Sebastian Rode (Mitte) war nach der Niederlage unzufrieden.

Dass Eintracht Frankfurt gegen Mainz verloren hat, lag nicht an der Leistung der Spieler. Es lag an der Schludrigkeit unseres Autors. Reichs Resterampe entschuldigt sich.

Es gibt einen Typen in den USA namens Ryan Gibson, der aus mir unerklärlichen Gründen Bayernfan ist. Außerdem hat er ein Glasauge mit FCB-Logo und ist schrecklich abergläubisch, was sich dahingehend äußert, als dass er sein Glasauge vor den Spielen der Bayern aus seiner Augenhöhle herausnimmt, 29 Mal linksherum poliert, für jede Meisterschaft, 19 Mal rechtsherum, für jeden Pokalsieg, und fünf Mal die Rückseite, für jeden Landesmeistercup. Erst dann kann er beruhigt das Spiel sehen.

Es gibt sicherlich appetitlichere Anblicke in einer Fußballkneipe als den Tischnachbarn, der sein Auge poliert; wenn auch, je nach Kneipe, nicht viele. Aber ich kann Gibson verstehen. Nicht wegen seiner absolut lausigen Vereinswahl, die ist natürlich unentschuldbar. Aber wegen seines Aberglaubens. Womit ich beim Punkt wäre: der Eintracht-Niederlage gegen Mainz, für die ich mich aufrichtig entschuldigen möchte.

Keine Glückssocken, kein Eintracht-Sieg

Es weiß bislang nur meine Freundin, aber wenn ich nicht ein ganz bestimmtes Paar Socken zu den Eintracht-Spielen anhabe, hat die Eintracht keine Chance. Es sind blau-schwarz karierte Socken, mittlerweile habe ich mir das gleiche Modell noch in rot-schwarz gekauft, um ein bisschen flexibler zu sein. Sie haben sich bewährt, zumindest rede ich mir das ein, und umso schmerzhafter ist es, dass beide Paare aus einer absoluten Nachlässigkeit meinerseits heraus am Samstag in der Wäsche waren.

Entsprechend die Leistung der Eintracht gegen Mainz. Keine Ideen, keine Entschlossenheit in den Zweikämpfen, spielerisch überfordert: Nur meine Rest-Würde hielt mich davon ab, die Socken zur Halbzeit wieder aus dem Wäschekorb zu fischen. Ein ersatzweise zu polierendes Glasauge habe ich leider auch nicht, ich kenne auch niemanden mit Glasauge, das man sich zwecks Befriedung der Fußballgötter kurz mal leihen könnte. Mal ganz davon ab, dass vom Frankfurter Trophäenschrank wahrscheinlich kaum ein Glasauge sauber, entsprechend kein Gott befriedet würde.

Ich habe die Jungs hängen lassen

Sind Menschen abergläubisch, habe ich mal gelesen, geht es ihnen eigentlich darum, das Gefühl zu haben, sie selbst hätten ihren Beitrag zu einem wie auch immer gearteten Gelingen geleistet. Und weil ich nach wie vor nicht zu einem Probetraining eingeladen wurde und die Eintracht dementsprechend auch nicht mit 263 Saisontoren zur souveränen Meisterschaft bomben kann, leiste ich meinen Beitrag eben mit den Socken. In diesem Sinne habe ich die Jungs hängen lassen, ganz klar.

Ich hätte für mehr Klarheit in meinen Aktionen an der Waschmaschine sorgen müssen, die letzte Konsequenz am Waschpulver, die Bereitschaft meinerseits, mal die ein oder andere Wäsche mehr zu machen, hat einfach gefehlt. "Wenn wir nicht an die Leistungsgrenze kommen, dann wird es schwer, ein Spiel zu gewinnen", mahnte nach der Partie Sebastian Rode, und seinen bohrenden Blick in die TV-Kamera nahm ich ganz und gar persönlich.

Wo war Gibsons Glasauge 2018?

Man kann derlei Aberglauben als Quatsch abtun, aber andererseits: Ryan Gibsons Glasauge – er hat und poliert es seit 2017 – hat noch keinen anderen Deutschen Meister gesehen als den FC Bayern. Was beim Pokalsieg der Eintracht 2018 mit seinem Auge los war, weiß ich hingegen nicht. Was ich aber weiß, und das ist eine gute Nachricht: Beide Sockenpaare sind frisch gewaschen und liegen im Schrank. Einem Einzug ins Pokalfinale am Mittwoch gegen die Bayern sollte also nichts mehr im Wege stehen.