Oliver Glasner

Eintracht Frankfurt verliert gegen Hertha, Eintracht-Trainer Oliver Glasner will sich "einen hinter die Binde kippen". Gute Idee, findet Reichs Resterampe, und erklärt, was das mit John Malkovich zu tun hat.

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EIntracht Frankfurt - Hertha BSC Berlin
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Am Set des ohnehin sehr sehenswerten Films "Being John Malkovich" hat sich einst etwas sehr Witziges zugetragen. In einer der vielen, langen Pausen am Set kam ein vom Warten genervter Statist auf die brillante Idee, sich amtlich zu betrinken, musste aber – natürlich – kurz darauf vor die Kamera. Sein Job dabei war einfach: Er sollte schlicht auf der Ladefläche eines vorbeifahrenden Trucks sitzen. Nur: Er war eben betrunken, also stand er auf der Ladefläche auf, nahm seine halbvolle Bierdose und warf sie dem im Vordergrund durch die Szenerie trottenden Hauptdarsteller John Malkovic an den Hinterkopf, mit dem lauthals gebrüllten Kommentar: "Hey Malkovich, think fast".

Wer nun denkt, der Statist wäre mit Schimpf, Schande und möglicherweise einer Anzeige wegen Körperverletzung des Sets verwiesen worden, der irrt. Regisseur Spike Jonze fand die, nennen wir es mal: Improvisation des Statisten so passend, dass er sie im Film behielt. Mit dem netten Nebeneffekt für den Statisten, dass er plötzlich eine Sprechrolle hatte, die auch als solche vergütet wurde. Mit 10.000 Dollar Gage.

"Vielleicht kippe ich mir heute einen hinter die Binde"

Man sieht: Betrunkene Ideen sind manchmal gar nicht so schlecht. In diesem Sinne hoffe ich, dass Eintracht-Trainer Oliver Glasner seine Ankündigung nach dem desolaten Spiel seiner Mannschaft gegen Hertha BSC wahrgemacht hat. "Vielleicht kippe ich mir heute einen hinter die Binde. Dann bekomme ich vielleicht eine Lösung", sagte Glasner nach der Partie. Immerhin in der Hinsicht ist Glasner in Frankfurt angekommen: Denn sich nach gruseligen Eintracht-Spielen einen hinter die Binde zu kippen, ist für viele, die es mit den Hessen halten, ein altbewährtes Mittel zur Frustbewältigung.

Wobei die Partie ja ohnehin schon wirkte, als sei da bereits Alkohol im Spiel. Eine Spielanlage, konfuser als ein Gespräch über Politik an einer Kneipentheke morgens um drei. Weniger Chancen als bei der Ex, der man nachts eine Whatsapp schreibt. Und Gegentore, so unnötig wie der Döner morgens um fünf. Dafür ein Kater ohne Party, das muss man ja auch erstmal schaffen. Mit seinen 10.000 Dollar hätte sich der Statist aus Being John Malkovich grob gerechnet 3.333 Bier kaufen können. Nicht einmal damit hätte er sich die erste Halbzeit schöntrinken können.

Leicht einen sitzen und keine Punkte

Hicks. Früher gingen Mannschaften, wenn es nicht lief, mal in die Kneipe um die Ecke, betranken sich und sprachen sich aus. Leicht einen sitzen und keine Termine, quasi. Aber Punkte halt auch nicht. Alkohol ist ja auch, glaubt man Herbert Grönemeyer, sowohl Sanitäter, Fallschirm als auch Rettungsboot, und alles drei könnte die Eintracht aktuell gut gebrauchen. Think fast, denke schnell, rief einst der Statist. Was für ein seltsamer Ausruf, habe ich stets gedacht, aber vielleicht macht er ja erst jetzt Sinn, da es bei Eintracht Frankfurt schnelle Lösungen braucht, ob alkoholgeschwängert oder nicht. Being Oliver Glasner.

Die eingangs erwähnte Anekdote mit dem Statisten hat sich nach einer Kurzrecherche übrigens als Urban Legend herausgestellt, John Malkovich höchstpersönlich erzählte in einem Interview, dass die Szene geplant gewesen sei. Die Legende hält sich trotzdem. Und irgendwie macht das ja auch Sinn, schließlich klingt die Story wie der typische Thekenquatsch, den sich jemand nach dem vierten Bier ausgedacht hat. Aber: Was bedeutet das für diese Kolumne? Ist die Analogie nun hinfällig oder funktioniert sie sogar besser? Schwierig. Ich werde bei einem kleinen Drink darüber nachdenken.