Silva

Eintracht Frankfurt besiegt den Mainz-Fluch. Reichs Resterampe weiß, was das mit sieben schwarzen Katzen zu tun hat.

Der Fußball, das ist ja das Schöne daran, ist ein mit Mythen und Legenden aufgeladener Ort. Ein Beispiel: So sollen der Legende nach Fans des argentinischen Fußballklubs CA Independiente, die dem Lokalrivalen Racing Club den Erfolg neideten, einst sieben schwarze Katzen im und um das Racing-Stadion vergraben haben, um den Klub zu verfluchen. 1967 war das, und siehe da: Racing gewann 35 Jahre keinen Titel mehr. Erst als die Fans 2001 in einer großen Suchaktion die Katzenkadaver fanden und ausgruben, war der Fluch beendet – und Racing wurde noch im selben Jahr Meister.

Nun scheint mir die Durststrecke der Eintracht in Mainz ein bisschen weniger melodramatisch, auch ist mir nichts von vergrabenen Mainzer Katzenkadavern bekannt, wenngleich man im hektarweiten Brachland rund ums FSV-Stadion wahrscheinlich auch sieben verfluchte Elefanten vergraben könnte, ohne dass diese je gefunden würden. Aber dennoch: Dass die Hessen satte 35 Jahre nicht in Mainz gewinnen konnten, scheint mir eine dieser unerklärlichen Begebenheiten zu sein, die der Fußballsport so mit sich bringt. Ein Fluch, etwas Übernatürliches.

Zweimal Silva, zweimal Elfer - Fluch vorbei

Umso erstaunter war ich, als die Eintracht am Samstag in Mainz gewann und den Fluch beendete, einfach so. Zweimal Silva, zweimal Elfer, fertig war der humorlose Auswärtssieg gegen einen Abstiegskandidaten. So esoterisch, mystisch, unerklärbar derlei Fußballfolklore manchmal daherkommt, so unspektakulär geht sie mitunter zu Ende. Auch wenn ich noch in der 90. Minute fest damit rechnete, dass gleich ein angegrauter Nikolce Noveski ins Spiel kommt und per Doppelpack den Ausgleich besorgt.

Denn es war ja wirklich lange Jahre wie verhext. Angesprochener Noveski schoss einst einen von nur sechs Eigentor-Doppelpacks der Bundesligageschichte, nur um der Eintracht mit einem Treffer ins richtige Tor den Sieg dann doch wieder zu entreißen. Eine Art Klassiker, die Spiele der Eintracht beim FSV, die trotz Führung noch verloren gingen, lassen sich kaum zählen.

Warum diese Mühe, ausgerechnet in Mainz?

Warum diese Mühe, ausgerechnet in Mainz? Selbst der letzte Sieg, 1986 im Pokal, war ein echter Krampf. Erst in der Verlängerung drosch Reinhold Jessl den Ball wütend aus ein paar Zentimetern Entfernung über die Linie, zu einem schmeichelhaften 1:0. Mainz war damals noch Oberligist.

Unerklärlich. Oder? Wahrscheinlich, das mal ganz nüchtern, war Racing im Jahr 2001 einfach besser als die Konkurrenz, so wie die Eintracht am Samstag einfach besser war als biedere Mainzer. Hat sich was mit Fluch. Aber der Titel 2001 wird immer mit der Geschichte der sieben Katzen verbunden werden. Weil sie etwas Unerklärliches, die 35-jährige Pleitenserie, erklärbar macht. Denn darum geht es ja letztlich beim Glaube an Übernatürliches: Eine Erklärung für Dinge zu finden, die schwer verständlich sind.

Zu gut, um nicht daran zu glauben

Und weil die Geschichte mit den Katzen natürlich eine Mords-Story ist, klar. Zu gut, um nicht daran zu glauben. Übrigens: Eintracht Frankfurt ist seit 1967 auch nicht argentinischer Meister geworden, soweit ich weiß. Kann das Zufall sein?