Bas Dost

Eintracht Frankfurt spielt absolut unnötigerweise nur 1:1 gegen Werder Bremen. Reichs Resterampe weiß: Das ist ein wunderbares Zeichen von Kontinuität.

Reichs Resterampe: Jeden Montag sinniert Eintracht-Experte Stephan Reich an dieser Stelle über Eintracht Frankfurt, den Fußball, das Leben und den ganzen restlichen Quatsch.

In Wolfgang Herrndorfs "Arbeit und Struktur" gibt es eine tolle Stelle, in der Herrndorf über das Flusensieb seiner Waschmaschine schreibt. Im Kern geht es darum, dass das Flusensieb seiner Waschmaschine etwa alle fünf Jahre gereinigt werden muss und dieser Vorgang Herrndorf auf eigenartige Weise anrührt, wann immer es wieder so weit ist. Schon wieder fünf Jahre, das Flusensieb, Mensch, wie die Zeit vergeht...

Ich habe mich in dieser Stelle irgendwie immer wiedergefunden. Die Vergänglichkeit der Dinge, ganz plastisch in einem Alltagsgegenstand eingefangen, der banaler nicht sein könnte. Und der zugleich eine Konstanz bietet, die viele andere Dinge in dieser rastlosen Welt vermissen lassen. Soll draußen doch die Welt untergehen, man selbst mit den Verwerfungen des Alltags kämpfen: Das Flusensieb muss trotzdem alle fünf Jahre gesäubert werden, sonst gibt’s eine Pfütze.

Das Leben zieht an einem vorbei und grüßt nicht mal

Mein persönliches Flusensieb, um mal im Bild zu bleiben, sind unnötige 1:1-Unentschieden der Frankfurter Eintracht. Denn es ist doch so: Man steht auf, geht schlafen, dazwischen macht man Dinge und ehe man es sich versieht, ist man alt, mosert über die jungen Leute, zu denen man eben selbst noch gehörte, und hey, Moment, wo kommt denn der Bauch her? Das Leben, es zieht an einem vorbei und grüßt nicht mal.

Was aber immer da ist, immer wiederkehrt, sind unnötige 1:1-Unentschieden der Eintracht gegen spielerisch schwache Gegner aus der unteren Tabellenhälfte. Teams, die an sich schon so etwas sind wie Flusen im Sieb des Bundesliga-Spielbetriebs. 1:1 gegen Bochum 2008 nach einem direkt verwandelten Freistoß von Mimoun Azaouagh? Darauf ist Verlass. 1:1 gegen den FC Ingolstadt 2015 nach einem frühen Rückstand durch ein Elfmetertor von Moritz Hartmann? Aber klar. 1:1 gegen Fürth 2012 nach einem späten Ausgleich des aufstrebenden Jungtalents Zoltan Stieber? Oh, süße Verlässlichkeit.

Gegner, der sich das Fußballspielen abtrainiert

Und so war es am Samstag gegen Werder Bremen ja wieder. Eine überlegene Eintracht, die in der Tabelle nach oben schielt, dann aber an einem Gegner scheitert, der sich allem Anschein nach das Fußballspielen aktiv abtrainiert. Nicht über ein Unentschieden hinauskommen, heißt es dann seitens der Presse. Dass man sich nicht belohnt habe, seitens der Spieler.

Aber wir leben inmitten einer globalen Pandemie, morgen wird zudem der schlechteste Mensch des Planeten möglicherweise als US-Präsident wiedergewählt, und wie es weitergeht in diesen unruhigen Zeiten, weiß kein Mensch. Was wäre denn da eine größere Belohnung als ein bisschen Konstanz?