Abraham Pokalsieg

Kapitän David Abraham verlässt Eintracht Frankfurt. Das ist sportlich ein großer Verlust, menschlich ein noch größerer.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Der Kapitän geht von Board: Bye, Bye, David Abraham

David Abraham von Eintracht Frankfurt.
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Egal, wie das Spiel von Eintracht Frankfurt gegen Schalke 04 am Sonntag (18 Uhr) ausgeht, es wird dem Anlass nicht gerecht werden. Kein Sieg des Tabellenneunten, nicht mal ein noch so unwahrscheinlicher Hattrick von David Abraham, dem scheidenden Kapitän in seinem letzten Spiel für die Hessen. Denn die Partie wird vor leeren Rängen stattfinden, und die 50.000 Fans, die Abraham unter normalen Umständen hätten hochleben lassen, können nicht kommen.

Damit geht eine Frankfurter Karriere im Stillen zu Ende, die eigentlich einen Abschied mit Pauken und Trompeten verdient hätte. 178 Mal hat Abraham seine Knochen für Eintracht Frankfurt hingehalten, in seinen fünfeinhalb Jahren bei den Hessen ist er zu einem Innenverteidiger von internationalem Format geworden. Mehr noch: Er hat als Kapitän einen von nur fünf (und vielleicht den spektakulärsten) DFB-Pokalsieg gefeiert, die Bilder, wie er gemeinsam mit Alex Meier den Pokal in den Goldregen Berlins reckt, werden für immer bleiben.

"Er wird geliebt"

Wie sehr er sportlich fehlen wird, war in den letzten Wochen bereits abzusehen. Abraham ist in absoluter Top-Form, im Ligaspiel gegen Leverkusen war der 34-Jährige mit der beste Mann auf dem Platz, mal wieder. Vor allem aber menschlich wird er fehlen. "Wir verlieren nicht nur einen tollen Spieler, sondern auch einen tollen Menschen. Er wird geliebt", sagte Trainer Adi Hütter anlässlich des Abschieds, Abrahams ehemaliger Mitspieler Lukas Hradecky sagte nach dem Aufeinandertreffen im DFB-Pokal: "Ich bin stolz, dass ich mit ihm zusammenspielen durfte."

Abrahams Beliebtheit kommt nicht von ungefähr, in Frankfurt mauserte sich der stets gut gelaunte Abraham nicht nur zum Anführer in der Kabine und auf dem Platz, sondern auch zur Integrationsfigur, wichtig fürs Binnenklima, noch wichtiger für neue Spieler. Seinen Platz auf dem Feld wird der designierte Nachfolger Tuta eventuell füllen können. Sein Platz in der Kabine wird jedoch leer bleiben.

Eckig und kantig wie sein Verein

Außerhalb Frankfurts, auch das gehört zur Wahrheit, werden nicht alle sonderlich traurig über Abrahams Abschied sein. Stürmer wie Robert Lewandowski und Sandro Wagner bearbeitete Abraham am Rande der Legalität und darüber hinaus. Auch in Freiburg wird man sich nach Abrahams Bodycheck gegen SC-Trainer Christian Streich nicht sonderlich wohlwollend an Abraham erinnern.

David Abraham rennt Christian Streich um

Wer Abraham abseits des Feldes erlebte, mit seinem fröhlichen, höflichen Wesen und der leisen Art zu reden, hätte ihm solche Ecken und Kanten nicht zugetraut. Aber passten diese Ecken und Kanten nicht auch ganz wunderbar zu Eintracht Frankfurt?

Aufhören, wenn es am schönsten ist

Es heißt ja, man solle aufhören, wenn es am schönsten ist. Aber in einer Saison, die für Eintracht Frankfurt gerade richtig Fahrt aufnimmt, schmerzt Abrahams Abschied schon sehr, bei allem Verständnis dafür, dass er aus familiären Gründen aufhört, um mehr Zeit mit seinem Sohn zu verbringen.

Was bleibt, sind die Bilder, vom Pokalsieg, aus 177 anderen Spielen, die vielen netten Worte und die Gewissheit, dass er in Frankfurt stets ein gern gesehener Gast sein wird. Und vielleicht ja doch auch ein noch so unwahrscheinlicher Hattrick im Spiel gegen Schalke.