Hütter Kohfeldt

Eintracht Frankfurt sei ein geiler Verein und man müsse sich doch nach dem Spiel die Hand geben können, meint Werder-Trainer Florian Kohfeldt, nachdem er 90 Minuten durchpöbelt. Eine famose Taktik für sämtliche Lebensbereiche, meint Reichs Resterampe.

Jesper Olsen war ein wirklich guter Kicker. Der Däne spielte unter anderem für Ajax Amsterdam und Manchester United, holte vier Titel und spielte 43 Mal für die Dänische Nationalelf. Umso bitterer für ihn, dass er eher dadurch bekannt ist, dass sein Name sprichwörtlich wurde. Nach einem katastrophalen und folgenreichen Fehlpass bei der WM 1986 ging die Phrase "Einen richtigen Jesper Olsen machen" in den dänischen Sprachgebrauch über – als Synonym dafür, etwas kolossal zu verbocken.

Hierzulande gibt es so eine sprachliche Übertragung eines Fußballernamens ins Lexikon meines Wissens noch nicht, aber nach dem Spiel der Eintracht bei Werder Bremen fange ich gerne damit an. Sich komplett danebenzubenehmen, um anschließend beschwichtigend rumzukumpeln und einen auf Sportsmann zu machen: Das nenne ich ab sofort "kohfelden" bzw. "einen Kohfeldt machen".

"Ein Verein wie Eintracht Frankfurt: Der ist so geil"

Nicht falsch verstehen, ich bin ja ein großer Fan von Gepöbel, gerade beim Fußball bin ich eine Art Pöbel-o-holic. Aber dann bitte auch dazu stehen. Dass sich die Bremer Bank und Tribüne seit den Geisterspielen anhört, als würde da die halbstarke Mofagang aus dem Nachbardorf bei der örtlichen Kirmes Streit suchen – geschenkt.

Nerviger ist, so auch nach dem 1:2 der Eintracht, das klebrige Gekohfelde im Anschluss. "Ein Verein wie Eintracht Frankfurt: Der ist so geil. Aber wir müssen doch alle in der Lage sein, ein Fußballspiel zu spielen und uns danach die Hand zu schütteln", kohfeldete Kohfeldt nach dem Spiel. "Das hat mit Niveau wenig zu tun", sagte Eintracht-Coach Adi Hütter.

Kohfelden im Alltag

Man muss sich Kohfeldt als glücklichen Menschen vorstellen, denn zu geeigneter Zeit so richtig kohzufelden, dürfte einiges erleichtern. Etwa im Alltag, sagen wir, im Straßenverkehr. Na klar, vielleicht bin ich mit 180 durch die Spielstraße bei der Grundschule gebrettert, möglicherweise habe ich auch gar keinen Führerschein, und ja, ich habe dabei ein Bier durch einen Trichter getrunken, es war mein siebtes. Aber, Herr Wachtmeister, wir müssen doch alle in der Lage sein, uns jetzt die Hand zu schütteln und gut ist.

Oder im Supermarkt. Ja gut, vielleicht habe ich in die Salatbar gehustet, anschließend andere Kunden mit Gulasch aus der Dose übergossen und dann versucht, mit der Kasse abzuhauen. Aber ein Supermarkt wie der hier: Der ist so geil. Da muss es doch möglich sein, nicht direkt von der Security in die Mangel genommen zu werden.

Die Möglichkeiten des Kohfeldens sind endlos

Die Möglichkeiten des Kohfeldens sind endlos, im Privaten, im Job, beim Kolumneschreiben. Klar, der ein oder andere Leser wird mir vorwerfen, den Frankfurter Anteil am Zoff unter den Tisch fallen zu lassen, alles durch die Vereinsbrille zu sehen und damit aus journalistischer Sicht vielleicht sogar einen kleinen Jesper Olsen zu machen.

Meine lieben Sportsfreunde, kann ich da nur entgegnen, das mag ja sein, dass ich hier meinen Kolumnenplatz ausnutze, um schäbig in Richtung Werder nachzutreten, einfach weil ich sauer über die unnötige Eintracht-Niederlage bin. Aber wir müssen doch alle in der Lage sein, uns danach die Hand zu schütteln und gut ist.