieltag. Bobic, ein Verfechter des Re-Starts, hofft gar auf eine Signalwirkung und eine Vorbildfunktion für andere Ligen. "Ich habe viele Anrufe von Clubs aus ganz Europa und den USA erhalten". Alle hätten sich nach dem Konzept erkundigt, betonte er.

Bei den Spielern, allen voran Gladbachs Keeper Yann Sommer, klang das weniger euphorisch: "Ich hätte es lieber gehabt, die Heimkulisse hätte Frankfurt nach vorne gepusht." Gegnerische Fans auf der Wunschliste. Verrückte Zeiten.

2. Gladbacher Blitzstart

Dass sich die Frankfurter Defensive auch auf dem Platz an die aus dem Supermarkt bekannten Abstandsregeln hielt, passte da ins Bild. Plea und Thuram nutzten die Freiräume dankbar aus und schossen Gladbach schneller mit 2:0 in Führung, als ein Ottonormal-Einkäufer in diesen Zeiten Zahnpasta und Hautcreme besorgen kann. Nach nicht einmal sieben Minuten war das als Topspiel angepriesene Duell entschieden und der Gladbacher Auswärtssieg, um im Bild zu bleiben, eingetütet.

"Wir haben die ersten Minuten komplett verschlafen", fasste Innenverteidiger Martin Hinteregger passend zusammen. "Gladbach ist ein Top-Team. Wenn du da mit 0:2 hinten liegst, wird es halt schwer." Doch das ist nur die Hälfte der Wahrheit.

3. Der Eintracht fehlt ein Plan

Denn auch die Gladbacher Abwehr stand im ersten Spiel nach der Corona-Zwangspause, das belegen die zwölf zugelassenen Frankfurter Torschüsse, nicht immer sattelfest. Das Problem: Der Eintracht fehlte wieder einmal ein Plan. Wie schon in den vergangenen drei Bundesliga-Partien, die zeitlich zwar lange her, fußballerisch aber noch lange nicht überwunden sind, krankt es im Spiel nach vorne doch sehr.

Stefan Ilsanker ist ein ordentlicher Abräumer, als alleiniger Dirigent aber überfordert. Die zu Außenverteidigern umfunktionierten Innenverteidiger Evan N’Dicka und Almamy Touré geben ihr Bestes, die Halbfeld-Flanken sind in den meisten Fällen jedoch nicht zu gebrauchen. Und das Kreativloch im Mittelfeld ist nicht erst seit diesem Spiel deutlich erkennbar. Lange Bälle in die Sturmspitze und kollektives Hoffen auf einen Geistesblitz des losbüffelnden Filip Kostic sind auf Dauer zu wenig. Die Eintracht ist zu berechenbar.

4. Problemzone Sturm

Besonders dramatisch ist die Lage im Sturm. Der ehemalige Vorzeige-Mannschaftsteil, der im Mai 2019 selbst internationale Top-Verteidiger in Chelsea-Trikots ins Wanken brachte, ist im Mai 2020 nur noch ein Schatten seiner selbst. Bas Dost, der nach mehreren Verletzungen und Krankheiten gegen Gladbach sein Startelf-Comeback feierte, wirkt weiter wie ein Fremdkörper. Hin und wieder verlängert der Holländer zwar einen Ball und gewinnt einen Luft-Zweikampf, Präsenz im Strafraum und Torgefahr strahlt der 30-Jährige aber nicht aus. Zugegeben: Dost braucht Zulieferer und Unterstützung, beides hat er nicht. In diesem System hilft er der Eintracht jedoch nur bedingt weiter.

Problem: Ein System mit zwei Spitzen ist aufgrund der Verletzung von Goncalo Paciencia derzeit nicht möglich. "Ich brauche noch eine Option auf der Bank", unterstrich Hütter nach der Partie. Heißt: Da es im Frankfurt Kader, dessen Planung nach wie vor Fragen aufwirft, mit André Silva nur noch einen weiteren gelernten Torjäger gibt, wird es weiter nur Dost oder Silva geben. Der Portugiese wäre die bessere Wahl.

5. Beginnt jetzt der Abstiegskampf?

Der zweite Teil dieser merkwürdigen Saison ist gerade einmal einen Spieltag alt, da kämpft die Eintracht schon wieder mit alten Problemen. Die Abstiegszone, die nach einem kurzen Hoch zu Beginn der Rückrunde schon in weiter Ferne schien, ist nur noch fünf Punkte entfernt. Nach vier Bundesliga-Niederlagen mit 2:13-Toren in Folge ist die Abstiegsgefahr allgegenwärtig.

"Wir sind uns der Situation bewusst, das ist sehr unangenehm", gab Trainer Hütter zu, erinnerte in seinem Statement aber auch an die kurze Vorbereitungszeit und das Zusatz-Nachholspiel in Bremen. "Wir müssen jetzt einfach besser werden." Dass das schon beim kommenden Spiel in München passieren wird, wollte selbst Hütter nicht so recht glauben. "Aber unsere Spiele kommen noch." Allzu lange sollte das aber möglichst nicht mehr dauern.