Adi Hütter

Ein Fest für Hobby-Ornithologen: Im Frankfurter Stadtwald kann man aktuell die seltene Lahme Ente beobachten. Reichs Resterampe übt sich in Vogelkunde.

Fußball-Ornithologen im ganzen Land sind entzückt. Die altbekannte, aber sehr seltene Lahme Ente (Exercitus egalicus) scheint sich in deutschen Bundesligagefilden langsam aber sicher wieder anzusiedeln. Zunächst in Gladbach, dann in Leipzig, München, Wolfsburg, nun in Frankfurt: Immer häufiger werden die scheuen Tierchen an den Seitenlinien des Landes wieder gesichtet.

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Ein Geschenk für Vogelkundler, so viel ist klar. Mit auffälligem Gefieder (Leipzig), dem arttypischen Gezeter gegenüber Sportdirektor-Fressfeinden (München) oder mit dem je nach Unterart vorkommenden Wendehals, ist die Lahme Ente ein interessantes Studienobjekt.

Küken, die gegen Mainz 05 ins Schwimmen geraten

So auch in Frankfurt. Indifferent durchschreitet die Lahme Ente wochenends ihre Coachingzone, oft steht sie reglos da und betrachtet ihre Küken, wie sie gegen Mainz 05 ins Schwimmen geraten oder selbstständig das Aus-den-Champions-League-Plätzen-Fliegen lernen.

Die Lahme Ente ist traditionell ein Zugvogel, den es meist zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt in der Saison wegzieht. Führende Fußballornithologen sind sich dabei uneins, warum die Lahme Ente dem Lockruf erliegt und sein mühevoll aufgebautes Nest verlässt, um sich in Gefilden mit einem unwesentlich besseren Bundesligaverein anzusiedeln. Ein irrationales Verhalten, das man von der Lahmen Ente aber auch in den Wochen vor dem Abflug kennt, wenn sie etwa ihren besten Spieler nicht mehr aufstellt.

Es dauert Jahre, bis sich das Ökosystem erholt

Frankfurt war lange Zeit ein sicheres Biotop für die Spezies der Lahme Ente, die im Stadtwald beste Voraussetzungen fand, um nach einer Weile zu einem anderen Verein weiterzuziehen. Dass es für den Klub ein ökologisches Desaster bedeuten kann, wenn der Platz, den die Lahme Ente hinterlässt, etwa von nischenfremden Alphatieren wie Jupp Heynckes besetzt wird, ist in der Fachliteratur mittlerweile gut beschrieben. Mitunter braucht es Jahre oder Jahrzehnte, bis sich das Ökosystem davon erholt.

Der durchaus streitbare Singsang der Lahmen Ente, der meist nach den Spielen zu vernehmen ist, wird von einigen Beobachtern als etwas anstrengend empfunden. Zumal dann, wenn die Fans – selbst ja auch eine sensible Spezies – noch über einem weiteren ärgerlichen Ergebnis brüten. Ohnehin gilt das Zusammenleben im fragilen Lebensraum Fußballverein zwischen Lahmer Ente und Fans als schwierig, vor allem im Misserfolg kann es zu ausdauernden Revierkämpfen kommen.

Eine Lahme Ente mit Pokal

Entsprechend bietet die Nestflucht der Lahmen Ente auch eine Möglichkeit für das Biotop selbst, zu regenerieren. Auch sind nicht wenige Lahme Enten unmittelbar vor ihrem Abflug sogar noch zu echten Anstrengungen in der Lage. So gibt es in Frankfurt dokumentierte Fälle, in denen eine Lahme Ente sogar noch den Pokal holte. Ähnliches ist in dieser Saison ebenfalls noch möglich, auch wenn führende Fußballornithologen eher skeptisch sind, ob sich die Lahme Ente noch einmal zu einer Höchstleistung aufschwingen kann. Aufschluss darüber gibt schon der kommende Samstag.