Glasner Hütter

Eintracht Frankfurt ist der große Gewinner der Trainerrochade von vor der Saison. Reichs Resterampe weiß, was das mit einem hartgekochten Ei zu tun hat.

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Highlights: Eintracht Frankfurt - Arminia Bielefeld

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Kennen Sie Rube-Goldberg-Maschinen? Das sind jene aufwändig konstruierten, absurd komplizierte Apparaturen, die in zahllosen und völlig unnötigen Einzelschritten eine eigentlich sehr einfache Aufgabe ausführen. Ein paar umfallende Dominosteine bringen eine Billardkugel in Bewegung, die in einen Korb rollt, was einen Flaschenzug auslöst, der wiederum ein Feuerzeug anmacht, dessen Flamme ein Seil durchtrennt, wodurch ein Messer zum Schwingen kommt, das so angebracht ist, dass es ein hartgekochtes Ei köpft. Oder so ähnlich.

Wie dem auch sei, ich komme darauf, weil sich die Bundesliga in den letzten Monaten ungefähr genau so angefühlt hat. Vor der Saison kündigte der damalige Gladbach-Trainer Marco Rose seinen Abgang zu Borussia Dortmund an, woraufhin Eintracht-Trainer Adi Hütter sein Wort brach und zu Gladbach ging, was dazu führte, dass Oliver Glasner vom VfL Wolfsburg zur Eintracht kam, dessen freier Platz (kurz) von Mark van Bommel, dann (voraussichtlich ebenfalls kurz) von Florian Kohfeldt eingenommen wurde, der bei Bremen zunächst vom von Darmstadt 98 abgeworbenen Markus Anfang ersetzt wurde, der dann aber wegen gewisser Probleme mit seinen Dokumenten auch wieder gehen musste, wofür Ole Werner übernahm, ehemals Holstein Kiel, die dafür Nikolai Rapp von Hoffenheim II holten und ich bin mir sicher, dass man diese Reihe von Trainerwechseln immer weiter nach unten verfolgen könnte, bis hin zu einem letzten leergebliebenen Trainerstuhl bei den Alten Herren III des SV Irgendwas-hausen, weil ein knotiger 75-jähriger Ballonseidenträger bei der Konkurrenz von der anderen Seite der Pferdekoppel eine bessere Perspektive sah.

Eintracht Frankfurt köpft das Ei

Puh. Das eben war übrigens ein Rube-Goldberg-Satz, mit dem Zweck, die Absurdität der letztjährigen Trainerrochade zu verdeutlichen, was ich freilich auch einfach hätte schreiben können – die Trainerrochade vor der Saison war absurd und hat den wenigsten etwas gebracht – aber dann wären ja Thema und Einstieg der Kolumne verschenkt. Aus Frankfurter Sicht lässt sich übrigens sagen: In der 2021/22-Rube-Goldberg-Ligamaschine war man immerhin der eine Klub, der tatsächlich das Ei hat geköpft bekommen, um mal im Bild zu bleiben.

Die Abwehrarbeit der Eintracht beim 0:2 gegen Bielefeld wirkte zwar mitunter an sich schon wie eine unnötig komplizierte Rube-Goldberg-Maschine voller Querschläger und halbherziger Klärungsversuche, deren Zweck es war, einen Treffer per Brust (!) nach Rabona-Flanke (!!) vom Vorletzten (!!!) eingeschenkt zu bekommen. Aber gut, insgesamt stimmt die Richtung und mit Glasner steht jemand an der Seitenlinie, der offensichtlich mehr draufhat als sein Vorgänger.

Die teuerste Rube-Goldberg-Maschine aller Zeiten

Apropos: Der dürfte mit einer Ablöse von 7,5 Millionen Euro die vielleicht teuerste Rube-Goldberg-Maschine aller Zeiten sein, was sicher im Sinne des Erfinders ist, des Cartoonisten Rube Goldberg: unnötig kompliziert und teuer. Erfüllt eine Rube-Goldberg-Maschine übrigens keinen Zweck, handelt es sich laut Wikipedia um eine "Unsinns-Maschine", womit wir beim VfL Wolfsburg wären, der ja erwiesenermaßen so egal ist, dass man von Zweck kaum reden kann. Oder auch bei Borussia Dortmund, deren Zweck es mittlerweile zu sein scheint, auf einem ewigen zweiten Platz hinter den Bayern von einem Hauch der Vergeblichkeit umweht zu werden. Da kann man noch so oft die Trainer wechseln.

Und so hat eigentlich in der Bundesliga einzig Eintracht Frankfurt einen Vorteil aus dieser komplizierten Trainerrochade im vergangenen Sommer geschlagen, sowohl in Gladbach als auch in Wolfsburg könnte die Maschine nämlich bald schon zum Stehen kommen. Was freilich eine neue Rube-Goldberg-Trainermaschine in Gang bringen dürfte. Oliver Glasner wird davon nicht betroffen sein, sein Vorgänger und auch Florian Kohfeldt in Wolfsburg hingegen schon. Aber hey, bei den Alten Herren III des SV Irgendwas-hausen soll ja noch was frei sein.