Eintracht Jubel

Eintracht Frankfurt gewinnt nach 21 Jahren mal wieder bei Bayern München und feiert einen historischen 2:1-Sieg. Grund genug für einen kleinen zeitgeschichtlichen Exkurs von Reichs Resterampe.

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Nach 21 Jahren, die sich wie ganze Epochen anfühlen, gewinnt Eintracht Frankfurt endlich wieder beim FC Bayern München. Im Lichte dieses historischen Ereignisses lohnt ein zeitgeschichtlicher Exkurs ins wechselhafte Verhältnis zwischen dem tapferen Stamm der Eintrachtler und dem übermächtigen Bauernstaat im Süden. Zahlreiche Überlieferungen, Ausgrabungen und auch Twitter-Wandmalereien des 2000er-Siegtorschützen Jan-Aage Fjörtoft vermitteln Wissenschaftlern mittlerweile ein umfassendes Verständnis davon, was genau sich in den vielen Jahren seit dem 2:1-Sieg anno 2000 zeitgeschichtlich zugetragen hat.

Der Sieg im Jahre 2000 stellt dabei nicht weniger als eine Zäsur dar. Unter Diktator Felix, dem Grausamen, versinkt die einst glorreiche Eintracht – noch wenige Jahre zuvor die fußballerisch fortschrittlichste Zivilisation des Landes – im Chaos und zeitweise gar der Zweitklassigkeit. Und muss mit ansehen, wie sich die Bayern zur Großmacht entwickeln.

Ende des Funkel-Barocks

Die folgenden Eintracht-Jahre sind vor allem von spielerischer Armut und diversen Erfolgshungersnöten geprägt. Einen Aufstand 2006 zerschlagen die Bayern angeführt vom Barbarenkönig Oliver im Berliner Olympiastadion, in der Liga erleben die Hessen eine Zeit des Stillstands. Immerhin kunstgeschichtlich hat diese Epoche viel zu bieten, etwa das Gemälde von Fallrückziehertor eines Christoph Preuß (Spann auf Tornetz, 2007) oder die Erfindung des Paartanzes durch Martin Fenin mit David Alaba vorm Siegtreffer zum 2:1 anno 2010. Auch die Überreste des ermauerten 0:0 in München von 2008 nach Bauskizzen von Oka Nikolov gelten heute als historisch bedeutsam.

Mit Ende des Funkel-Barocks beginnt bei der Eintracht dann eine Epoche des Wandels. Dem hedonistischen Michael I. folgt bald der Schamane Christoph D., zeitweise suchen die Hessen Kontakt zu kleineren Völkern (2011/12), um dann wieder, unter der Regentschaft von Armin, dem Entkorker, halb Europa zu erobern. Das ein oder andere gut erhaltene Fossil aus dieser Zeit kann man nach wie vor bestaunen, etwa wenn Heribert Bruchhagen mal wieder im Doppelpass eingeladen ist.

Machtübernahme von Prinz Kevin, Erfindung der Dampfmaschine Ante Rebic

Etwa 2016 vollzieht sich dann, was in den Schulbüchern gemeinhin als Eintracht-Renaissance bezeichnet wird. Mit dem Anbrechen der Aufklärung in der Spielphilosophie, der Machtübernahme von Prinz Kevin anno 2017 und der Erfindung der Dampfmaschine Ante Rebic endet endlich der 20-jährige Krieg mit dem Ball.

Es beginnt eine goldene Ära in Frankfurt, die in der Schlacht um Berlin 2018 gipfelt, in der es den Hessen gelingt, die sehr viel besser bewaffneten Bayern erfolgreich mit 3:1 abzuwehren. Es ist die einhellige Meinung unter Fußballhistorikern, dass über den Helden Mijat Gacinovic noch in tausend Jahren Lieder gesungen und Geschichten erzählt werden. Ein goldener Pokal, der nach der Schlacht im Schutt der Münchner Defensive gefunden wurde, ist überdies im Museum zu bewundern.

Mit diesem historischen Ausnahmeereignis sind die Frankfurter in der spielerischen Moderne angekommen, vor allem die rasanten technischen Errungenschaften wie etwa Luka Jovic, Sébastien Haller, Filip Kostic oder auch André Silva sorgten in vielen Spielen gegen die Bayern für einen deutlichen zivilisatorischen Vorsprung, so etwa, als man die Bayern 5:1 rasierte (2019) und sie nur ein Jahr später erneut in Frankfurt unter die Räder kamen. Nun also der erste Auswärtssieg in München seit dem Beginn des fußballerischen Spätmittelalters.

Beginnt das Zeitalter der glorreichen Frankfurter Eintracht?

Umstritten ist unter Historikern, was sich aus der wechselhaften Geschichte zwischen Eintracht Frankfurt und Bayern München für die Zukunft ableiten lässt. Konservative Fußballhistoriker gehen davon aus, dass erneut ganze Zeitalter vergehen werden, bis die Eintracht mal wieder in München gewinnt. Progressivere Stimmen, so auch jene des Autors dieses Textes, gehen davon aus, dass der Auswärtssieg und auch die guten Heim-Ergebnisse der vergangenen Jahre eine Zeitenwende andeuten.

Demnach wird das 31 Meisterschaften alte Reich der Bayern alsbald vergehen und das Zeitalter der glorreichen Frankfurter Eintracht anbrechen, das dann mit einer demnächst errungenen Meisterschale eingeläutet wird. Dabei handelt es sich allerdings lediglich um Mutmaßungen, eine echte Prognose wäre aus wissenschaftlicher Sicht freilich unseriös.