Kevin Trapp im Trainingslager von Eintracht Frankfurt

In der aktuellen sportlichen Schieflage benötigt Eintracht Frankfurt Führungsspieler wie Rückkehrer Kevin Trapp. Im Interview spricht der Torhüter über seine Schulterverletzung, den Umgang mit hoher Belastung und die Kritik am Trainingslager in den USA.

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hessenschau.de: Herr Trapp, es wird viel darüber gesprochen, dass diese Winterpause für Eintracht Frankfurt extrem kurz ist - vielleicht sogar zu kurz für eine anständige Vorbereitung. Ist es aber nicht eher umgekehrt so, dass die Mannschaft froh ist, schon bald wieder zu spielen, um die schwachen Ergebnisse am Ende der Hinrunde aufarbeiten zu können?

Kevin Trapp: Ich persönlich sowieso, weil ich drei Monate raus war. Wir hatten genug Zeit uns auszuruhen. Der Trainer (Adi Hütter; d. Red.) steuert es jetzt gewohnt gut, sodass wir mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr frisch in die Rückrunde gehen können.

hessenschau.de: Trotzdem hat es Kritik an der erneuten Reise nach Florida gegeben. Nicht jeder glaubt wegen der Reisestrapazen oder eines möglichen Jetlags an diese Frische.

Trapp: Dafür habe ich kein Verständnis. Ich weiß nicht, wie die Leute darauf kommen, dass sie wissen, wie wir uns fühlen. Nur weil es zuletzt nicht lief, wurde auf einmal aufs Trainingslager draufgehauen. Es ist aber nicht so, dass wir erst Ende Dezember gesagt haben: Wir fliegen mal nach Amerika. So etwas wird lange im Vorfeld geplant und wir sind alle mehr als zufrieden, dass wir hier sein können. Ich glaube nicht, dass irgendjemand mit der lange Reise oder mit dem Jetlag Probleme hat. Die Diskussion gab es letztes Jahr auch schon - und wir hatten danach eine Phase, in der wir bis in den April hinein kein Spiel verloren haben. Von daher können wir diese Diskussion ganz schnell wieder beenden.

Kevin Trapp genießt die ersten Trainingseinheiten nach langer Verletzungspause.

hessenschau.de: Während der drei Monate Ihrer Schulterverletzung gab es für Eintracht Frankfurt ein paar Höhen, vor allem aber ein großes Tief. Was ist in der Zeit, in der die Mannschaft von sieben Bundesligaspielen in Folge nicht eines gewinnen konnte, aus Ihrer Sicht passiert?

Trapp: Man darf nicht vergessen, dass wir bis zur Winterpause 31 Spiele hatten - dafür aber keine richtige Vorbereitung, weil wir schon im Sommer sechs extrem wichtige Spiele hatten, die dazu führten, dass wir wieder international spielen. Das war unser großes Ziel, aber dadurch war das Pensum enorm hoch. Außerdem hatten wir unheimlich viele Ausfälle, durch Rote Karten oder Verletzungen. Wir mussten immer wieder umstellen und wurden aus dem Rhythmus gebracht. Natürlich sind wir nicht zufrieden, aber wir dürfen jetzt auch nicht alles schlechtreden. Wir haben extrem viel Qualität in der Mannschaft, ähnlich wie in der Rückrunde im letzten Jahr hat allerdings die Müdigkeit eine große Rolle gespielt. Das ist keine Ausrede, sondern ein Fakt.

hessenschau.de: Im Training gibt es Übungen, bei denen Sie aus dem Stand über kleine Hürden springen und sich danach in die gefürchteten Schüsse Ihres Torwarttrainers Moppes Petz werfen. Sind das die besten Beweise dafür, dass mit Ihrer Schulter wieder alles in Ordnung ist?

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„Dass ich nach nur drei Monaten schon wieder voll im Mannschafstraining bin, war so nicht zu erwarten.“ Zitat von Kevin Trapp
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Trapp: Dass ich nach nur drei Monaten schon wieder voll im Mannschafstraining bin, war so nicht zu erwarten, weil man von einer wesentlich längeren Zeit ausgegangen ist. Ich muss allen, die mit mir gearbeitet haben, ein Riesenkompliment machen. Der Operateur in Heidelberg, unsere Physios, die zwei Wochen in Doha: Alle haben extrem viel daran gearbeitet, dass es so schnell geht. Und dass ich jetzt wieder in die Bälle von Moppes hechten kann, ist eindeutig ein Indiz dafür, dass es funktioniert (lacht).

hessenschau.de: In Doha haben Sie im November in einer Sport-Akademie ein persönliches Trainingslager unter sportlicher und auch medizinischer Betreuung absolviert. Ihr Stürmer-Kollege Bas Dost ist seine Schmerzen in der Leiste kürzlich losgeworden, nachdem er sich in die Hände von Spezialisten begeben hatte. So viel Offenheit für externe Beratung gibt es offenbar nicht bei jedem Bundesligisten, in Hoffenheim etwa hat die Verletzungsgeschichte von Ishak Belfodil kurz vor Weihnachten einen Eklat ausgelöst. Ist es eine Besonderheit, dass sich Eintracht Frankfurt bei so etwas nicht verschließt?

