Daichi Kamada

Eintracht Frankfurts Daichi Kamada glänzt gegen Augsburg mit der perfekten flüssigen Bewegung. Reichs Resterampe weiß, was das mit Kalium zu tun hat.

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Höchste Technik-Kunst: Kamada trifft gegen Augsburg

Kamada erzielt in Augsburg ein Tor
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Vor etwa zwei Jahren ist Forschern der University of Edinburgh etwas ganz Erstaunliches geglückt. In Experimenten schafften sie es, einen bizarren neuen Aggregatzustand zu beschreiben, der zugleich fest und flüssig ist. Dafür simulierte ein künstliches neuronales Netzwerk das Verhalten von Kaliumatomen, die in einer komplexen Formation von fünf zylindrischen Röhren, die eine Art X mit vier langen Ketten an den Krümmungen der Struktur bildeten, bei 20.000-fachem bis 40.000-fachem Atmosphärendruck und 400 bis 800 Kelvin in einen sogenannten chain-melted state übergingen, in dem, tadaa, Kalium gleichzeitig fest und flüssig war.

Vorangegangenen Satz habe ich schäbig aus einem Artikel von nationalgeographic.de zusammengeklaubt, und ich kann mit Stolz behaupten, von den 58 darin enthaltenen Worten etwa 40 größtenteils zu verstehen. Worauf ich aber eigentlich hinauswill, ist, dass der fest-flüssige Aggregatzustand lediglich eine Simulation ist. Kalium tritt in der Natur nicht in Reinform auf, sondern nur in Form von Verbindungen. Weshalb eine praktische Umsetzung des Experiments schwierig sein dürfte.

Augsburger Stadtmeister in Rhythmischer Sportgymnastik

Bis jetzt. Denn im Auswärtsspiel von Eintracht Frankfurt beim FC Augsburg ließ sich am Sonntag ein solch fest-flüssiger Zustand in Reinform beobachten. In der 22. Minute erlief Daichi Kamada einen Pass von Rafa Borré, wand sich mit einer Bewegung, mit der sich etwa auch ein Fluss um einen Brückenpfeiler bewegen würde, um FCA-Keeper Gikiewicz herum und vollendete diese perfekt flüssige Bewegung, indem er ohne Zwischenschritt aus seinem Richtungswechsel heraus zum 1:0 einschob.

Wenn ich abends nach einem erschöpfenden Tag voller Kolumnenschreiben auf dem Sofa liege und Fußball gucke, ist mein Aggregatzustand auch manchmal irgendwie halb fest, halb flüssig, eine derart fluide Bewegung sieht man dennoch selten. Ich habe schon Lavalampen gesehen, die weniger beweglich wirkten als Kamada in diesem Moment. Ich bin mir sicher, Kamada ist jetzt Augsburger Stadtmeister in Rhythmischer Sportgymnastik, ohne dass er es weiß.

Der nasse Schwamm der Liga

Man müsse sich den Zustand wie einen nassen Schwamm vorstellen, aus dem der Schwamm selbst tropft, hieß es seitens der schottischen Forscher vor zwei Jahren zu ihrem Experiment. Das finde ich irgendwie eklig und interessant zugleich, wie ein, sagen wir, Sonntagsspiel beim FC Augsburg, dem nassen Schwamm der Liga. Und was mir nicht bekannt war: Fest-flüssig reiht sich ein in eine illustre Runde von Aggregatzuständen abseits der Fest-Flüssig-Gasförmig-Klassiker. Etwa den Plasmazustand, das Bose-Einstein-Kondensat, Suprafluid, der bosonische Metallzustand oder entartete Materie.

Ich erspare Ihnen und vor allem mir die Verlegenheit, diese Zustände jetzt zu erklären zu versuchen. Stelle aber die Frage in den Raum, welche Aggregatzustände es wohl noch gibt, von denen wir noch nichts wissen. Den hintereggerschen Metallzustand, halb Ball, halb Knöchel, der sich einstellt, wenn die Grätsche gut sitzt? Den Lassma-Zustand, wenn sich die Champions-League-Träume im Saisonendspurt mal wieder in Luft auflösen? Das Eintracht-Frankfurt-Kondensat, halb Topklub, halb Mittelklasse? Das 1:1 gegen Augsburg und die aktuelle Tabellensituation deuten daraufhin. Aber sicher sagen kann ich das nicht, ich bin ja schließlich kein Chemiker.

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