Eintracht Frankfurt Werder Bremen Jubel Andre Silva

Eintracht Frankfurt muss wegen Corona das Budget halbieren. Reichs Resterampe weiß, was das mit Gin Tonic zu tun hat - und hofft auf ein bisschen Trinkgeld im Transfersommer.

Tja, Geld. Als ich vor ein paar Jahren noch in Berlin lebte, besuchte ich einen Freund in Frankfurt. Wir tranken je zwei Gin Tonic in einer mir nicht bekannten Bar, und als ich die Drinks großmütig zahlen wollte, kosteten sie zu meiner großen Überraschung 60 Euro. Als mich selbiger Freund kurz darauf in Berlin besuchte, tranken wir in einer Bar je einen Gin Tonic und als diesmal mein Kumpel zahlen wollte, verlangte der Barkeeper 12 Euro von ihm, woraufhin mein Kumpel gönnerhaft entgegnete: "Nein, nein, ich zahle beide."

Geld, eh? Lustig bedrucktes Papier, das hier mehr und dort weniger wert ist und das man gegen Waren und Dienstleistungen tauschen kann, etwa die Ware Gin Tonic oder die Dienstleistung, dass ein junger Mann bei Eintracht Frankfurt auf Rechtsaußen geile Flanken schlägt. Dabei gilt: Geld ist ja nie weg, es ist ja immer nur woanders. Es sei denn, man vergräbt die Detari-Millionen im Wald oder führt ein Unternehmen namens Octagon. Dann ist das Geld weg und kommt auch nicht wieder.

Selbst in Berlin haben sie jetzt Kohle

Umso spannender, ob das Geld, das Eintracht Frankfurt wegen der Corona-Krise flöten geht, auch nur woanders ist, ob es weg ist oder doch nochmal wieder kommt, bestenfalls in diesem Transfersommer. Wegen Corona, sagte Sportvorstand Fredi Bobic unlängst, werde das Budget der Eintracht von 280 auf 140 Millionen Euro absacken. Je nach Stadt sind das 35.000.000 Gin Tonic (Berlin) oder 9,333,333 Gin Tonic (Frankfurt), die nicht getrunken werden können, tragisch. Mal ganz davon ab, dass man davon eine Menge guter Fußballer kaufen könnte, wenn man Gin Tonic beispielsweise gar nicht mag oder einen Fußballclub zu leiten hat. Wobei die Rechnung freilich ohnehin nicht mehr stimmt, in Berlin haben sie ja jetzt auch Kohle.

Was ja sowieso eine bodenlose Frechheit ist. Laut Eintracht-Aufsichtsratsboss Wolfgang Steubing ist wegen der finanziellen Situation niemand unverkäuflich, man ist also auf Verkäufe angewiesen, will man Spieler kaufen. Während die reichen Klubs machen, was sie wollen. Die Bayern zahlen Leroy Sané 17 Millionen Euro im Jahr, Manchester City ist in seiner Gesamtheit sowieso eine Komplettfarce und RB Leipzig verwandelt 100 Millionen Euro Schulden leichterhand in 100 Millionen Euro Eigenkapital. Na dann, Prost. Ich kann allerhöchstens ein paar Gin Tonic in Kopfschmerzen verwandeln.

Die Bonzenklubs beim All-you-can-Drink

In Gin Tonic gesprochen haben also die eh schon reichen Klubs ein All-you-can-Drink, während ehrliche Mittelklassevereine erst einmal das Pfand wegbringen müssen und sich dann eine kleine Cola bestellen. Gut, es könnte schlimmer, man könnte Schalke 04 sein, bei denen es nur noch eine Frage von Tagen scheint, bis die Verantwortlichen vor der Geschäftsstelle selbstgemachte Zitronenlimo verkaufen, um mal wieder ein paar Mark aufs Knax-Konto einzahlen zu können. Aber dass die ganze Büffel-Kohle der Eintracht im Finanzloch einer globalen Pandemie verschwindet, ist schon bitter.

Apropos: West Ham schuldet der Eintracht auch noch Geld, ein paar Milliönchen, die noch für den Transfer von Sébastien Haller ausstehen. Für einen englischen Klub gerade mal ein Trinkgeld, aber ist ja klar: Es sind doch immer die Schnösel, die kein Trinkgeld geben. Sébastien Haller sitzt dort übrigens nur noch auf der Tribüne, gerüchteweise wird er nicht mehr eingesetzt, weil sonst irgendwelche Bonuszahlungen fällig werden. Vielleicht tröstet es ihn ja: Nur weil er nicht mehr auf dem Platz steht, ist auch er ja nicht weg. Er ist nur woanders.