Trapp: Am Ende geht es darum, dass die Spieler fit werden. Bei uns ist das Teamgefüge so, dass sich niemand zu wichtig nimmt. Alle ziehen an einem Strang, alle arbeiten dafür, dass wir erfolgreich sind. Wenn jemand das Gefühl hat, dass er jemanden kennt, der ihm helfen kann, dann sind alle dafür offen. Gerade im Fall von Bas haben alle zugestimmt, dass es wichtig ist, dass er schnellstmöglich zurückkommt. Ich glaube nicht, dass es selbstverständlich ist - aber es spricht für die Offenheit, die wir innerhalb der Mannschaft haben.

Eintracht-Keeper Kevin Trapp in Florida

hessenschau.de: Sie gehören in Frankfurt zum Kreis der Führungsspieler und kehren absehbar in den Kader zurück. Kommt Ihnen jetzt, gerade nach den letzten Ergebnissen der Hinrunde, eine besondere Rolle zu?

Trapp: Ich glaube nicht, dass sie extrem besonders ist. Sobald ich wieder auf dem Platz bin, versuche ich natürlich, meine Erfahrung und Qualität mit einzubringen. Aber ich denke nicht, dass alle sagen: 'Okay, ich bin zurück, jetzt wird es wieder positiv laufen.' Die Mannschaft hat auch in meiner Abwesenheit gute Spiele bestritten. Ich persönlich würde mich niemals hinstellen und sagen, dass meine Rückkehr einen besonderen Einfluss auf die Mannschaft hat.

hessenschau.de: Wie nehmen Sie die Stimmung in der Mannschaft wahr?

Trapp: Es ist einfach nicht so, dass wir wie im letzten Jahr oben dabei sind und um die internationalen Plätze mitspielen. Die Situation ist eine andere. Aber das Gute ist: Jeder weiß, um was es geht, ist konzentriert und nimmt das nicht auf die leichte Schulter. Das spricht für unsere Mannschaft.

hessenschau.de: Am Ende der Hinrunde haben der Eintracht in einigen Spielen Spritzigkeit und Frische gefehlt. Was kann ein Fußballer in einer so kurzen Zeit wie der Winterpause gegen müde Beine und Köpfe unternehmen?

Trapp: Es war für jeden wichtig, in diesen knapp zehn Tagen einfach mal abschalten zu können. Viele waren bei der Familie. Es tut gut, auch mal nicht über Fußball zu sprechen, um dann mit frischem Kopf zurückzukommen. Wenn wir einen ähnlichen Saisonverlauf haben sollten wie im letzten Jahr, dann werden es wieder extrem viele Spiele. Allein im Januar und im Februar werden es neun Stück sein.

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Kevin Trapp im Interview
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hessenschau.de: Bei Frankreichs Top-Club Paris Saint-Germain, wo Sie zwischen 2015 und 2018 gespielt haben, gab es für Sie auch schon viele Partien in kurzen Abständen - in der Liga und in der Champions League. Haben Sie aus dieser Zeit etwas mitgenommen, wie man mit solch einer Belastung am besten klarkommen kann?

Trapp: In Paris war es für mich auch eine Umstellung, weil ich diesen Rhythmus vorher eigentlich nie hatte. Der Spagat zwischen Anspannung und sich ausruhen ist extrem wichtig. Das muss man können, weil man dazwischen nicht viel Zeit hat. Am ersten Tag nach dem Spiel ist abschalten angesagt, aber am zweiten geht es eigentlich schon wieder Richtung Spiel. Jeder muss für sich herausfinden, was für ihn das Beste ist.

hessenschau.de: Am 18. Januar startet Eintracht Frankfurt bei der TSG Hoffenheim in die Rückrunde. Gibt es bereits eine Tendenz, ob Sie an diesem Samstagnachmittag Ihr Comeback feiern können?

Trapp: Das ist immer noch schwer zu sagen, ich war drei Monate raus, das ist schon extrem lange. Mal schauen, wie es bis dahin läuft, wie weit ich dann bin. Körperlich fühle ich mich auf jeden Fall sehr gut. Und was auch wichtig ist: Vom Kopf her habe ich weder Angst noch Bedenken, auf die Schulter zu fallen. Das Risiko kann man nie komplett ausschalten, aber grundsätzlich kann ich auf das Spiel hinarbeiten.

Das Gespräch im Trainingslager von Eintracht Frankfurt in Bradenton, Florida führte Patrick Stricker.