DFB Pokal

Die Geisterspiele haben dafür gesorgt, dass sich Reichs Resterampe vom Fußball entfremdet. Doch dann bekam unser Autor Besuch von drei Geistern...

Es begab sich aber zu einer Zeit, dass ich eine Weihnachts-Eintracht-Kolumne schreiben sollte und keine Idee hatte. Ein Jahr voller Geisterspiele hatte mich zu einem gefühlskalten Fußballzyniker gemacht, und wenn in den Arenen des Landes die tumben Kreisligakommandos der Profis von den leeren Tribünen widerhallten, wie in einem unbedeutenden Testspiel, befiel mich ein Gram, düsterer als ein spätes 0:1 gegen die Bayern.

Ermattet vom steten Mahnen des Chefs, wo denn die Weihnachts-Kolumne bliebe, fiel ich am Schreibtisch in einen unruhigen Schlaf, in dem ich im Traum knüppelharte, völlig unverwertbare Flanken auf Oberschenkelhöhe von Mehdi Mahdavikia bekam. "Du sollst Besuch von drei Geistern bekommen", sagte Mahdavikia strafend, schlug eine seiner berühmten Flanken hinters Tor und folgte ihr auf Nimmerwiedersehen.

"Ich bin der Geist der vergangenen Weihnacht", sagte Uwe Bein

Ich wachte auf. Im Sinne der Geschichte, dachte ich, müssten nun erst ein paar Tage vergehen, aber angesichts der Kürze dieser Kolumne schlief ich schnell wieder ein. Auf einem saftig grünen Fußballplatz stand ein schnauzbärtiger Mann im Mittelkreis und spielte Steilpässe in Gassen, die von Tony Yeboah wunderbar verwertet wurden. "Ich bin der Geist der vergangenen Weihnacht", sagte Uwe Bein.

Hinter ihm schien die Sonne in schillernden Neunziger-Farben, es roch nach Bratwurst und Zigarillos, auf den Tribünen lagen sich Fans jubelnd in den Armen, fröhliche Kinder tauschten Eintracht-Paninibildchen, und ein jedes bekam das noch fehlende Bild.

"Alfons Berg hat seine Pfeife zuhause vergessen"

Ein Schmetterling setzte sich neckisch auf Beins Nasenspitze, er schenkte mir ein Trikot. "Alfons Berg hat seine Pfeife zuhause vergessen und kann nicht pfeifen", zwinkerte er mir zu. "Außerdem gibt es bald Trikots im Tetrapak-Design, lass dich überraschen." Hier, dachte ich, ist der Fußball noch in Ordnung. Und wachte auf.

Wo die Kolumne denn nun bliebe, stand in der Mail mit "!!!" in der Betreffzeile. Ich beschloss, mir einen Kaffee zu machen, aber weil ich zu schnell aufstand, wurde mir schwarz vor Augen, wie es Leuten mit meinem Körperbau eben manchmal passiert. Im Traum fand ich mich in einem leeren Stadion wieder, die Tribünen abgesperrt, ein paar trostlose Offizielle standen neben dem Platz und blickten traurig drein, während ausgemergelte Spieler erschöpft ihrer Fußballlohnarbeit nachgingen. Dem Ball ging die Luft aus. Dem nächsten auch. Und dem danach auch. Jemand hustete.

"Ist das ein egaler Testkick im Wintertrainingslager?"

"Ist das ein egaler Testkick im Wintertrainingslager in Belek?", fragte ich Stefan Ilsanker, der neben mir stand. "Das ist ein wichtiges Bundesligaspiel", antwortete er. "Und ich bin der Geist der diesjährigen Weihnachtsnacht. Ich bin hier, um dir zu zeigen, wie schreckli-". "Entschuldigung, ich würde gerne plaudern", unterbrach ich ihn, "aber die Kolumne ist jetzt schon viel zu lang." Und wachte auf.

Man kennt das ja, wenn man so viel schläft, dass man davon ganz müde wird, also schlief ich direkt wieder ein. Jemand packte mich im Traum am Kragen, schrie mich an und umarmte mich. Das ganze Berliner Olympiastadion war ein Tollhaus, zehntausende Frankfurter lagen sich in den Armen, der Tormusik-Marsch erklang. "Ich bin der Geist der zukünftigen Weihnacht", schrie mein Nebenmann.

Gold regnete vom Stadiondach, der Pokal wurde überreicht

"Und das da unten ist Aymen Barkok, der gerade das dramatische 4:3 in der 90. Minute im DFB-Pokalfinale geschossen hat. Und das nur, weil ihn eine Eintracht-Kolumne eines unbeirrbaren Fußballenthusiasten, die damit endet, dass er in letzter Minute das dramatische 4:3 in der 90. Minute im DFB-Pokalfinale schießt, so wahnsinnig ermutigt hat. Toll, oder?" Gold regnete vom Stadiondach, der Pokal wurde überreicht, die gut gelaunten Ordner sperrten die Tribünentore auf, um den Fans einen unvergesslichen Platzsturm zu bescheren. Vom Podest aus zeigte mir Barkok den Daumen.

Ich schreckte hoch. Wo die Kolumne denn nun bliebe, fragte der Chef. Jaja, sagte ich.