Kevin Trapp in der Europa-League-Saison 2018/2019
Kevin Trapp in der Europa-League-Saison 2018/2019 Bild © picture-alliance/dpa

Kevin Trapp hat sich in Frankfurt zum absoluten Wortführer gemausert. Der 28-Jährige weiß genau, wie die Eintracht in Donezk bestehen kann – und spricht über einen möglichen Verbleib in Hessen.

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Eintracht-Torwart Kevin Trapp beim Spiel in Hoffenheim

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Trapp: "Eine Mannschaft, auf die wir uns freuen können"

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Das Wetter in Charkiw kann gnadenlos sein. Minus sechs Grad sind für den Donnerstagabend vorhergesagt, dazu eine Luftfeuchtigkeit von 93 Prozent. Für Eintracht-Keeper Kevin Trapp kein Grund, die Thermounterwäsche aus dem Schrank zu kramen. "Ich werde keine Spezialkleidung tragen. Im Spiel hat man sowieso so viel Adrenalin in sich, dass es schon noch wärmer wird."

Ohnehin wirkt der 28-Jährige derzeit nicht, als könne ihn etwas schrecken. Kälte schon gar nicht. Nach drei Jahren ist Trapp aus Paris zur Eintracht zurückgekehrt. 91 Spiele machte der Keeper für den Scheichklub, an der Seite von Superstars wie Zlatan Ibrahimovic oder Neymar und mit der Selbstverständlichkeit, Titel zu gewinnen und in der Champions League zu reüssieren. Zurück in Hessen scheint diese Selbstverständlichkeit eines ganzen Vereins in Trapps Selbstverständnis übergegangen. In seiner neuen, alten Heimat hat er sich auch deswegen zum absoluten Wortführer gemausert, einem Leihvertrag zum Trotz.

"Jetzt gilt‘s, jetzt werden die Dinger gewonnen"

Kaum ein Spiel, nach dem Trapp nicht in der Mixed Zone Halt macht, um sich zu äußern. Und das durchaus meinungsfreudig. Als sämtliche seiner Teamkollegen mit dem Punkt und der Spielweise beim 0:0 in Leipzig zufrieden schienen, sagte Trapp: "Wir wollten kein Risiko eingehen. Das war ein Mittel. Ob es das Beste war, weiß ich nicht".  Was im Subtext mitschwamm: Trapp ist es nicht mehr gewohnt, in einer Mannschaft zu spielen, die sich hinten reinstellt. Und will sich auch nicht mehr daran gewöhnen.

Das Standing eines Wortführers, eines Antreibers hat sich Trapp durch gute Leistungen erarbeitet, ebenso durch sein mitgebrachtes PSG-Gen. Niederlagen scheint er persönlich zu nehmen, auch deshalb mahnt er vor dem Spiel gegen Donezk: "Jetzt gilt‘s, jetzt werden die Dinger gewonnen." 

"Die Schritte, die weh tun, trotzdem zu machen"

Allerdings, das weiß auch Trapp, spielt er derzeit in einer Mannschaft, die nicht schwer zu motivieren scheint und über genügend Klasse verfügt, auch gegen Donezk zu bestehen. Wenn, so Trapp, man sich wieder auf jene Tugenden besinnt, die der Eintracht einen Hinrunden-Höhenflug bescherten, zuletzt aber nicht immer zu sehen waren. "Wir haben viel drüber gesprochen, was in den vorigen Spielen schief lief. Da ging es um Einsatz, Leidenschaft, die Schritte, die weh tun, trotzdem zu machen. Sonst wird es schwierig."

Die Schritte, die weh tun, dürften bei minus sechs Grad in der Ostukraine noch ein wenig mehr schmerzen. Glaubt man Trapp, wird man das der Mannschaft aber nicht anmerken. "Wir sind seit der Auslosung heiß auf dieses Spiel, weil wir wissen, dass Donezk eine Top-Mannschaft ist. Wir hatten ein unfassbares Auftaktprogramm in der Liga, mit Dortmund und Leipzig Gegner vom Champions-League-Kaliber. Wir wissen, was auf uns zukommt."

"Der Verein hat sich von der Denkweise her geändert"

Eine technisch versierte Mannschaft mit viel Qualität nämlich, so Trapp. "Viele Brasilianer und ukrainische Nationalspieler, die in der Champions League gespielt haben." Also genau jener Liga, aus der Trapp ebenfalls zur Eintracht kam. Offiziell bis zum Sommer, vielleicht aber darüber hinaus? "Ich fühle mich total wohl, fühle, dass der Verein auf dem richtigen Weg ist. Wir haben ein tolles, ambitioniertes Trainerteam, das viel erreichen will. Der Verein hat sich von der Denkweise her geändert. Das sind sehr positive Dinge."

Klar ist aber auch: "Die Eintracht muss wollen, PSG spielt eine Rolle, und ganz am Ende ist mein Wort das entscheidende. Am Ende entscheide ich, ohne mein Ja oder Nein passiert gar nichts." Da spricht einer über seine Karriere, es klingt aber auch, als würde er über seine Rolle in der Mannschaft reden.