Das neue Trikot der Eintracht

Neue Saison, neue Eintracht-Trikots. Diesmal sind sie nicht nur wunderschön, sondern auch symbolträchtig. Reichs Resterampe versucht sich an einer Stilkritik.

"Eleganz", hat Karl Lagerfeld mal gesagt, "ist ähnlich wie Mayonnaise." Immer mal wieder muss ich an diesen Vergleich denken, er erschließt sich mir einfach nicht, auch Lagerfelds Erklärung: "Sie schmeckt, oder sie schmeckt nicht", ändert daran nichts. Kann Eleganz schmecken? Wenn ja, wonach? Wenn ich tippen müsste, würde ich sagen: nicht nach Mayonnaise. Eher vielleicht, guckt man sich die Modewelt so an, nach in Orangensaft getränkten Wattebäuschchen.

Vielleicht sollte ich mal beim Trikot-Designer von Eintracht Frankfurt nachfragen, wie das wohl gemeint war, denn er oder sie kennt sich mit Eleganz ganz sicher aus. Seit Mittwoch ist das neue Trikot der Hessen offiziell vorgestellt, und es ist wie so oft in den letzten Jahren: Die Trikots der Eintracht sind so elegant, dass man darin auch ins Sternerestaurant gehen könnte, ohne schief angesehen zu werden. Und vielleicht könnte man da sogar auch Mayonnaise zu seinem Molekularküchen-Sternemenü bestellen.

Schnörkellos wie ein Sprint von Filip Kostic

Nur kleckern sollte man dann nicht, denn es wäre wirklich schade drum. Klassisch rot-schwarze Streifen, so schnörkellos wie ein Sprint von Filip Kostic bis zur Grundlinie. Hinten eine schwarze Rückenpartie, in der Martin Hintereggers Kreuz sicher noch bedrohlicher aussehen wird. Die Schultern farblich schwarz vom Signalrot abgesetzt, ein deutlich sichtbarer Kontrast, der es zum Beispiel Christian Streich in der kommenden Saison einfacher macht, rechtzeitig einen Schritt zur Seite zu gehen.

Und mittendrauf der Römer. Kleine, feine Schattierungen in der Form der Römer-Zinnen als Hommage an all die Feierlichkeiten, die die Eintracht auf dem Römer schon hatte. Kleines, feines Detail: Die hellrote Abhebung an jenen Stellen, die den Römer symbolisieren, scheint genau jener leuchtende Rotton zu sein, den man als Frankfurter bereits auf der Stirnhaut von Uli Hoeneß gesehen hat, 2018 im Olympiastadion in Berlin und auch auf der Tribüne des Frankfurter Waldstadions 2019, kurz nach Goncalo Paciencias Treffer zum 5:1 gegen die Bayern.

Man will in diesem Trikot einen Uwe-Bein-Pass annehmen

Die Balkenoptik ist zudem ein galanter Gruß gen Vergangenheit. Elegant und entschlossen zugleich, möchte man in diesen Trikots gleichermaßen einen Schnittstellenpass von Uwe Bein annehmen und im Stile Uwe Bindewalds einen Gegner über die Bande treten. Man möchte darin gleichermaßen Michael Anicic in eine leuchtende Zukunft einwechseln und auf der Jahreshauptversammlung die Fäuste fliegen lassen. In diesen Trikots möchte man gleichermaßen von Alfons Berg einen klaren Elfer zugesprochen bekommen und eine Fernsehkamera zerdeppern.

In so einem Trikot, ich lege mich fest, muss man am Ende der Spielzeit auf dem Römer stehen und etwas Silbernes oder Goldenes in die Höhe recken. Und vielleicht einen großen Schluck Bier daraus nehmen. Das schmeckt zwar nicht nach Eleganz, dafür aber nach Bier. Und das ist allemal besser als Mayonnaise.