Die Spieler von Eintracht Frankfurt kassierten in München die fünfte Niederlage in Serie.

Mit Lob und Komplimenten ist es ja so eine Sache. Vor allem auch, wenn man als Eintracht Frankfurt gerade 2:5 in München verloren hat. Reichs Resterampe gratuliert.

Manchmal muss ich an Thomas Kessler denken. Kessler ist in Frankfurt ja kein Unbekannter, in der Saison 2011/12 stand er im Tor von Eintracht Frankfurt, d.h. meistens saß er eigentlich auf der Bank. Eine solide Nummer zwei, ein netter Kerl noch dazu, und nach einer Saison war er wieder weg. Seither spielt er wieder für seinen Heimatverein 1. FC Köln, der ihn im vergangenen Sommer mit eigenartigen Glückwünschen bedachte: "300 beim Bankdrücken! Respekt, Thomas Kessler", jubilierte der Club auf Twitter angesichts des 300. Pflichtspiels, das Kessler auf der FC-Bank verbracht hatte.

Ja, gut, äh, Glückwunsch? Eine sonderbare Gratulation zu einer Halb-Leistung, die Kessler "schon stolz" mache, wie er im vereinseigenen Interview pflichtschuldig zu Protokoll gab, und an die ich wegen ihrer Paradoxie seither immer mal wieder denken muss. Erst am Wochenende wieder, als Eintracht Frankfurt erwartungsgemäß in München verloren hatte, mit 2:5, und Trainer Adi Hütter danach sagte: "Dennoch Kompliment an meine Mannschaft, die eine Reaktion auf das Gladbach-Spiel gezeigt hat. Wir haben ein sehr ordentliches Spiel gemacht."

Glückwunsch zu Hintereggers Dribbling

Ein klassischer Kessler, will man sagen. Wenngleich Hütter ja nicht Unrecht hatte, zumindest in der zweiten Halbzeit spielten die Hessen phasenweise gut mit, die Moral stimmte. Auch muss man fairerweise sagen, dass Hütter sein Kompliment am Montag auf der Pressekonferenz relativierte und nochmals explizit in Kontext zur Leistung gegen Gladbach setzte.

Aber, na ja, 2:5? Ein Kompliment nach einer Niederlage mit fünf Toren fühlt sich ein wenig so an, als hätte Hütter Gelson Fernandes für den schönen Schnittstellenpass vor dem 2:4 gratuliert. Oder Martin Hinteregger zum gelungenen Dribbling gegen sich selbst vor dem 2:5. Oder dem im Stadion anwesenden Franz Beckenbauer für seine Integrität und die tatkräftige Mithilfe bei der ohnehin reibungslosen Aufarbeitung des Sommermärchen-Skandals.

"Oh toll, Stephan, schon wieder eine Fünf in Mathe"

Will sagen: Manchmal sind Komplimente, Lob oder Glückwünsche angebracht, manchmal nicht. Wenngleich ich mir natürlich gewünscht hätte, dass mir mein Vater früher mit "Oh toll, Stephan, schon wieder eine Fünf in Mathe. Hier hast du 'ne Mark, kauf dir ein Eis" entgegengetreten wäre. Oder die Kollegen heutzutage freudestrahlend den Sekt aus dem Redaktionskühlschrank holen würden, weil ich mal wieder eine Deadline gerissen habe. Aber man kann eben nicht alles haben.

Thomas Kessler übrigens auch nicht. Seit seinem 300. Bank-Spiel kamen noch 28 weitere Nicht-Spiele hinzu, auch wenn das nach Kölner Logik ja etwas Positives ist. Nein? Doch? Vielleicht? Immerhin: In seinen vier Einsätzen für die Eintracht während der Zweitliga-Saison 2011/12 holte Kessler einst sieben Punkte. Auch dazu, äh, Gratulation.