Hätte einen Abschied vor Fans verdient gehabt: David Abraham

Eintracht-Kapitän David Abraham verabschiedet sich vor leeren Rängen, wie traurig und ungerecht. Reichs Resterampe weiß, wie der Abschied wirklich hätte laufen sollen.

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zum Video Die komplette Pressekonferenz nach dem Eintracht-Spiel gegen Schalke

Eintracht-Trainer Adi Hütter bei einer Pressekonferenz
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Sonntag, 17. Januar, 9:30 Uhr: David Abraham wird von ein paar Sonnenstrahlen geweckt, die auf seiner Nasenspitze kitzeln. Aus der Küche riecht es nach frisch gebrühtem Kaffee, es ist zwar Mitte Januar, aber eine fast sommerliche Brise weht die ersten paar Takte von "I feel good" durchs gekippte Fenster.

15 Uhr: Auf dem Weg zum Treffpunkt sind die ersten Abraham-Sprechchöre zu vernehmen. Alle Ampeln sind grün, die Menschen winken Abraham fröhlich zu und zeigen den Daumen. Als er am Stadion aussteigt, findet er ein vierblättriges Kleeblatt.

Anpfiff: Zur Feier des Tages pfeift Schiri Manuel Gräfe auf seiner Pfeife "Don’t cry for me, Argentina", 51.000 Fans liegen sich in den Armen und singen mit, die Zeugwarte beider Teams teilen Taschentücher an die Spieler aus.

3. Minute: Erste Rudelbildung, zu viele Schalker wollen mit Abraham den Trikottausch nach Abpfiff verabreden. Gräfe muss einschreiten. Nachdem sich die Lage beruhigt hat, verabredet er mit Abraham den Trikottausch nach Abpfiff.

7. Minute: Abraham wagt sich mit nach vorne, sein Fernschuss rutscht ihm jedoch über den Spann. Wie es der Zufall so will, trifft der Querschläger den Chef des Stadion-Caterings am Kopf, der leicht benebelt Freibier für alle verkündet. Jubel im Stadion.

14. Minute: Schalke verhält sich einem Abschiedsspiel angemessen respektvoll, geht nicht richtig in die Zweikämpfe, läuft nur hinterher, vielleicht sind sie aber auch nur schlecht. Aymen Barkok schlägt eine Flanke von rechts in den Strafraum, der aufgerückte Abraham trifft per Volleyschuss ins lange Eck. Jubel, Extase, Eskalation. Auf der Tribüne nickt Alex Meier wissend.

30. Minute: Nach zwei weiteren Abraham-Toren, einem Seitfallzieher vom Strafraumeck und einer direkt verwandelten Ecke, wechselt Abraham zeitweise auf die Linksverteidiger-, dann die Rechtsverteidigerposition, um auf diese Weise schonmal Ehrenrunden laufen zu können. Während Barkok und Silva auf 5:0 erhöhen, schreibt Abraham an der Bande Autogramme, plaudert ein wenig mit den Fans, macht Fotos.

Halbzeit: Diverse Weggefährten Abrahams sind extra für die große Halbzeitshow gekommen. Es werden launige Reden gehalten, Geschenke überreicht, von Lukas Hradecky gibt es einen Kasten Bier, von Robert Lewandowski und Sandro Wagner zwei freundschaftliche Ellbogenschläge. Überraschungsgast Christian Streich überreicht Abraham per Bodycheck einen Blumenstrauß, alle lachen und haben sich lieb.

63. Minute: Schalke wagt sich nach vorne, Harit steht frei vor Trapp, aber Abraham grätscht nach 70-Meter-Sprint mit gemessenen 41,3 Km/h und der Körperspannung eines Vollmantelgeschosses Harit den Ball vom Fuß. Auf der Tribüne erfindet eine Delegation des DFB den Preis für die "Rettungstat des Jahres", extra um Abraham diese Auszeichnung verleihen zu können.

79. Minute: Lionel Messi wird live auf den Videowürfel geschaltet. Er bedankt sich für die vielen guten gemeinsamen Partien in der Argentinischen U20 und betont, wie schade er es findet, nicht auf Vereinsebene mal zusammengespielt zu haben, zumal er ja auf Abrahams Empfehlung hin im Sommer ablösefrei zur Eintracht kommt. Erik Durm auf dem Platz schwört sich, Messi die Rechtsaußen-Position nicht kampflos zu überlassen.

81. Minute: Ein Anwalt im Publikum wird zufällig auf einen wenig bekannten Paragraphen in den DFB-Statuten aufmerksam, nach dem Pyrotechnik nicht nur nicht verboten, sondern im Falle eines Kapitäns-Abschieds sogar ausdrücklich erwünscht ist. Die Fans stellen in wenigen Sekunden eine Feuerwerksshow auf die Beine, die man so höchstens von Silvester am Times Square kennt. Raketen, Böller, Goldregen – die Spieler stellen das Spielen ein und genießen die Show.

89. Minute: Eintracht-Coach Adi Hütter wechselt Abraham aus, um ihm Standing Ovations zu ermöglichen. Als auf der Anzeigetafel Luka Jovics Nummer aufblinkt, ist es der Emotionen zu viel. Sturzbäche aus Tränen schwappen die Stadiontreppen hinunter, die Mannschaftskameraden tragen Abraham auf Schultern vom Feld, das ganze Stadion singt "Que sera, sera" und schwenkt Wunderkerzen, Jovic kommt mit tränennassen Augen ins Spiel und sieht kaum etwas, macht aber trotzdem noch zwei Tore.

92. Minute: Abpfiff. Abraham verzichtet auf die Ehrenrunde, bittet die Fans lieber zum argentinischen Barbecue, das er auf dem Trainingsplatz vor der Arena hat vorbereiten lassen. 51.000 Menschen stehen beisammen, erzählen sich ihre liebsten Abraham-Anekdoten, schwelgen in Erinnerungen. Abraham als Gastgeber muss mit jedem der Anwesenden anstoßen, nach der Hälfte geht er leicht beschwippst zu Fredi Bobic und verlängert seinen Vertrag um zwei Jahre.

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