Jakic Jubel

Eintracht Frankfurt hat gegen den SC Freiburg endlich wieder Spielglück. Unsere Eintracht-Kolumne Reichs Resterampe weiß, was das mit australischen Rubbellosen zu tun hat.

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Immer mal wieder muss ich an Bill Morgan denken. Morgan ist ein Australier, der nach einer Reihe von Schicksalsschlägen – Autounfall, Herzinfarkt – aus dem Krankenhaus entlassen wurde und sich auf dem Heimweg ein Rubbellos kaufte. Mit diesem Los gewann er ein neues Auto, und weil ein lokaler TV-Sender die Geschichte vom glücklichen Morgan so schön fand, machten sie eine kleine Story über ihn. Darin erzählte Morgan seine Geschichte, kaufte im Rubbellosladen ein weiteres Los, das er für Schnittbilder für die Kamera aufrubbelte – und erneut gewann, diesmal 250.000 Dollar, vor laufender Kamera.

Glück ist schon eine eigenwillige Sache. Phasenweise hat man gar keins, dann kommt alles auf einmal, eine Art Ketchup-Flasche des Schicksals. Nun kann Glück ja zweierlei sein: Ein Zustand tiefster innerer Zufriedenheit. Oder eben ein Zufall, eine glückliche Fügung. Wenn man es genau nimmt, ist erstere Form des Glücks prinzipiell ja auch nicht viel mehr als die Ausschüttung von ein paar Hormonen irgendwo im Hirn, Oxytocin, Endorphin, Dopamin. Also genau das, was der Ottonormal-Eintracht-Fan zuletzt in Rekordzeit abbaute, wenn die Eintracht spielte, bis sich eklatante Mangelerscheinungen bemerkbar machten, etwa frustriertes Kopfschütteln, wütendes Abwinken oder das eine oder andere Bier zu viel.

Zweikämpfe, die glücklich machen

Das Fehlen des Fan-Glücks ließ sich zuletzt – nicht nur, aber auch – mit dem Fehlen des Glücks erklären, das man im Sportjargon Spielglück nennt. Aber seit Sonntag scheint es zurück in Frankfurt. Ein Freiburger Pingpongpass auf Jesper Lindström, der per Außenrist vollendet. Ein eeeeeewig langer Freistoß von Filip Kostic, der an allen vorbei und an die Innenseite des Pfostens segelt, zum 2:0 beim Überraschungsteam der Liga. Zwei glückliche Fügungen, die zu einem Zustand tiefster innerer Zufriedenheit führten. Oder wie nennt man das, wenn man nach einem wirklich, wirklich wichtigen Sieg seinen Fernseher selig umarmt?

"Das Glück des Tüchtigen", nannte es zumindest Eintracht-Coach Oliver Glasner hinterher, was den Schluss zulässt, dass es vielleicht doch mehrere Spielarten von Glück gibt als eingangs beschrieben. Man ist ja auch seines Glückes Schmied, wie es heißt, und beobachtet man beispielsweise Kristijan Jakic dabei, wie er die Schienbeine seiner Gegner bearbeitet wie ein Schmied seinen Amboss mit dem Hammer, wie könnte einen das nicht glücklich machen?

Jesperlindström, ein Botenstoff im Hypothalamus

Oxytocin, das klingt ja schon wie der neue brasilianische Neuner, der im Winter kommt und die Eintracht-Fans beglückt. Oxytocin, Endorphin, Jesperlindström, ein Botenstoff, der einem ein entspanntes Lächeln aufs Gesicht und die Ahnung, dass alles schon irgendwie werden wird, in den Hypothalamus zaubert.

Studien haben übrigens gezeigt, warum ist nicht ganz klar, dass Oxytocin auch Aggressionen verstärken kann. Machen mich deswegen Rudelbildungen so glücklich? Wer weiß. Möglicherweise liegt hierin ja auch das Erfolgsrezept von Eintracht Frankfurt in Freiburg: Einfach so aggressiv in die Zweikämpfe gehen, dass das Glück quasi irgendwann einfach kleinbeigibt. Man habe sich das Glück erarbeitet, sagten die Eintracht-Spieler nach dem Spiel unisono.

Herzinfarkt vor Glück

Von Morgan gibt es übrigens ein wunderschönes Video, sonderlich aggressiv geht er darin nicht zu Werke, er erarbeitet sich auch nichts, er gewinnt einfach, und das größte Glück ist, dass er angesichts von so viel Glück nicht direkt den nächsten Herzinfarkt erleidet. Aber vielleicht habe ich auch etwas übersehen, vielleicht rubbelt er besonders entschlossen oder taktisch clever, ich werde es mir gleich noch einmal anschauen. Nach den Highlights des Eintracht-Spiels.