Imago Eintracht Hoffenheim

Zwei Tore gegen den Winter-Blues: Was Eintracht Frankfurts Sieg in Hoffenheim mit Kneipensongs und Seidenschals zu tun hat, steht in unserer Eintracht-Glosse "Reichs Resterampe".

Reichs Resterampe: Jeden Montag sinniert Eintracht-Experte Stephan Reich an dieser Stelle über Eintracht Frankfurt, den Fußball, das Leben und den ganzen restlichen Quatsch.

Der beste Song der Welt, da sind wir uns ja wohl alle einig, ist Journeys "Don’t stop believin'". Erdige Classic-Rock-Gitarrenriffs, nicht zu viele Akkorde und ein mitgrölenswerter Text, in dem es um Schicksal geht und darum, die Hoffnung nicht zu verlieren, auch wenn es finster um die Dinge steht. Ein kneipentauglicher Song für kneipentaugliche Menschen, und sowieso, Kneipensongs: Gibt es denn überhaupt einen Lebensbereich, dessen Grundsatzfragen nicht von einem ehrlichen Jukebox-Gassenhauer auf den Punkt gebracht und beantwortet werden könnten? Ich glaube kaum.

Zumal sich "Dont stop believin'", Schicksal und Hoffnung, ja besonders für Fußballfans anbietet. Das Dasein als Fußballfan besteht ja schließlich zu einem Großteil aus Hoffnung, die wiederum zu einem Großteil enttäuscht wird. So man nicht zufälligerweise Fan von, sagen wir, Bayern München ist und das Leben zu einem Großteil daraus besteht, schwungvoll in sein Porsche Cabrio zu springen und mit wehendem Seidenschal davonzubrausen, ein ungefährdetes 4:0 im Rücken. So stelle ich es mir zumindest vor.

Sollte man in der Rückrunde überhaupt noch antreten?

Als Anhänger eines Klubs wie Eintracht Frankfurt hat einem das Leben keinen Porsche gegeben, nicht einmal einen Seidenschal, dafür eine Art Grundzweifel an den Dingen und den steten leisen Verdacht, dass sowieso bald alles den Bach runter geht. Was im sportlich eher schwierigen Winter 2019/20 mal wieder zu sehen war. Zig Spiele ohne Sieg, diverse Verletzte, Zukäufe sowieso nicht: Die Stimmung rund um Eintracht Frankfurt wurde immer düsterer, die Lage in der Liga mit jedem kalten Winterpausentag ein bisschen aussichtsloser. Sollte man in der Rückrunde überhaupt noch antreten? Oder den Laden lieber gleich ganz dicht machen.

Aber, aber: Don‘t stop believin'. Auch dann nicht, wenn einem das Fußballleben eine Zitrone wie Hoffenheim zum Rückrundenauftakt gibt, auf dass die Dinge noch finsterer werden. Und siehe da: Ein paar feine Spielzüge, ein couragierter Auftritt, ein Kopfballtor von Timmy Chandler, und schon wurde Limonade draus. Wären sie nicht Altrocker aus Kalifornien sondern Eintracht-Fans, Journey wären stolz gewesen. In Sinsheim, quasi dem Fernsehgarten der Bundesliga, schafft es schließlich auch nicht jede Truppe, zu rocken.

Die nächste fußballerische Popkonserve

Ein kompletter Fehlstart Eintracht Frankfurts scheint nun erst einmal abgewendet, mal abgesehen davon, dass auf die drei wahrscheinlich null Punkte folgen, wenn am kommenden Samstag RB Leipzig in den Stadtwald kommt. Noch so eine fußballerische Popkonserve, aber wer weiß, don‘t stop believin' und so weiter. Und sollte es doch und, naja, erwartungsgemäß zur Niederlage kommen: In einer Eckkneipe sitzen und Journey hören kann man ja trotzdem.